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20. Mai 2009
Ein neuer "Freiburger Weg"
Viele unterschiedliche Einrichtungen haben ein einmaliges Palliativ-Netzwerk geknüpft.
Gebahnt ist er, der "Freiburger Weg". Und nun wollen ihn viele auch gehen, um für unheilbar kranke und sterbende Menschen die Lebensqualität und die Selbstbestimmung zu erhalten und sie in ihrer vertrauten Umgebung bis zum Tod bestmöglich zu betreuen. Die gesetzliche Grundlage hat schon vor zwei Jahren das Sozialgesetzbuch V (Krankenversicherung) geschaffen. Doch noch immer steckt der Aufbruch fest, weil mit den Krankenkassen noch kein Versorgungsvertrag auszuhandeln war.
"Noch nie zuvor ist es in Freiburg gelungen, so viele unterschiedliche Interessen zusammenzubringen", blickt Rupert Niewiadomski von der katholischen Sozialstation auf die vergangenen eineinhalb Jahre zurück. In dieser Zeit haben niedergelassene Palliativmediziner, Pflegedienste, stationäre Palliativeinrichtungen, die "Brückenpflege" und die ambulante Hospizgruppe an einem Runden Tisch unter Moderation des städtischen Seniorenbüros ein Netzwerk der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) für Freiburg und Umgebung gestrickt. Sollte es in absehbarer Zeit gelingen, auf diesem "Freiburger Weg" loszugehen, wäre Freiburg die erste Stadt im Land, die die gesetzliche Vorgabe auch umsetzen würde.Werbung
Mit diesem Gesetz haben schwerstkranke, bald sterbende Menschen einen Anspruch auf bessere Versorgung zu Hause und in einem Pflegeheim als bisher. Ziel ist ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod. Und das in einer Gesellschaft, "in der Sterben unter Schmerzen ein unangenehmes Thema ist", beobachtet Martin Ehmer. Dabei hält es der Palliativmediziner durchaus für möglich, das gegenwärtige Verhältnis – etwa 70 Prozent sterben in einer Klinik, 30 Prozent zu Hause – umzukehren. Auch deshalb haben die Palliativ-Netzwerker aus 13 Einrichtungen am Runden Tisch nach hartem Ringen ein Konzept entwickelt: Für mehr als 300 000 Menschen im Raum Freiburg soll es ein Zentrum mit einem Palliativ Care Team (PCT) geben; von hier aus soll eine Koordinationsstelle rund um die Uhr Ärzte und Pflegekräfte losschicken können, die eine spezielle palliative (lindernde) Ausbildung und Erfahrung haben; Rechtsträger dieses PCT soll eine GmbH werden, die die bisher schon Beteiligten bis zum Sommer gründen wollen.
Nach Erfahrungen in anderen Bundesländern haben etwa zehn Prozent der sterbenden Menschen einen Anspruch auf diese besondere Versorgung. Für den Großraum Freiburg sind das jährlich voraussichtlich 300 Menschen – Alte ebenso wie Kinder (worauf Antje Kössl von der Sozialstation "3sam" aufmerksam macht). "Der Bedarf wird unterschätzt", meint der Arzt und Geriater Hans-Werner Lüdke, "und ein Hausarzt allein kann einen sterbenden Menschen nicht begleiten." Deshalb versteht sich die SAPV nicht zuletzt als Unterstützung für Hausärzte bei der palliativen Versorgung, wenn Leben unter großen Schmerzen zu Ende geht. "Wir ergänzen den Hausarzt und wollen ihm helfen, wenn nichts mehr zu machen ist", sagt Martin Ehmer. Schließlich, sagt Hans-Werner Lüdke: "Es ist eine der vornehmsten Pflichten des Arztes, den Sterbenden beizustehen."
Autor: Gerhard M. Kirk
