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23. August 2010
Drei Jahrhunderte Ortsgeschichte
WIEDERSEHEN! Das in Opfingen als "d’ Farb" bekannte Anwesen am Burgweg beherbergte einst eine Färberei.
OPFINGEN. Dieses Anwesen am Opfinger Burgweg fällt auf. Haupthaus und landwirtschaftliches Ökonomiegebäude liegen inmitten einer ausgedehnten Wiesenfläche. Auffällig ist auch das Walmdach, wonach das Haus auch an seiner Giebelseite eine geneigte Dachfläche aufweist. Es ist eines der wenigen historischen Anwesen, die in den 1960er Jahren die Opfinger Dorfsanierung überstanden hatten. Die Einheimischen bezeichnen es als "d’ Farb". Und auch das darauf zulaufende "Färbergässle" weist auf seine frühere Nutzung als Färberei hin.
Errichtet wurde das Anwesen um 1700 – ein Dachziegel trägt jedenfalls die Jahreszahl 1702. Opfingen war damals ein kleines Dorf: Das Bürgerregister von 1700 weist lediglich 93 Haushalte und 462 Bewohner aus. Die Nutzung des Anwesens im Burgweg als Färberei setzte jedoch erst hundert Jahre später ein. Ein Beleg dafür befindet sich auf einem Rundbogen aus rotem Sandstein über der Eingangstür. Er trägt die Jahreszahl 1802 sowie das Zunftwappen der Färber. Der heutige Eigentümer Stefan Tenhibben (82) hat das Anwesen 1969 erworben und wohnt seit etlichen Jahren selbst darin, wobei er es gründlich renoviert hat. Erst vor zwei Jahren hat er noch den Dachstuhl und das Ziegeldach des Haupthauses aufwändig sanieren lassen. Im rechten Winkel dazu angeordnet steht das landwirtschaftliche Ökonomiegebäude mit Stalleinrichtungen, Tenne und Heulager, die heute nicht mehr genutzt werden. Die Färberei war im Erdgeschoss des Haupthauses eingerichtet, die Wohnräume befinden sich im Obergeschoss.Werbung
Nach dem Opfinger Ortssippenbuch, das auf den Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern beruht, war hier als Färber einst Johann Georg Boll tätig. Nach den Recherchen von Rudolf Höfflin, dem früheren Bürgermeister und Ortsvorsteher Opfingens, für dieses Buch wurde Boll 1785 geboren und starb 1828. Der gleichnamige Sohn des Färbers starb kinderlos 1854 im Alter von nur 28 Jahren. Seine Witwe wurde später eine Frau Trautwein, im Zusammenhang mit dem Anwesen taucht eine Berufsbezeichnung dann allerdings nicht mehr auf. Auch sind keine Taufen registriert, offensichtlich brachte die Witwe Johann Georg Bolls in ihrer zweiten Ehe ebenfalls keine Kinder zur Welt.
Um die weitere Geschichte des Hauses im Burgweg zu erzählen, kann Rudolf Höfflin, Jahrgang 1927, auf seine eigenen Erinnerungen und auf die Schilderungen seiner 1942 gestorbenen Großmutter Salomea Linser zurückgreifen. Danach war die Färberei bis in die 1870er Jahre in Betrieb. Später hat ein Gärtner namens Kock das Anwesen erworben und das Gelände als Baumschule genutzt. Er stammte aus Pommern und brachte seine Familie mit. "Er war ein außergewöhnlich großer und kräftiger Mann. Alle nannten ihn nur ,de lang Kock’, weshalb er sich auch mir nur mit seinem Nachnamen eingeprägt hat", erzählt Rudolf Höfflin. Beim Gärtner Kock haben die Opfinger Bauern Obstbäume und Strauchbeeren bezogen. Seine vier Kinder müssen zum Zeitpunkt des Umzuges schon auf der Welt gewesen sein, denn sie sind nicht im Kirchenbuch eingetragen. Zwei Söhne hatte er, die nach dem Ersten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten auswanderten, und zwei Töchter, die im Breisgau geblieben sind. Eine von ihnen, Frieda Kock, "’s Kocke Friedel", wie die Einheimischen sagten, lebte zuletzt allein im Burgweg und verkaufte das Anwesen 1969 an Stefan Tenhibben, der es ebenfalls alleine bewohnt.
Ihren Lebensunterhalt verdiente sich Frieda Kock, indem sie auf dem Freiburger Münstermarkt in Kommission Gemüse und Obst örtlicher Bauern verkauft hatte. Rudolf Höfflin kann sich noch gut daran erinnern, dass die Leute am Samstag den Erlös bei ihr abgeholt haben. Frieda Kocks Einkommen war jedoch äußerst bescheiden, weshalb sie nicht in der Lage war, das Haus instand zu halten. Der jetzige Besitzer Stefan Tenhibben ist fasziniert von alten Häusern und auch von der Vorstellung, welche handwerklichen Leistungen die Menschen in früheren Jahrhunderten mit einfachen technischen Hilfsmitteln vollbracht haben. Der 82-Jährige hat auch in Freiburg ein denkmalgeschütztes Haus in der Gründwälderstraße aus dem 15. Jahrhundert erworben und saniert.
Autor: Silvia Faller


