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15. April 2010

"Depressionen sind kein Randproblem"

BZ-INTERVIEW: Mathias Berger über die Gründung des Freiburger Bündnisses gegen Depressionen.

  1. Mathias Berger Foto: Uniklinik

Mit einem Freiburger Bündnis gegen Depression will der Psychiater Mathias Berger der Volkskrankheit vorbeugen. Gestern wurde ein entsprechender Verein gegründet. Michael Brendler sprach mit dem Uniklinik-Experten.

BZ: Herr Professor Berger, wie kann man sich gegen eine Krankheit verbünden?

Berger: Allein in Freiburg gibt es heute 12 000 Menschen, die laut WHO-Kriterien als depressiv gelten müssen. Trotzdem halten viele Depressionen für ein Randproblem, was sie definitiv nicht sind. Aus unserer Sicht stehen wir alle in der Pflicht, uns dieses Problems anzunehmen: Wir müssen das allgemeine Bewusstsein für die Krankheit stärken und dringend die Versorgung der Erkrankten und ihrer Familien verbessern.

BZ: Was ist das konkrete Ziel des Vereins?

Berger: Wir wollen zunächst einmal für die nächsten Schritte eine organisatorische Basis schaffen, wie sie bereits in Form eines solchen lokalen Bündnisses gegen Depression in über 50 deutschen Städten existiert. Unser Ziel ist es, die Öffentlichkeit auf verschiedenen Wegen für die Krankheit zu sensibilisieren. Über eine enge Zusammenarbeit mit der Presse, über Filme und Aufklärungskampagnen. Außerdem gilt es, Ärzte, Angehörige, Lehrer und andere wichtige Kontaktpersonen noch besser und gezielt über die Krankheit, ihre Symptome und ihre im Prinzip sehr guten Heilungsaussichten zu informieren. Auf diese Weise wollen wir erreichen, dass den Betroffenen früher geholfen werden kann.

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BZ: Was stimmt Sie so optimistisch?

Berger: In Nürnberg haben Wissenschaftler im Jahr 2006 zeigen können, dass sich mit einer solchen Kampagne fast jeder vierte Suizidversuch verhindern lässt. Ein wichtiger Faktor dabei war, dass sich die Patienten in ihrer besser aufgeklärten Umgebung weniger ausgegrenzt, weniger stigmatisiert fühlten.

BZ: Gibt es denn schon Mitstreiter?

Berger: Bisher sind die Hausärzte, die niedergelassenen Psychiater und die psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken mit im Boot. Auch die Badische Zeitung ist Gründungsmitglied in unserem Verein. Zudem hat der SC Freiburg bereits seine Bereitschaft signalisiert, uns zu helfen. Dasselbe gilt für die Stadt Freiburg. Außerdem stehen wir in Gesprächen mit mehreren Krankenkassen.

BZ: Was sind Ihre nächsten Schritte?

Berger: Zunächst werden wir versuchen, weitere Partner zu finden und weitere Sponsoren zu akquirieren. Immerhin gilt es, die halbe Stelle unserer Geschäfsführerin Stefanie Hirth zu finanzieren, ohne die die Organisation des Projekts nicht denkbar wäre. Dann werden wir mit der Ausbildung von Trainern für Fortbildungen und Informationsveranstaltungen für die einzelnen Zielgruppen beginnen. Zudem sind bereits Kinospots, Plakate und Flyer in Arbeit.

BZ: Wie kann man Ihnen helfen, wenn man Ihre Arbeit unterstützen möchte?

Berger: Wir freuen uns über jeden, der sich auf unserer Geschäftsstelle als potenzielles Vereinsmitglied oder als Sponsor meldet. Uns ist aber auch jeder sehr willkommen, der uns helfen oder einfach tatkräftig unterstützen möchte.

Kontakt Bündnis (mittwochs von 15 bis 18 Uhr) Tel. 0761/152 83 36

E-Mail: freiburger-buendnis-gegen-depression@gmx-topmail.de

Autor: mich