Die Stadt ist im Zugzwang

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 13. September 2014

Freiburg

Großes Interesse an einer Anhörung zum Dietenbachpark als Standort für Flüchtlingscontainer.

Die Unterkünfte sind überbelegt und die Flüchtlingszahlen steigen weiter. Deshalb will das Rathaus ab November 50 neue Plätze in Containern auf einem Parkplatz am Dietenbachpark zwischen den Stadtteilen Rieselfeld und Weingarten schaffen. Ideal ist der Standort nicht, das zeigte sich bei einer Infoveranstaltung am Donnerstagabend. Aber die Solidarität in der Bevölkerung ist groß: Der Saal im Stadtteiltreff Glashaus im Rieselfeld platzte aus allen Nähten – und die überwiegende Mehrzahl der Anwesenden möchte den Flüchtlingen helfen.

"Wir müssen handeln und zwar jetzt." Das sagte Werner Hein, der Leiter des städtischen Amts für Wohnraumversorgung. Denn der Druck ist groß: 1200 Flüchtlinge leben derzeit in Freiburg und täglich werden es mehr (die BZ berichtete mehrfach). Pro Monat kommen rund 60 neue Flüchtlinge in die Stadt. Der Standort am Dietenbachpark ist deshalb nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bis Jahresende will die Stadtverwaltung insgesamt 180 neue Plätze schaffen, langfristig ist das Ziel, die Flüchtlinge nicht mehr in Behelfsbauten unterzubringen, sondern in massiven Häusern.

Ideal ist der jetzt gefundene Standort am Dietenbachpark nicht, das ist dem Rathaus klar. Er liegt direkt neben der stark befahrenen Besonçonallee und zudem etwas im Niemandsland zwischen Rieselfeld und Weingarten. Ein "Ghetto" werde dort entstehen, sagte ein Zuhörer: "Integration ist durch so etwas kaum möglich." Abends sei es dunkel, Wege zu den Stadtteilen Rieselfeld und Weingarten gefährlich und am schlimmsten sei es für die Kinder, so die einhellige Meinung: Sie müssten auf dem Weg zur Schule ins Rieselfeld die Besonçonallee überqueren. "Das erste totgefahrene Kind geht auf ihre Kappe", griff ein Mann Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach an.

"Integration ist durch

so etwas kaum möglich."

Ein Zuhörer
Tatsächlich habe der Standort seine Mängel, sagte von Kirchbach: "Aber etwas besseres haben wir nicht." Das Rathaus überprüfe derzeit Flächen im gesamten Stadtgebiet, um zu vermeiden, die Flüchtlinge in Turnhallen unterbringen zu müssen. Aber selbst für das Aufstellen von Containern gebe es große Auflagen. Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs des Landes sei es etwa verboten, Flüchtlinge in Gewerbegebieten unterzubringen, sagte von Kirchbach. Das halte er für "vollkommen lebensfremd". Flächen wie der Parkplatz am Dietenbachpark haben den Vorteil, dass sie sofort verfügbar sind. Maximal fünf Jahre sollen die Container dort stehen.

Froh ist die Stadtverwaltung auch darüber, dass sowohl der Bürgerverein Weingarten als auch der "BürgerInnenverein" Rieselfeld sofort den Plan unterstützt haben. Denn die Flüchtlinge sind nicht überall willkommen. Alternativ stand im Rieselfeld auch der Park-and-Ride-Platz im süd-westlichen Eingangsbereich des Stadtteils zur Diskussion. Aber dieser liegt viel näher an der Wohnbebauung, die Stadtverwaltung rechnete mit Einsprüchen. Das koste Zeit, die das Rathaus in der derzeitigen Situation nicht habe, sagte Hein.

Kritische Stimmen gab es auch bei der Infoveranstaltung – aber sie waren unter den rund 250 Anwesenden in der absoluten Minderheit. Eine Frau fragte, ob auf dem Gelände auch so genannte "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" untergebracht würden, die zuletzt vor allem auf dem Stühlinger Kirchplatz mit Überfällen in Verbindung gebracht wurden (die BZ berichtete mehrfach). Nein, sagte von Kirchbach: Die Plätze seien für Familien mit Kindern vorgesehen. Geplant ist ein "Runder Tisch", der alles koordinieren soll. Außerdem will die Stadtverwaltung darüber nachdenken, ob sie den Parkplatz eventuell doch ganz schließt, um die Sicherheit der Flüchtlinge zu erhöhen.