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19. September 2011

Der Papst und ich

Dekan Markus Engelhardt: Besuch als Provokation

Dekan Markus Engelhardt ist neugierig auf Benedikt XVI.

  1. Markus Engelhardt lässt der Papstbesuch nicht kalt. Foto: thomas kunz

Markus Engelhardt schaut protestantisch nüchtern auf den Besuch des Papstes. Zur Messe auf dem Flugplatz werde er nicht gehen, sagt der Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Freiburg: "Ich halte zur der Zeit selber einen Gottesdienst in Günterstal, das werde ich dafür nicht aufgeben."

Doch trotz oder sogar wegen der "inneren Distanz zum Papsttum", die er als Protestant empfinde, hat der Besuch des Papstes in seiner Stadt für ihn eine Bedeutung – "als Provokation, als intellektuelle und geistliche Herausforderung", sagt Engelhardt: "Wenn der Repräsentant der Kirche kommt, die sich selbst nach wie vor als die eine und einzige Kirche ansieht, kann das niemanden kalt lassen."

In der Stadt merke er bisher wenig davon, "dass wir auf ein Jahrtausendevent zu gehen, das es rein faktisch ja ist", sagt Engelhardt lächelnd: "Wenn Freiburg zum Beispiel Austragungsort der WM wäre, herrschte sicher eine andere Stimmung..." Er selbst will zur Begrüßung des Papstes auf den Münsterplatz gehen: "Ich habe freundlicherweise Einladungen zu allen öffentlichen Veranstaltungen bekommen."

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Neugierig sei er vor allem auf die Rede Benedikts im Konzerthaus: "Diesen großen Denker zu hören, ist auf bestimmte Art auch ein Genuss." Benedikt sei ein Mann des Wortes – und darum "auf ironische Weise fast schon ein protestantischer Papst."

Ironisch deshalb, weil der Papst selbst ja "relativ unfreundliche Töne" gegenüber den reformatorischen Kirchen angeschlagen habe. Der evangelische Dekan erwartet nicht, Benedikt persönlich zu treffen – zumal die Ökumene in Freiburg gar nicht Thema sei: Der Papst spricht bereits zuvor in Erfurt mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. "Ich bleibe da relativ gelassen", sagt Engelhardt.

Erstaunlich findet der Pfarrer dennoch, welchen riesigen Aufwand es bedeutet, "wenn eine Person für 30 Stunden in der Stadt ist". Er selbst hat seit Jahresbeginn am Runden Tisch teilgenommen, an dem Erzbistum, Stadt und andere Institutionen über den Besuch gesprochen haben. Das Pensum, das der Papst zu bewältigen habe, könne er nur bewundern: "Überall werden kluge, glaubensstärkende Worte von ihm erwartet. Es ist schon unglaublich, was einem 84-jährigen Menschen abverlangt wird."

Doch auch in Freiburg müsse unglaublich viel Arbeit für den Besuch geleistet werden: "Mir tun die katholischen Brüder und Schwestern schon leid, die das alles vorbereiten müssen", sagt er – und bewahrt sich auch in diesem Punkt eine nüchterne Gelassenheit: "Ich bin froh, dass wir so etwas nie werden organisieren müssen."

Autor: Thomas Goebel