Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
02. Oktober 2008
Der Freitaler soll den Euro ergänzen
Freiburger Verein will regionale Zweitwährung auf den Weg bringen / Regierungspräsident Würtenberger kündigt Unterstützung an
Besser hätte der Termin aus Veranstaltersicht kaum liegen können: Am 20. September informierte der Freiburger Freitaler-Verein in Räumen des Südwestrundfunks bei einem Vortrags- und Diskussionstag über sein Regiogeld-Projekt. Es geht um nichts weniger als um die Einführung einer Art Zweitwährung für die Region. Seither haben sich die Nachrichten zur weltweiten Finanzkrise überschlagen und viele Menschen denken verstärkt über das Geldsystem und seine Verlässlichkeit nach.
"Wir haben das Datum schon vor einem Dreivierteljahr festgelegt. Da war nicht zu ahnen, dass sich die Finanzkrise gerade jetzt derart zuspitzen würde", erzählt Johannes Weiermann. Der katholische Religionslehrer, der am Freiburger Walter-Eucken-Gymnasium unterrichtet, ist Vorsitzender des seit 2004 bestehenden Freitaler-Vereins. Er und ein Dutzend Mitstreiterinnen und Mitstreiter arbeiten daran, eine neue, zusätzliche Währung, sogenanntes Regiogeld, zu schaffen – den Freitaler.Den Freitaler-Aktivisten geht es, so sagen sie, nicht um schnöden Mammon, sondern um höhere Ziele: regionale Wirtschaftskreisläufe sollen gestärkt, Vernetzung und bürgerschaftliches Engagement gefördert, der Renditezwang des etablierten Geldsystems aufgeweicht und nicht zuletzt – quasi nebenbei – ein "Währungsrettungsboot" (Weiermann) geschaffen werden. "Um die Gesellschaft zu verbessern, muss man beim Geldsystem anfangen", so Weiermann.
Werbung
Die Aufmerksamkeit für ihre Idee ist den Freitaler-Initiatoren angesichts der Bankenzusammenbrüche und Notmaßnahmen auf den Finanzmärkten in jüngster Vergangenheit gewiss. Zur Infoveranstaltung beim SWR seien 120 Menschen gekommen, erzählt Weiermann. Der nächste Infoabend ist schon geplant – er soll am 16. Oktober stattfinden.
Einen prominenten Förderer hat der Freitaler im Regierungspräsidenten Julian Würtenberger gewonnen. Der kündigte an, das Projekt zu unterstützen, und kam persönlich zum Auftakttreffen. Auch unter Freiburger Gewerbetreibenden hat das Konzept Anhänger. Zum Beispiel Wolf Eschger, den Wirt des Hotels "Zum Roten Bären". Eschger, der den Betrieb mit 25 Mitarbeitern seit vergangenem Jahr führt, ist zugleich Vorsitzender des Marketingvereins Obere Altstadt. "Erst dachte ich, es geht nur um ein weiteres Rabatt-System, und war eher reserviert", erzählt Eschger. Mittlerweile, nachdem er sich eingehend über das Konzept informiert habe, sei er aber total überzeugt von der Sache. "Ich bin sicher, dass das den Anbietern und Erzeugern sehr zugute kommt. Es hält die Wertschöpfung und Kaufkraft in der Region. " Auch die Freiburger Sparkasse zeigte sich auf Anfrage der BZ hin offen. Sparkassen-Chef Horst Kary: "Wir würden eine Einführung begrüßen, weil es dazu dient, die Kaufkraft in der Region zu stärken und zu binden. Die weitere Entwicklung dieses Projektes verfolgen wir mit großem Interesse."
Der Freiburger Freitaler-Verein musste bei der Entwicklung seines Regiogeld-Konzepts nicht bei Null anfangen. Es gibt bereits mehrere Dutzend ähnliche Projekte (siehe Infobox). "Und wir können aus unserem gescheiterten ersten Regiogeld-Projekt, dem Breisgauer, lernen", sagt Freitaler-Pressesprecherin Verena Walter. Im Jahr 2005 hatte es damit Probeläufe auf dem Wiehremer Bauernmarkt gegeben – aber die Akzeptanz bei den Konsumenten war gering.
Jetzt gehe es vor allem darum, genug Gewerbetreibende zum Mitmachen zu bewegen, sagt Walter. Mindestens 50, aber besser 100 sollten es sein. Dann soll der Freitaler in Umlauf kommen, am besten noch in diesem Jahr.
Ein Freitaler-Infoabend (insbesondere für Gewerbetreibende) findet am Donnerstag, 16 Oktober, 20 Uhr, im Hotel "Zum Roten Bären", Oberlinden 12, statt. Infos unter 0761 / 39349 oder http://www.freitaler.org
Autor: Holger Schindler


