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05. Januar 2009

Ein Freund des großen Karl Rahner

Der gebürtige Freiburger und Theologe Herbert Vorgrimler wird heute 80 Jahre alt.

Sein Großvater Martin Klotz war Mesner im Münster. Und so erlebte Herbert Vorgrimler eine Kindheit "unter gotischen Gewölben". Das war vor fast acht Jahrzehnten. Denn am 4. Januar wird der emeritierte Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Münster 80 Jahre alt.

Zu den prägenden Begegnungen seines Lebens gehört jene mit einem anderen Freiburger: In Innsbruck, wo Herbert Vorgrimler sein 1950 in Freiburg begonnenes Theologiestudium fortsetzt, lernt er Karl Rahner kennen, dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter und Freund der junge Student wird. 1958 promoviert er bei dem großen Theologen. Für ihn steckt er Zeit und Kraft in die elf Bände des "Lexikon für Theologie und Kirche". Mit ihm erarbeitet er im Auftrag der deutschsprachigen Bischofskonferenzen die autorisierte Übersetzung der lateinischen Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, das "Kleine Konzilskompendium" und ein theologisches Wörterbuch.

Bevor Herbert Vorgrimler jedoch seine mit dem damaligen Theologie-Professor Joseph Ratzinger vereinbarte Habilitation schreiben kann, wird er auf Betreiben des Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar 1968 als Professor für Dogmatik an die staatliche Theologische Fakultät Luzern berufen. Von dort aus geht er 1972 ins westfälische Münster, wo er als Nachfolger Karl Rahners bis 1994 lehrt. Wobei es dem Theologen in seinen wissenschaftlichen Werken stets um die Verantwortung der Theologie vor dem Forum der Vernunft geht, um das ökumenische Gespräch und um das jüdische Erbe im Christentum nicht zuletzt.

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Freilich widmet er sich ebenfalls schon früh der Seelsorge, auch der Krankenseelsorge. Was womöglich auch mit seinen Erfahrungen in Freiburg zu tun hat, wo er bald nach seiner Priesterweihe ein Jahr lang den Pfarrer der Dreifaltigkeitsgemeinde vertrat. Daran knüpft Herbert Vorgrimler nach seiner Emeritierung an. Heute leitet der nun Achtzigjährige die Klinikseelsorge im Clemenshospital in Münster. Das Erstaunlichste an seinem Leben jedoch ist, dass ihn die vielen Erfahrungen mit seiner Kirche und ihren Kirchenmännern nicht verbittert haben. Eher haben sie ihn besorgt gemacht, wie seine vor gut zwei Jahren erschienenen Erinnerungen zeigen. Sie hat Herbert Vorgrimler jedenfalls nicht zufällig überschrieben mit "Theologie ist Biographie" – ein passender Titel für dieses empfehlenswerte Buch eines alten Freiburgers.

Autor: Gerhard M. Kirk