Den Schwager brutal verprügelt

Peter Sliwka

Von Peter Sliwka

Fr, 08. Dezember 2017

Freiburg

25-Jähriger war mit Partnerwahl der Schwester nicht einverstanden.

Vier Angreifer haben unweit der Kreuzung von Basler und Eschholzstraße einen anderen Mann krankenhausreif geschlagen. Die Schwester eines Angreifers war mit dem Opfer verlobt, ihr Bruder nicht mit ihrer Wahl einverstanden. Er hat die Tat vom 11. März 2016 jetzt vor dem Amtsgericht gestanden und ist zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten und einer Geldauflage von 3000 Euro verurteilt worden. Drei weitere Männer auf der Anklagebank sprach Strafrichterin Jule Lempfert frei.

Augenzeugen beschrieben die Prügel- und Fußtrittattacke auf den am Boden liegenden Verlobten als brutal und schockierend. Dass alle vier Angeklagten mitgemacht haben, ließ sich nicht beweisen. Niemand hatte deren Gesichter gesehen, als sie zu einem in der Fichtestraße wartenden Auto flohen und davonfuhren. Eine 60-jährige Zeugin verfolgte die rennenden Männer und merkte sich das Kennzeichen.

Der verprügelte Verlobte erlitt eine Gehirnerschütterung, eine Kopfplatzwunde, eine gebrochene Rippe und Blutergüsse. Er mochte bei der Polizei nicht reden. Auch seine inzwischen angetraute Frau schwieg sich aus. Zum Prozess kamen die beiden, die an einem unbekannten Ort leben, nicht. Der familiäre Zwist sei beigelegt, teilte die Schwester des 25-jährigen geständigen Angeklagten mit. Die Eltern der Geschwister stammen aus Marokko. Die Nationalität des Opfers kam vor Gericht nicht zur Sprache.

Der 25-Jährige ließ seinen Verteidiger Robert Phleps erklären, dass er den Verlobten zufällig aus dem Auto heraus auf der Straße gesehen habe. Sie seien zu viert auf ihn losgegangen, er habe dazu einen Ast vom Boden aufgehoben. Die anderen drei Angeklagten im Alter von 22 und 27 Jahren seien nicht dabei gewesen, die eigentlichen Mittäter nenne er nicht. Die Sache tue ihm leid: "Ich habe eingesehen, dass das nicht der richtige Weg war, um gegen die Partnerwahl meiner Schwester vorzugehen." Mehr zum Hintergrund war nicht zu erfahren.

Täter gesteht und erhält eine Bewährungsstrafe

Die Mutter eines der Angeklagten und zugleich Halterin des Fluchtautos hatte im Vorfeld ausgesagt, doch das durfte nicht verwertet werden: Sie hat der Richterin geschrieben, dass sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch mache. Der Staatsanwaltschaft und der Richterin waren somit die wichtigsten Zeugen abhandengekommen. Die Anklage plädierte folglich drei Mal auf Freispruch und ein Mal auf eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten und einer Bewährungsauflage von 4000 Euro.

Verteidiger Phleps hielt eine Bewährungsstrafe von maximal einem Jahr für angemessen. Strafrichterin Jule Lempfert begründete die Bewährungsstrafe mit dem Geständnis: "Der Angeklagte hat damit Verantwortung für seine Tat übernommen." Offen müsse bleiben, ob die Tat spontan oder geplant gewesen sei.