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16. April 2014

Der Angeklagte zeigt sich reumütig

Ein 18-Jähriger erhält Jugendstrafe mit Bewährung, nachdem er drei junge Leute attackiert hatte.

Zehn Minuten nach Mitternacht rastete ein mit 1,7 Promille alkoholisierter 18-Jähriger an der Haltestelle "Dorfbrunnen" in Haslach aus. Nachdem seine Bitte um eine Zigarette von einem Studenten abschlägig beschieden worden war, beleidigte er dessen Begleiterinnen. Auf die Frage, was das solle, schlug er zu und schubste zwei Frauen zu Boden. Am Freitag hat er von einem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts die Quittung für die Körperverletzungen und Beleidigungen bekommen: Eine Jugendstrafe von 18 Monaten, für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

"Das war eine richtige Schweinerei von mir. Was mich am meisten daran stört, ist, dass Frauen dabei waren. Ich möchte mich bei den Opfern entschuldigen." Das Geständnis klingt selbstkritisch. An die Taten selbst kann er sich nicht mehr erinnern. Liegt es daran, dass er damals massiv dem Alkohol zugesprochen hatte?

Die Biographie des Angeklagten könnte ein Schriftsteller erfunden haben: 2010 verlässt die Mutter über Nacht den Sohn und den Mann. Monate später meldet sie sich aus einer anderen Stadt. Seither sind die Kontakte über Facebook nur noch sporadisch. Der Junge bleibt beim Vater. Das Verhältnis ist angespannt. Der Vater wird oft laut. Der Sohn findet eine Lehrstelle. Er arbeitet hart, kommt gut an. Die Kollegen mögen ihn. Dann, Anfang September 2013 ist auch der Vater plötzlich weg. Er hinterlässt einen Zettel. Darauf steht, dass er in zwei Tagen wieder da sei.

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"Das war eine

richtige Schweinerei

von mir."

Der Angeklagte
Auf dem Zettel findet sich auch eine Handynummer, unter der es keinen Anschluss gibt. Im Kühlschrank ist ein Toastbrot und eine Salami. Geld zum Einkaufen? Hat der Vater nicht hinterlassen. Hinzu kommt, dass der Ausbildungsbetrieb schwächelt und die Ausbildungsvergütung nur schleppend zahlen kann. Vor wenigen Monaten hat er allen Mitarbeitern gekündigt. Er ist insolvent.

Am 7. September 2013 ist der Angeklagte verzweifelt. Hat ihn der Vater auch im Stich gelassen? Er betäubt sich mit Alkohol. Mit viel zu viel Alkohol. Nach Mitternacht begegnet er an der Haltestelle dem Studenten und seinen Begleiterinnen. Als er keine Zigarette bekommt, wird er ausfällig. Der Student bekommt einen Faustschlag auf die Stirn, eine Begleiterin einen schmerzhaften Stoß gegen die Brust. Eine Frau zieht er zu Boden, ihr werden beide Knie wundgeschürft.

In der Verhandlung entschuldigt sich der Angeklagte bei dem Studenten und seinen beiden Begleiterinnen. So unerwartet vor eine Entschuldigung gestellt zu werden, irritiert die drei Zeugen. Sie reagieren mit Unsicherheit. Der Student gibt ihm nach kurzem Nachdenken zu bedenken: "Das war nicht schön."

Das Gericht gewährt dem einschlägig vorbestraften Angeklagten Bewährung. Allerdings unter strengen Auflagen: Um Alkohol muss er ein Jahr lang einen Bogen machen. Wird er mit mehr als 0,5 Promille kontrolliert, droht der Widerruf. Auch muss er Kontakt zu Bewährungshelferin halten. Und er muss in den kommenden zwei Monaten 80 Stunden gemeinnützig arbeiten. Es sei denn, er findet eine neue Lehrstelle.

Autor: Peter Sliwka