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28. Oktober 2009

Ein anderes Bild von Bildung

Neun Freiburger Träger knüpfen ein Netzwerk gegen Anpassung.

Dass Deutschland, wie es die Politik fordert, eine Bildungsrepublik werden soll, kommt öffentlichen Bildungsträgern in der Stadt gerade recht. Neun von ihnen haben jetzt ein loses Netzwerk geknüpft. Das freilich ein etwas anderes Bild von Bildung hat als die Politik: Es geht nicht (nur) darum, sich für den Arbeitsmarkt verwertbar zu machen, sondern eher darum, den Menschen zum Menschsein zu bilden.

"Was wir unter Bildung verstehen, geht über eine Anpassungsqualifikation hinaus", erklärt Eva von Rekowski, Direktorin der Volkshochschule, "vielmehr soll der mündige Bürger gesellschaftliche Prozesse mitgestalten." Denn, spinnt Angelika Ridder vom Goethe-Institut den Faden weiter: "Bildung ist die Rückversicherung einer Gesellschaft mit Blick auf ihre Werte." Oder wie es Wilhelm Pfaff vom Bildungszentrum der Erzdiözese Freiburg ausdrückt: "Bildung ist nicht nur funktional, sondern hat als Schlüsselbegriff den Auftrag, Menschen in ihrer Selbstvergewisserung zu unterstützen – auch gegen gesellschaftliche Zwänge."

Weg vom Wissen-Konsumieren also, hin zum Teilnehmen. Das ist es, was die neun Bildungsträger (außer den genannten das Carl-Schurz-Haus, das Centre Culturel Français, Ehe und Familie, die Evangelische Erwachsenenbildung, die Landeszentrale für politische Bildung und der Waldhof) verbindet und aus der Konkurrenz eine Zusammenarbeit macht. "Wir sind neugierig aufeinander", sagt Christine Gerhardt, Direktorin des Carl-Schurz-Hauses (Deutsch-Amerikanisches Institut). Und sie wollen voneinander lernen. Ganz praktisch neue Formen wie Vorträge nicht nur am Abend. Oder grundsätzliche Gemeinsamkeiten entdecken, wie Angelika Ridder deutlich macht: "Angesichts einer zunehmenden Veralleinung suchen die Menschen ein soziales Umfeld – ein noch ungenügend erkannter Bildungsauftrag."

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Begegnung also, in der für Wilhelm Pfaff Bildung geschieht, "weil ich im Gespräch meine Position finde". Der soziale Gesichtspunkt der Bildung spielt auch in der Volkshochschule eine große Rolle. Eva von Rekowski: "Um in der Gesellschaft zu bestehen, ist es wichtig, sie als eigene Persönlichkeit mitgestalten zu können." Ihre Angebote verstehen die Bildungseinrichtungen deswegen als wichtigen Beitrag für das Gemeinwesen und legen dabei Wert auf Qualität. Was bisweilen einer Gratwanderung gleicht, meint Christine Gerhardt – zwischen anziehenden Namen, die teuer sind, und dem Bestreben, Bildung für alle möglichst kostengünstig anzubieten.

Die öffentlichen Zuschüsse nämlich wurden während der vergangenen zwei Jahrzehnte kräftig gekürzt. Beispiel Volkshochschule: von 50 Prozent vor 20 Jahren auf 30 heute (25 Prozent vom Land, fünf Prozent von der Stadt). Nicht zuletzt deshalb hoffen die öffentlich geförderten Bildungsträger, mit ihrer Zusammenarbeit die Kosten niedrig und gleichzeitig die Bildung hoch halten zu können. Dank eines Netzwerks, an dem die (vorwiegend neuen) Leiterinnen und Leiter der Einrichtung gern mitgeknüpft haben. Und mit Freude. Denn: "Wir haben einen Wandel in der Kultur des Miteinander."

Autor: Gerhard M. Kirk