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09. Oktober 2017

Jubiläumsprogramm

Ein mitreißender Jazz-Gottesdienst zum Auftakt der Reformationswochen

Die evangelischen Gemeinden Freiburgs feiern den ganzen Oktober lang das Reformationsjubiläum – in der Markuskirche gab’s dazu Jazz.

  1. Pfarrer Ulrich Bayer (hinten) hatte die Idee, Luthers „Hits“ neu zu variieren, das Kerschberger Trio bespielte diese Idee gekonnt: Ingmar Kerschberger, Jörg Enz, Peter Streicher (von links). Foto: Thomas Kunz

Wer am Sonntagmorgen in die Markuskirche im Stadtteil Mooswald gekommen war, bekam dort einen sehr besonderen Luther-Leckerbissen: Gemeindepfarrer Ulrich Bayer hatte als Beitrag für die Festwochen zur Reformation das Ingmar-Kerschberger-Trio für seinen Gottesdienst verpflichtet zu "Jazz und Luther". Der sehr gut besuchte Gottesdienst war einer von 14 evangelischen Gottesdiensten, mit denen an diesem Tag in Freiburg die Feiern zum Reformationsjubliäum fast durchweg auch thematisch eingeläutet wurden.

Die Idee von Ulrich Bayer war nicht ganz von ungefähr gekommen. Der promovierte Kirchenhistoriker ist auch ausgewiesener Lutherkenner, einer, der zum Beispiel kritisch insistiert: "Luther war kein moderner Mensch, wie wir uns das vielleicht vorstellen, er war ein Mann des Spätmittelalters." Sozusagen "zeitlos modern" an Luther war jedoch, so Bayer, dessen große Liebe zur Musik.

Bayers Predigt heißt an diesem Morgen "Impuls" und beschreibt und erklärt, wie die Musik eine bedeutende Hauptachse der Reformation war. Ab 1523 nämlich wurden Kirchenlieder auch auf Deutsch gesungen, entgegen dem Verbot der katholischen Kirche, die weiterhin auf Latein als "Kirchensprache" bestand. Und diese neuen Kirchenlieder, sagt Ulrich Bayer, "hatte Luther quasi umgearbeitet aus den Gassenhauern seiner Zeit – die Melodien kannte also jeder." Heute, vermutet Bayer, würde Luther wahrscheinlich rappen.

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Und ziemlich sicher würde Luther wie die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher der Markuskirche am Sonntagvormittag zu seinen Kirchenhits mit dem Fuß wippen – weil sie hier nun mit einem ganz neuen Groove in hinreißenden Jazz-Bearbeitungen begeistern konnten. Sehr hübsch die Dramaturgie dieses Matinee-Gottesdienstes: Erst spielte Gemeindeorganistin Dorothea ter Har die Luther-Lieder auf der Orgel an, dann kam das Trio mit seiner Jazz-Version zum Einsatz.

Und wer nun simpel "verjazzte" Songs erwartet hatte, horchte verblüfft auf. Hier wurden komplexe Harmonien und Melodien abgeliefert, feine Improvisationen für die drei renommierten Musiker: Ingmar Kerschberger am Alt- und am Sopransaxophon, Jörg Enz an der Gitarre und Peter Streicher am Bass. Die gaben zum Beispiel das Weihnachtslied "Vom Himmel hoch" als swingigen Walzer im 3/4-Takt. Oder "Ein feste Burg ist unser Gott" – eine Art "Marseillaise der Reformation" – als jazzige Pop-Ballade. Eine halbe Stunde origineller musikalisch-meditativer Genuss. Nicht etwa still versunken, sondern genau so, wie Pfarrer Ulrich Bayer es in seinem Impuls bezeichnet hatte: "Musik ist sinnlich und sehr lebendig." Bayer bezieht sich auf Psalm 98: "Singet dem Herrn ein neues Lied!" Die alten (Luther-) Lieder bewahren und neuen das Herz öffnen – wer wissen wollte, wie das funktioniert, erlebte es am Sonntag in der Markuskirche. Ein berührender Auftakt für ein facettenreiches Programm, das folgt (Infobox).

Reformationswochen

Mehr als 50 Veranstaltungen gehören zu den "Reformationswochen", die die evangelischen Gemeinden in Freiburg noch bis zum Reformationstag am Dienstag, 31. Oktober, anbieten. Die Gesamtübersicht gibt es im Internet unter: mehr.bz/reformation-programm-fr
Nur einige Highlights seien hier genannt:
Dienstag, 10. Oktober, 19 Uhr: "Play Luther", ein musikalisches Theaterstück, Vorderhaus in der "Fabrik", 12 Euro für Erwachsene, 18 Euro für Schüler.
Mittwoch, 11. Oktober, 20 Uhr: Eine geistliche Münsterführung, Reformen und Reformation mit Mareike Hartmann (Katholische Akademie) und Christian Stahmann (evanglischer Schuldekan).
Samstag, 14. Oktober, 14.30 Uhr: "Achtung: Neue Lehren!" Ein Weg durchs evangelische Freiburg. Treffpunkt: Historisches Kaufhaus, Spenden erbeten.  

Autor: lit

Autor: Julia Littmann