Wohnungsbau

Die Stadtbau will an der Elsässer Straße alte Doppelhäuser abreißen

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Di, 21. Juni 2016

Freiburg

Die Mehrheit des gemeinderätlichen Bau-Ausschusses begrüßt die Millionen-Investition und weist den Vorwurf der radikalen Nachverdichtung zurück.

Die städtische Tochtergesellschaft Freiburger Stadtbau (FSB) will im Stadtteil Mooswald neu bauen. Am westlichen Ende der Elsässer Straße sollen vier Blöcke mit 68 Wohnungen entstehen. Dafür müssen drei kleine Doppelhäuser weichen. Der Bürgerverein Mooswald ist empört und spricht von einer "radikalen Nachverdichtung". Das Areal befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Waldstück, das für ein neues Wohngebiet abgeholzt werden soll – wogegen es im Stadtteil ebenfalls viel Protest gibt.

Die neuen Gebäude an der Elsässer Straße sollen vier und fünf Etagen hoch werden, nach hinten sind zwei bis drei Stockwerke vorgesehen. Das Bauvorhaben sei die logische Fortsetzung einer Reihe von Veränderungen, die es an der Elsässer Straße bereits gegeben habe, sagte Christof Etter vom Stadtplanungsamt in der jüngsten Sitzung des gemeinderätlichen Bauausschusses – etwa auf dem ehemaligen Hüttinger-Areal oder am Carl-Sieder-Weg. Direkt neben den jetzt geplanten neuen FSB-Häusern ist zudem, anstelle eines kleinen Waldstücks, ein weiteres Baugebiet vorgesehen. Dieses Areal hat die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr als Potenzial für Wohnungsbau identifiziert, gemeinsam mit vier anderen Flächen. Sie entstammen dem Perspektivplan. In diesem wird der gesamte Stadtteil Mooswald als Entwicklungsbereich angesehen. Deshalb sei ein übergeordnetes Rahmenkonzept geplant, erklärte Stadtplanungsamtschef Roland Jerusalem im Bauausschuss.

Dort sprach sich der Bürgerverein Mooswald strikt gegen die Neuplanungen der FSB an der Elsässer Straße aus. "Dadurch wird der Gebietscharakter des Stadtteils zerstört", sagte Vorsitzende Ursula Jautz. Das Projekt öffne "Tür und Tor für eine weitere maßlose Bebauung" von Mooswald. Diese Wortwahl sei nicht angemessen, entgegnete Baubürgermeister Martin Haag. Größere Gebäude passten sehr wohl an die Elsässer Straße, das zeigten die bereits umgesetzten Projekte. Das sah auch die Mehrheit der Stadträte so – bis auf die Fraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg. "Das Gelände schreit geradezu danach", meinte Helmut Thoma (Grüne). Sein Fraktionskollege Eckart Friebis könnte sich, genauso wie Manfred Stather (Freie Wähler), sogar zum Teil noch ein Stockwerk mehr vorstellen.

Auf dem insgesamt 4500 Quadratmeter großen Areal befinden sich derzeit sechs Doppelhaushälften aus den 1930er Jahren, die jeweils nur rund 75 Quadratmeter Wohnfläche haben. Ein weiteres Doppelhaus wurde bereits vor einigen Jahren abgerissen. Planungen für die Grundstücke gibt es schon länger. Es gab jedoch bislang keinen Bebauungsplan, woran die Umsetzung gescheitert ist. Ob in den neuen Wohnblöcken Miet- oder Eigentumswohnungen entstehen werden, stehe noch nicht fest, sagte FSB-Projektentwickler Lothar Korzen. Auch über die Investitionssumme könne die Stadtbau noch keine Angaben machen, sagte das städtische Tochterunternehmen auf Nachfrage der BZ. Diese dürfte aber im zweistelligen Millionenbereich liegen. Der jetzt auf den Weg gebrachte Bebauungsplan soll im dritten Quartal 2017 fertiggestellt werden, danach könnten die Bauarbeiten beginnen. Wie die Gebäude genau aussehen sollen, darüber soll sich der Gestaltungsbeirat noch Gedanken machen.

SPD-Stadtrat Ernst Lavori, der auch stellvertretender Bürgervereinsvorsitzender von Mooswald ist, zeigte sich im Bauausschuss verärgert über die Informationspolitik der Stadtbau. Gegenüber dem Bürgerverein sei zunächst von einer drei- bis viergeschossigen Bebauung gesprochen worden, sagte er, jetzt gehe es um vier bis fünf Etagen. Außerdem beklagte er, dass die Mieter der bestehenden Häuser von der Stadtbau noch gar nichts über die Planungen erfahren hätten.