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12. September 2013

Der kleine Kandidatencheck

Zur Bundestagswahl treten im Wahlkreis 281 sieben Bewerber jenseits der etablierten Parteien an.

  1. Alles so schön bunt: Auch nicht etablierte Parteien und Kandidaten werben um Stimmen. Foto: Thomas Kunz/BZ

  2. André Martens Foto: privat

  3. Elke Fein Foto: Dieter Ruf

  4. Michael Kerber Foto: privat

Die Palette ist bunt: Am 22. September treten im Wahlkreis 281 nicht nur Kandidaten von Parteien an, die bereits im Bundestag sitzen, sondern sieben weitere Direktkandidaten. Das Spektrum reicht vom Vertreter der bekannten Piratenpartei bis zum unbekannten Bewerber, von dem nicht einmal eine Telefonnummer zu finden ist. Die Farbpalette reicht von gelb-grün über braun bis violett, das Themenspektrum von Euro bis Hebamme. Nur Volksentscheide auf Bundesebene fordern fast alle.

PIRATEN
André Martens, 42, der Software-Ingenieur und Betriebsratsvorsitzende arbeitet in Freiburg und lebt in Denzlingen.

Wahlspruch: Klarmachen zum Ändern!

Wichtigstes Anliegen: "Der Kampf gegen Überwachung durch den Staat."

Und sonst? "Transparenz der Politik", fordert Martens und verweist darauf, dass die Piraten Protokolle, Spenden über 1000 Euro und die Bearbeitung von Anträgen veröffentlichen. Er will mehr Bürgerbeteiligung, den Missbrauch von Leiharbeit bekämpfen und die Energiewende voranbringen. In Bildungsfragen ist er ein Verfechter von längerem gemeinsamen Lernen und von Gebührenfreiheit von der Kita bis zum Studium.

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Mehr: Martens kandidiert erstmals für den Bundestag – als Direktkandidat in Freiburg und auf dem Landeslistenplatz 4. Weitere Infos auf der Internetseite http://www.andremartens.wordpress.com zudem hat er (wie andere Kandidaten auch) ein Profil auf http://www.wen-waehlen.de (zum Aufrufen die Postleitzahl eingeben).

NPD
Michael Kerber aus Villingen-Schwenningen, 35, Angestellter bei einer Zeitung

Wichtigstes Anliegen: Naturschutz, vom Ressourcenschonen bis zur Sicherung des natürlichen Gleichgewichts. "Die Ausbreitung invasiver Pflanzen, Tiere und Völker ist zu verhindern."

Und sonst? Kerber findet, deutsche Familien sollten stärker unterstützt werden, Mittel wie Mineralöl- und Kfz-Steuern direkt für die Infrastruktur verwendet sowie "straffällig gewordene Menschen mit Migrationshintergrund in ihre Ursprungsheimat überstellt" werden.

Mehr: Michael Kerber ist bei Facebook.

AFD
Elke Fein, 43, die Sozialwissenschaftlerin arbeitet an der Universität Freiburg und an der Fernuni Hagen

Wahlspruch: Mut zur Wahrheit

Wichtigstes Anliegen: Die Euro-Frage. Die "Alternative für Deutschland" und Fein halten die Eurorettung für rechtlich problematisch und ökonomisch unsinnig. "Man sollte nur für das haften, was man als Wähler beeinflussen kann."

Und sonst? Demokratie stärken, Volksabstimmungen auf Bundesebene möglich machen und Einfluss der politischen Parteien zurückschrauben. Die Energiewende dürfe nicht durch Stromrechnungen finanziert werden, so Fein. Sie kritisiert zudem die Integrationspolitik: "Wir brauchen Einwanderung. Aber es gibt auch eine Einwanderung in die Sozialsysteme, die wir nicht als nachhaltig betrachten."

Mehr: http://www.alternativefuer-bw.de Fein steht auch auf http://www.wen-waehlen.de

FREIE WÄHLER
Rolf-Dieter Hauser, 58, Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Freiburg

Wahlspruch: Freiheit, Verantwortung, Solidarität

Wichtigstes Anliegen: "Der Einfluss des Einzelnen auf Entscheidungen."

Und sonst? Hauser tritt für mehr Bürgerbeteiligung und Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild ein. Zudem würde er Mandate auf drei Legislaturperioden begrenzen – "für frischen Wind". Atomausstieg und Fördern von Brennstoffzellenforschung würde er forcieren. Wichtig ist dem Arzt zudem das Thema Krankenversicherung: Die Bürgerversicherung hält er für keine Lösung, aber ein Kombisystem aus Grundversicherung und individuellen zusätzlichen Verträgen. "Meine Grundüberzeugung ist gelb-grün", sagt Hauser. Das Ex-Mitglied von Grünen und FDP wurde vor einem Jahr Freier Wähler.

Mehr: http://www.freiewaehler.eu

DIE VIOLETTEN
Markus Benz, 58, aus Freiburg, der Jurist arbeitet als Eingliederungsbetreuer

Motto: "Wenn’s nicht einfach geht, geht’s einfach nicht."

Wichtigstes Anliegen: Vitale Demokratie fördern und Bürgerrechte stärken.

Und sonst: Auch Benz fordert Volksabstimmungen wie in der Schweiz, zudem ein bedingungsloses Grundeinkommen und ein Ende des Wachstumsglaubens. "Wir haben nur einen Planeten, und den sollten wir sorgsam hüten." Ein Herzensanliegen sind ihm natürliche Geburt und der Erhalt des Hebammenberufs. Seine Partei wirbt für spirituelle Politik. Er hält "Spiritualität für eine persönliche Sache".

Mehr: Auch Markus Benz hat hat ein Profil auf der Seite http://www.wen-waehlen.de

MARTIN KISSEL
Hörfunkjournalist beim Südwestrundfunk aus Freiburg, 54, parteilos

Wahlspruch: Empört Euch!

Wichtigstes Anliegen: Wirtschaftssystem umbauen – weg vom Wachstum. "Das Maß aller Dinge sind die Ressourcen, und die sind begrenzt."

Und sonst? Hält er Energie, Arbeit und Europa für die Themen der nächsten Jahre. Kissel ist für Mindestlohn, Schuldenabbau, mehr Ausgaben für Bildung, soziale Miet- und konsequente Klimapolitik. Mit seiner Kandidatur will er die Auswahlmöglichkeiten erweitern, herausfinden, was Nichtwähler bewegt – und sehen, ob sie seinem Ansatz folgen.

Mehr: http://www.journalitiker.de

NASEEM VERWEYEN
Buchhalter aus Freiburg, geboren 1967 in Lahore, Pakistan, parteilos

Motto: offenbar "dabei sein ist alles"

Anliegen: unbekannt. Telefonnummer oder Homepage sind nicht zu finden; ein Kontaktversuch ist gescheitert.

Und sonst? Zumindest einige Freiburger müssten seine politischen Ziele kennen: Für eine Direktkandidatur braucht’s 200 Unterschriften von Unterstützern.

Autor: Simone Höhl