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24. April 2009
Den Schlangen und Spinnen nie Feind
Leute in der Stadt: Vivariumbesitzer Michel Guillod lebt von Kindesbeinen an seine Leidenschaft
Als Kind war er fasziniert von Tieren, die andere töteten, weil sie als zu gefährlich galten: Krokodile, exotische Spinnen, Echsen und Schlangen. Heute besitzt er die weltweit größte mobile Sammlung solcher Tiere und ist international als Kenner und Händler unterwegs. Mit seinen "Reptiles du Monde" gastiert Michel Guillod noch bis zum 3. Mai in Freiburg.
Im französischsprachigen Teil der Schweiz wuchs der 1957 geborene Michel Guillod auf – und erlebte das, was er den Moment der Inspiration für seine große Leidenschaft nennt: Als kleiner Junge spielte er unweit seines Waadtländer Elternhauses an einem Tümpel und entdeckte im Gras ein kleines, längliches, matt schimmerndes Tier. Die Neugier überwog das mulmige Gefühl, vorsichtig berührte er die Schlange. Kein Biss, kein Gift, keine Lähmung. Diese Erfahrung hatte sehr weitreichende Folgen.
Als Zehnjähriger besucht er regelmäßig das Vivarium im Nachbarort, fällt dem Besitzer als besonders interessiert auf und beginnt bald, mitzuhelfen. Und da die Reptilien für den Schuljungen höher im Kurs stehen als der Schweizer Franken, ist Michel Guillods erster Arbeitslohn: eine Boa. Nachdem er mit seiner Mutter nach Montreux umgezogen ist, startet er mit einer eigenen Zucht. Dass er auch Mäuse heranzieht, als Futtertiere für Kobras und Pythons, findet die Mutter gar nicht schlimm. Sie sieht, dass ihr Sohn keiner kurzfristigen Spinnerei erlegen ist: Bald organisiert Michel erste Ausstellungen und verdient sich durch Verkäufe der gezüchteten Tiere auch etwas Taschengeld.
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Nach der Schule lässt sich der junge Mann zum Verkäufer ausbilden. "Irgendetwas musste ich ja machen", sagt Michel Guillod heute. "Die Ausbildung war mir aber egal. Ich konnte eben noch nicht allein von meiner Leidenschaft leben." Was sich rasch ändert: Seit 1979 bestreitet der Schweizer seinen Lebensunterhalt mit den Reptilien. Der Handel gerade mit exotischen Exemplaren sichert ihm dabei einen Teil seines Einkommens, den anderen bilden die Einnahmen aus den Ausstellungen, die bisher vor allem in der Schweiz stattfanden, seit vergangenem Jahr aber auch in Deutschland.
Und wenn keine Ausstellung stattfindet? "Dann ist Reisezeit, pro Jahr insgesamt etwa sechs Monate. Ich habe Freunde und kenne Händler überall auf der Welt. Teils fange ich die auszustellenden Exemplare ja auch selbst ein, in freier Wildbahn." Gerade mit Blick auf die vielen Flüge in die entlegensten Ecken der Welt fügt er hinzu: "C’est un choix – es ist eine Lebensentscheidung", seine persönliche Entscheidung eben. Und sicher könnten nicht alle so leben. "Ich aber bin glücklich. Und meinen Sohn habe ich mit meinem Tick auch schon angesteckt. Das Reisen lehrt vieles und durch die Ausstellungen kann ich wenigstens etwas davon weitergeben." Was er damit meint? "Früher wurden Schlangen fast ausschließlich als Bedrohung wahrgenommen – und deswegen getötet. Das ist heute anders." Und wurde er selbst schon von einem Reptil attackiert? Michel Guillod winkt ab: "Ja, vor zwölf Jahren das letzte Mal – nicht der Rede wert."
Vivarium in Freiburg noch bis 3. Mai, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, Messehalle 1. Eintritt ab 8 Euro, BZ-Card-Inhaber erhalten 3 Euro Ermäßigung.
Autor: Nikolai Schoppmann
