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08. Oktober 2016 13:49 Uhr

Parteien

Die Freiburger Grünen sind in neue Räume umgezogen

Die Grünen sind in Freiburg eine Macht. Und die konzentriert sich neuerdings in der Rehlingstraße 16a. Seit einiger Zeit schon arbeiten Abgeordnete, Partei und Fraktion in den neuen Räumen. Am Samstag wurden sie offiziell eingeweiht.

  1. Die neuen Büroräume der Grünen wurden eingeweiht. Foto: Michael Bamberger

  2. Foto: Michael Bamberger

  3. Foto: Michael Bamberger

  4. Foto: Michael Bamberger

  5. Foto: Michael Bamberger

Mit den drei vorhergehenden Standorten ist das neue, 230 Quadratmeter große Domizil nicht zu vergleichen. Parallel dazu haben sich die Grünen verändert – von der Sponti-Truppe zur Regierungspartei.

Start war in den 80er Jahren in einem Kellerbüro an der Katharinenstraße, damaliger Geschäftsführer der grünen Fraktion im Gemeinderat war ein gewisser Henry Breit, heute Aufsichtsratsvorsitzender des SC Freiburg. 1985 zogen die Grünen in ein Dachgeschoss an der Günterstalstraße, wo in selbstgebauten Kieferholzregalen Unmengen an Ordnern standen. "Wir haben jeden BZ-Artikel zu Waldsterben oder Atomkraft ausgeschnitten", erzählt Stadtrat Eckart Friebis, seit 33 Jahren Mitglied bei den Freiburger Grünen und seit 30 Jahren Geschäftsführer der Fraktion. 1992 ging es an die Haslacher Straße, wo die Parteispitze eine wochenlange Diskussion in der Mitgliederzeitschrift auslöste, weil sie Schreibtische bei Ikea gekauft hatte.

An einer Magnettafel hängen Zeugnisse aus Zeiten, die unendlich weit weg scheinen. Ein Gruppenfoto mit den Kandidaten für den Gemeinderat, darunter ein blutjunger Dieter Salomon. Viele Protagonisten der Anfangsphase sind immer noch dabei und in Ehren ergraut. Das tollste Dokument ist ein Flugblatt vom September 1980, als die kleine Fraktion nach ihrer ersten Sitzung im Gemeinderat ankündigt, fortan nach jeder Sitzung ein solches Papier zu veröffentlichen, damit die Bürger wissen, "was vor und hinter den Kulissen des Rathauses abläuft". Dort haben heute die Grünen das Sagen und bräuchten eigentlich keine Flugblätter mehr, um für Transparenz zu sorgen.

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Die Partei hat Karrieren ermöglicht, die ihre Mitglieder vor 30 Jahren sicher nicht für denkbar hielten. Edith Sitzmann zum Beispiel war Geschäftsführerin des Freiburger Kreisverbands, wissenschaftliche Mitarbeiterin des damaligen Landtagsabgeordneten Dieter Salomon, dem sie 2002 nachfolgte, holte vor fünf Jahren das Direktmandat, war Fraktionschefin und ist heute Finanzministerin. Rasant aufgestiegen ist auch die Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae. Als sie 1990 im grünen Büro vorsprach, um Mitglied zu werden, bekam sie am selben Abend Besuch von Dieter Salomon im "Schlappen", wo sie kellnerte – sie solle doch für den Kreisvorstand kandidieren. Bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr wird sie wohl wieder auf Platz 1 der Landesliste stehen – und mit dem Direktmandat liebäugeln. Das sei, sagte sie, nur in Stuttgart oder Freiburg möglich. Die Staatssekretärin für Soziales und Integration Bärbl Mielich ist ebenso Mieterin in der neuen grünen Zentrale wie der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix, der als Ökowinzer am Samstag allerdings herbsten musste.

Der neuen Rolle der Grünen angepasst sind auch die sieben neuen Räume, in denen neben den Abgeordneten weitere acht Mitarbeiter tätig sind. Auch der Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald ist mit eingezogen. Fast schon symbolhaft ist der Umstand, dass die Unternehmensberatung Kienbaum mit den Grünen auf der gleichen Ebene residiert.

Autor: Uwe Mauch