Immer wieder samstags

Der Literaturwissenschaftler Nicolas Detering analysiert in der Samstagsuni die Europa-Literatur

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 14. Juni 2018

Freiburg

Er ist Juniorprofessor für Neuere Deutsche Literatur im europäischen Kontext an der Universität Konstanz. Am Samstag kommt Nicolas Detering im Rahmen der Vortragsreihe des Studium Generale zurück nach Freiburg. Von 2015 bis 2017 war er am Deutschen Seminar wissenschaftlicher Mitarbeiter, 2011 machte er an der hiesigen Uni seinen Masterabschluss. Im vergangenen Jahr ist sein erstes Buch „Krise und Kontinent. Die Entstehung der deutschen Europa-Literatur in der Frühen Neuzeit“ erschienen.

"Der Dreißigjährige Krieg zieht fast den ganzen Kontinent in seinen Sog, und auf eigentümliche Weise befördert er damit ein europäisches Gemeinschaftsgefühl. Die konstante Berichterstattung über die weitverstreuten Ereignisse sorgte dafür, dass Europa über Jahrzehnte in aller Munde war. Im Rückgriff auf eine humanistische Tradition personifizieren einige Flugblätter den Erdteil als Jungfrau, die bedroht oder vergewaltigt wird. Zugleich kritisiert man die wankelmütigen Bündnisse der Fürsten, sieht die Kontinentalisierung des Kriegs als Gefahr für Deutschland. Ich möchte mir die Publizistik und Literatur der Zeit anschauen, um zu zeigen, wie damals ein kritisches Europaverständnis entsteht, das nach dem Westfälischen Frieden fortwirkt. Dabei sehen ich durchaus eine Ähnlichkeit zwischen den Europaklagen des Dreißigjährigen Kriegs und den Kontroversen um die Europäische Union in unserer Gegenwart – im 17. Jahrhundert entsteht eine Wechselbeziehung aus skeptischer Zeitdiagnose und Vereinigungswunsch, die oft überraschend aktuell erscheint."

"Europavisionen im Dreißigjährigen Krieg", Vortrag von Nicolas Detering am Samstag, 16. Juni, 11.15 Uhr, Uni Freiburg, KG II, Hörsaal 2004, Eintritt frei.