Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. November 2013

Die Begleitung begleiten

Getrennte Eltern bei der Wieder-Begegnung mit dem Kind: Wer hilft, bei Kritik an dieser Hilfe?.

  1. Begleiteter Umgang soll Trennungskinder nicht allein lassen. Foto: DPA

Derzeit sind es in Freiburg etwa vierzig einstige Paare mit Kindern, deren streitbare Trennung vorm Familiengericht eine hilfreiche Anweisung verordnet bekamen: Um beispielsweise einem Vater nach langer, oft auch beladener Abwesenheit wieder ein unbelasteteres Begegnen mit seinem Kind zu ermöglichen, kann vom Familiengericht ein sogenannter "Begleiteter Umgang" angeordnet werden. Wer allerdings den begleiteten Umgang begleitet, und wie mit Kritik und Unzufriedenheit seitens der Beteiligten verfahren wird, fragen sich einige Betroffene.

Etwa 200 000 Paare mit Kindern trennen sich Jahr für Jahr in Deutschland. Fachleute gehen davon aus, dass ungefähr zehn Prozent solcher Trennungen so konflikthaft verlaufen, dass sie bis vors Gericht gehen – genaue Statistiken gibt es zu diesem Themenbereich bislang nicht. Eindeutig aber ist diese Erfahrung: Oft bleibt die Situation noch lange angespannt, und schwer ist das häufig ganz besonders für die Kinder. Seit 15 Jahren gibt es als Unterstützungsangebot für eine vorsichtige Wiederannäherung den "Begleiteten Umgang".

In Freiburg gibt es eine vertraglich geregelte Leistungsvereinbarung zwischen Stadt und Kinderschutzbund (kurz: KSB), dass diejenigen Eltern vom Familiengericht zum KSB verwiesen werden, für die der Begleitete Umgang angeordnet wurde. 15 ehrenamtliche Begleiterinnen und Begleiter stehen dort zur Verfügung, ausgebildet nach den entsprechenden Standards des Kinderschutzbundes, erklärt Franzsika Gestle, Leiterin der Freiburger KSB-Geschäftsstelle. Nur in seltenen Ausnahmefällen werden auch andere Stellen mit dem Begleiteten Umgang betraut – faktisch habe ohnehin jeder das Entscheidungswahlrecht, wo er sich für diese Unterstützung Hilfe hole – manche Angeboten kosten, andere sind frei.

Werbung


Bei der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB) wird auch begleitet. Allerdings, betont Psychologin Brigitte Kaiser, lege man hier Wert darauf, dass die Begleitung nicht im Ehrenamt geleistet werde. Auch wichtig: "Dass nicht wechselnde Personen an der oft auf ein vierzehntägiges Intervall angesetzten Begegnung – zum Beispiel – von Vater und Sohn teilhaben." Ein Wechsel der Begleitperson nämlich verunsichere zusätzlich, dabei ziele das Hilfsangebot auf Stabilisierung. Eine Mutter kritisiert KSB und PSB diesbezüglich heftig: Der KSB habe etwa im Falle einer Kindergeburtstagseinladung eine Terminänderung für das Treffen abgelehnt, ebenso die Verschiebung wegen einer verpflichtenden Schulveranstaltung. Beim PSB wiederum habe die Mitarbeiterin selbst den Termin nicht eingehalten und es sei entgegen der Vereinbarung zu einer Begegnung von Mutter und Vater bei der Übergabe gekommen. Dieses und etliche andere Beispiele führt die Mutter an, um zu zeigen: Diejenigen, die antreten, um dem Kind Hilfe zu sein, tragen unachtsam dazu bei, das Kind zu verunsichern: "Wer trägt Sorge dafür, dass tatsächlich das Kindswohl berücksichtigt wird und die Kinder gut begleitet sind?"

Ursula Kolb, Leiterin des Kommunalen Sozialen Dienstes im Jugendamt, lässt keinen Zweifel: "Wir überprüfen regelmäßig die Qualität dieses Angebots – so weit das in diesem vertrauensgeschützten Bereich eben möglich ist." Wenn es zu Unstimmigkeiten komme, die sich nicht mit den Einrichtungen klären lassen, so Ursula Kolb, solle man sich direkt an sie wenden, von Situationen wie den geschilderten, habe sie noch nie etwas gehört.

Beschwerdeschreiben und E-Mails in dieser Sache hat die betreffende Mutter ihren Angaben nach sowohl den Einrichtungen geschickt, als auch ihrer Sozialarbeiterin vom Kommunalen Dienst. Kritik und Schreiben werden nun wieder das Familiengericht beschäftigen. "Beim Begleiteten Umgang findet eine Art Vereinzelung statt", sagt die betroffene Mutter, "eine wirkliche Unterstützung für die Kinder wünschen sich meiner Erfahrung nach mehr Eltern in dieser Situation."

Autor: Julia Littmann