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14. August 2009
Ein alter Brauch blüht wieder auf
Morgen ist kein Münstermarkt – stattdessen duften zum Patrozinium des Münsters Kräuterbüschel
Die Touristenmassen und ebenso etliche Einheimische werden sich ungläubig die Augen reiben: An diesem Samstag fällt die Freiburg-Attraktion Münstermarkt aus. Denn morgen ist der 15. August und somit das Patrozinium des Münsters, das ja Unserer Lieben Frau, also der Patronin Maria, geweiht ist. Und während in der Kathedrale das Fest der "Aufnahme Marias mit Leib und Seele in den Himmel" gefeiert wird, ist traditionell kein buntes Markttreiben.
Dabei verbindet dieses Marienfest wie kein anderes die im Münster gefeierte Maria und den Markt mit seinen feilgebotenen Kräutern. An diesem Tag nämlich, den der Volksmund auch "Maria, hupf’ in die Höh’!" nennt, werden in der katholischen Kirche Kräuterbüschel gesegnet. Es ist ein von Römern, Griechen und Germanen abgeguckter alter Brauch, die um die Heilkraft bestimmter Kräuter wussten. Seit der Verchristlichung dieses Brauchs schreibt die Kirche die heilsame Wirkung von Pflanzen Gott und der Fürsprache Marias zu. Und zwar ziemlich alles umfassend: heilend bei Krankheit, vor bösen Geistern schützend, das Vieh aufpäppelnd und zauberhaft in Sachen Liebe.
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Mit dem Fortschreiten der Aufklärung und der modernen Medizin geriet diese Glaubenstradition zunehmend in Vergessenheit. Doch seit einigen Jahren blüht die Wiederentdeckung auch in der Stadt auf. Wozu nicht zuletzt Othmar Ballof beigetragen hat. Der gebürtige Freiburger begann vor fünf Jahren, Kräuterbüschel zu binden – zunächst eine Erinnerung an seine Kindheit. "Schon mit vier Jahren kannte ich zehn Kräuter." Als Schüler musste er während des Krieges Kräuter sammeln, die auf dem Schulspeicher getrocknet und später zu Heilsalben verarbeitet wurden. "Das hat mich positiv berührt." Dann erinnerte er sich noch an seine Mutter, die an "Mariä Himmelfahrt" stets mit einem Kräuter-Sträußchen in den Gottesdienst ging.
"Es darf nicht sein, dass ein so wichtiges Kulturgut einfach von uns aufgegeben wird", dachte sich der heute 71-Jährige, der früher als Kunst-, Religions- und Musiklehrer arbeitete. Also fing er an, sich näher mit der Heilkraft von Kräutern zu beschäftigen. Und fand an sich selbst heraus: "Ich trinke das ganze Jahr über selbst hergestellten Tee – und war seit Jahren nicht mehr beim Arzt." An die 400 duftende Büschel aus sieben bis 16 Kräutern bindet Othmar Ballof mittlerweile für das Marienfest. Unter anderem mit Schafgarbe (gegen Beschwerden in Magen und Darm), Wermut (Appetit anregend), Johanniskraut (das Gemüt aufhellend) – und im Strauß für den Erzbischof mit einer frischen Königskerze (soll vor Angst und Unheil schützen)
Schon im April schaut er nach Plätzen, wo wächst, was er braucht. Im Mai beginnt er zu sammeln, zu trocknen. "Wenn die Kräuter gut getrocknet sind, halten die Büschel duftend ein ganzes Jahr lang." Und morgen nun bietet Othmar Ballof die Büschel und einzelne Kräuter zum Selberbinden in der Vorhalle des Münsters an. Mit den Spenden, die er dafür bekommt, unterstützt er die Arbeit von Missionsstationen in aller Welt.
Diesmal macht er dieses Angebot sogar zweimal. Denn an diesem 15. August gibt es nicht nur um 10 Uhr ein Ponitifikalamt mit dem Erzbischof. Zum ersten Mal greift Dompfarrer Claudius Stoffel morgen die ebenfalls fast vergessene Tradition der Lichterprozession um das Münster auf. Sie bildet den Abschluss des um 20.30 Uhr beginnenden Marienlobs, zu dem neben dem Duft der Kräuter auch Alphornbläser und die Sopranistin Martje Vande Ginste beitragen werden.
Autor: Gerhard M. Kirk
