11. Mai 2010
Ein Ende der Freiburger Flugplatz-Turbulenzen
Petitionsausschuss lehnt Widerspruch gegen Landebahnverlängerung ab / Ausbaugegner sind enttäuscht / Bauarbeiten beginnen.
Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als die Flugplatz GmbH verkündete, dass sie nun so schnell wie möglich mit den Bauarbeiten für eine längere Landebahn beginnen will. Damit sollten die jahrelangen Diskussionen endlich ein Ende haben. Doch es kam anders: Die "Freiburger Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm" reichte beim Landtag eine Petition ein – obwohl sie dort 2007 schon einmal gescheitert war. Nun hat der verantwortliche Ausschuss auch den zweiten Widerspruch abgelehnt – und jetzt sollen die Bauarbeiten tatsächlich nach Pfingsten starten.
Der "Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm" ging es vor allem um drei Punkte. Sie glaubt, dass auf einer längeren Landebahn deutlich mehr größere Flugzeuge starten und landen – und dass dadurch der Lärm zunimmt. Außerdem findet sie den Abstand zu Bebauung zu gering. Und sie befürchtet einen Kahlschlag des Mooswalds. Dort sollen hoch wachsende Bäume durch niedrigere Arten ersetzt werden, damit die Flugzeuge nicht an den Wipfeln hängen bleiben. 6,2 Hektar sind insgesamt betroffen – eine Fläche, die etwa dreimal so groß ist wie das Areal des benachbarten Möbelcenters Ikea.Werbung
Der Landtag fand jedoch keines der Argumente überzeugend. Größere Flugzeuge seien nicht unbedingt lauter als kleine, heißt es in der Begründung. Gerade die für die Transplantationsflüge eingesetzten Maschinen seien sehr modern und deshalb sogar eher leiser. Die Organtransporte der Uniklinik galten immer als das Hauptargument für eine längere Landebahn. Der Einwand der Flugplatzgegner, dass die Uniklinik die Organstransporte mittelfristig ins Herzzentrum nach Bad Krozingen verlagern möchte, sah der Petitionsausschuss als nicht bewiesen an.
Auch den Eingriff in den Mooswald hielt der Landtag für verträglich, ebenso wie die Abstände zur Bebauung. "Wir sind maßlos enttäuscht", sagte Renate Mai von der "Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm", nachdem die Entscheidung gefallen war. Der Petitionsausschuss sei in seinen Argumenten der Position der Stadtverwaltung gefolgt, ohne diese kritisch zu hinterfragen, bemängelte sie.
Flugplatz-Geschäftsführer Gerhard Meier zeigte sich indes froh, dass nun endlich alle Turbulenzen überwunden zu sein scheinen. Allerdings: Er wartet nach wie vor auf einen Bescheid des Landes, das rund ein Drittel der Kosten übernehmen soll. Durch zusätzliche Sicherheitsvorschriften seien aus den ursprünglich für die Landebahnverlängerung kalkulierten 400 000 Euro 120 000 Euro geworden.
Mit der jetzigen Entscheidung geht eine lange Geschichte zu Ende: Erste Pläne, die Landebahn auszubauen, gab es schon 1998. Ausgangspunkt war eine neue EU-Richtlinie. Nach vielen Diskussionen beschloss der Gemeinderat schließlich 2005, die Landebahn um 158 Meter nach Süden zu verlängern und die Landeschwelle als frühestmöglichen Aufsetzpunkt um 102 Meter nach Norden zu verschieben (siehe Grafik).
Doch die Debatten gingen weiter. 2007 reichte sowohl die "Schutzgemeinschaft gegen Fluglärm" als auch der Bürgerverein Mooswald eine Petition beim Landtag ein. Diese blieben jedoch ebenso ohne Erfolg wie der jetzige zweite Vorstoß. Die Flugplatzgegner haben nun nur noch auf dem Klageweg eine Chance. Diese Möglichkeit lehnen sie aber aus Kostengründen ab. Ein kleines Trostpflaster bleibt ihnen dennoch: Die Flugplatz GmbH hat sich bereits Ende 2007 freiwillig entschieden, die Zahl der Nachtflüge auf 30 pro Jahr zu reduzieren und diese nicht – wie ursprünglich geplant – unbegrenzt zuzulassen.
Autor: Beate Beule



