Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Oktober 2013

Das Theater ist endlich barrierefrei - neuer Aufzug eingeweiht

Es klingt zunächst nicht wie eine unspektakuläre Errungenschaft, aber für das Theater Freiburg ist sie einschneidend: Am Donnerstagnachmittag ist dort ein neuer Aufzug eingeweiht worden.

  1. Testfahrt: die Stadträtinnen Ellen Breckwoldt (links) und Anke Dallmann mit Bürgermeister Ulrich von Kirchbach Foto: michael bamberger

Damit können Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte nun endlich alle für das Publikum relevanten Bereiche erreichen. Bislang konnten sie weder zur Abendkasse des Großen Hauses und ins Steinfoyer noch ins Winterer-Foyer und die oberen Ränge gelangen. Zudem wurde im ersten Obergeschoss eine Behindertentoilette eingebaut; bislang gab es im gesamten Theater nur eine einzige im Theatercafé.

"Das ist auf jeden Fall eine Verbesserung für Menschen mit Mobilitätsproblemen", sagte Daniela Schmid vom Behindertenbeirat. Und Intendantin Barbara Mundel fügte hinzu: "Heute ist ein Tag der Freude." Auch CDU-Stadträtin Ellen Breckwoldt, Vorsitzende des Stadtseniorenrats, zeigte sich angetan von der "Riesenverbesserung" für das mehr als 100 Jahre alte Theatergebäude: "Wir reden dauernd von Inklusion, und wenn es dann zum Schwur kommt …" Kultur- und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) erinnerte daran, dass es bei der großen Sanierung des Theaters in den 1990er Jahren am Geld gescheitert sei, Barrierefreiheit zu schaffen und die veraltete Bühnentechnik zu sanieren. Beides geschieht nun, die Bühnentechnik wird ab Frühjahr 2014 mehrere Monate lang modernisiert. Für alles zusammen sind 13,75 Millionen Euro veranschlagt.

Werbung


Der Einbau des Aufzugs vom Erdgeschoss – der Zugang befindet sich links am Eingang zur Theaterpassage an der Bertoldstraße – bis in den zweiten Rang war eigentlich erst für 2015 zum Abschluss der Sanierung der Bühnentechnik vorgesehen. Doch der Gemeinderat sah die Dringlichkeit und entschied, den Aufzug vorzuziehen. Rund 490 000 Euro kostete der Einbau in ein altes Treppenhaus, das bislang als Fluchtweg genutzt wurde, und des Behinderten-WCs. Kalkuliert hatte man mit 410 000 Euro; bei den Bauarbeiten seien unerwartete Schwierigkeiten aufgetreten, erläuterte von Kirchbach. So wurde eine stillgelegte Toilette aus der Nachkriegszeit nahe des Aufzugsschachtes entdeckt, die in keinem Plan erfasst war und zusätzliche Bauarbeiten erforderte. Für die Mehrkosten werde man eine Lösung finden, sicherte Bürgermeister von Kirchbach zu.

Um überhaupt ins Theater zu gelangen, mussten Rollstuhlfahrer bislang einen Aufzug rechts neben der Eisdiele Portofino benutzen. So gelangten sie über das Theater-Café ins Parkett und zu den Garderoben des Großen Hauses, wo es bis zu acht spezielle Rollstuhlplätze gibt. Auf den ersten und zweiten Rang können Rollstuhlfahrer trotz des neuen Aufzugs nicht gelangen, vor den Eingangstüren gibt es Treppen. Ins Stein- und Wintererfoyer zu kommen sei bislang nicht möglich gewesen, berichtete Stadträtin Anke Dallmann (Freie Wähler), die auf einen Rollstuhl angewiesen ist."Der Aufzug ist ein Riesenfortschritt." Das Theater könne nun ein neues Publikum gewinnen. "Als Rollstuhlfahrer ist man gewohnt, vorher genau zu schauen, wo man hinkommt und wo nicht. Bevor Sie die Peinlichkeit erleben, irgendwo nicht hochzukommen, kommen Sie lieber erst gar nicht."

Autor: Frank Zimmermann