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16. Juli 2010
Eine Ausstellung, die niemals endet
Grafikstudenten entwerfen eine Online-Schau fürs Theater.
Wenn am 8. Oktober das Theater Freiburg sein 100-jähriges Bestehen feiert, wird zeitgleich eine Ausstellung eröffnet, die deutschlandweit ihresgleichen sucht: Das Theater geht mit einer virtuellen Schau zur eigenen Geschichte online. Konzipiert und gestaltet wird das Projekt derzeit von Studenten der Freien Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst Freiburg (FHF).
Es ist ein reizvoller Gedanke für jeden Kurator und Museumsbesucher: Einmal eine Ausstellung zeigen, die nicht nach vier Wochen oder Monaten wieder abgebaut wird und ganz nach Lust und Laune immer mal wieder aufgesucht werden kann. Genau das ermöglichen die Freiburger Studenten jetzt. "Die Theaterausstellung wird Archivcharakter haben, das bedeutet, sie ist einerseits sehr umfassend, zum anderen ist sie nie fertig, sondern kann dauernd ergänzt werden", erklärt Domenica Uhlbach (21). Sie studiert Screen-Web-Design an der FHF und tüftelt seit April gemeinsam mit Kommilitonen an der Online-Schau.Zu dem rund zehnköpfigen Team gehört auch Frederic Macchi (24), der von den Möglichkeiten der virtuellen Ausstellung schwärmt: "Man bekommt nicht nur das zu sehen, was die Veranstalter einem zeigen wollen, sondern kann aus einer riesigen Datenmenge gezielt nach dem Suchen, was einen interessiert." Und wenn das die 900 Plakate sind, die im Lauf des vergangenen Jahrhunderts für Ballette, Opern und Theateraufführungen geworben haben – bitteschön, dann kann man sich gerne durch 900 Bilder klicken, die von den Studenten Stück für Stück abfotografiert worden sind. "Während man sich in einer realen Ausstellung zum Beispiel entscheiden muss, auf welcher Seite man ein Buch aufschlägt, das man dem Besucher in einer Vitrine präsentiert, kann man online jede einzelne Seite zeigen, wenn man das möchte", sagt Macchi.
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Die größte Herausforderung für die Studenten besteht darin, sich bei der Gestaltung selbst ein wenig zurückzunehmen. "Wir dürfen nicht einfach ein riesiges Effektfeuerwerk kreieren, um zu zeigen, was wir können. Als Designer hat man ja eine immens große Spiellust. Viel wichtiger ist, dass mit der fertigen Ausstellung im Internet Jüngere und Ältere gleichermaßen angesprochen werden", gibt Macchi zu bedenken. Das bedeutet: eine einfache, selbsterklärende Bedienerführung. In zig Versuchen haben die Studenten versucht herauszufinden, wie sie das gesammelte Material am besten strukturieren, so dass jeder Nutzer mühelos in alten Zeitungsartikeln, Fotos von Aufführungen oder Programmtexten stöbern kann.
Um den berühmten Blick hinter die Kulissen virtuell ermöglichen zu können, greifen die Studenten der FHF nicht nur auf Bilder und Tondokumente zurück. Andreas Böhler (28) verwendet gerade viel Zeit darauf, ein möglichst detailgetreues 3-D-Modell des Theaterbaus zu erstellen. "Es gibt so viele Räume, Werkstätten, Gänge und Ecken, das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, wenn man es nicht selber mal gesehen hat", sagt Böhler, der für das Modell eigens mit der Kamera im Bau unterwegs war.
"Bevor wir angefangen haben, wollten wir mal schauen, wie andere solche virtuellen Ausstellungen angehen, aber wir haben in der Form nichts gefunden. Die Museen und Theater im deutschsprachigen Raum sind diesbezüglich noch eher spärlich aufgestellt", sagt Domenica Uhlbach. Also mussten sich die angehenden Screen-Web-Designer selbst was überlegen. Haben sie auch. Die strukturelle Gestaltung samt Farben, Hintergründen und der kniffligen Zeitleiste steht und ist von der Theaterleitung abgenickt worden. Den Sommer über werden Macchi und Uhlbach nun die Datenbank hinter der schön designten Oberfläche füllen und die einzelnen Funktionen programmieren. Dabei werden sie auch Platz lassen für das eine oder andere Schmankerl, das eventuell noch hinzukommt. So beschäftigen sich ein paar Studenten gerade mit allen Zahlen rund ums Theater und versuchen, die Statistiken zum Beispiel zu den Besucherzahlen ansprechend zu gestalten. Zwei Varianten soll es vom virtuellen Theater geben: eine Flash-Version mit vielen Animationen und bewegten Bildern sowie eine statischere HTML-Version. "Damit erreichen wir auch diejenigen, die keinen so schnellen Internetzugang haben", erklärt Macchi, warum man zweigleisig fährt.
100 JAHRE THEATER FREIBURG
Am 8. Oktober 1910 wurde das neue Stadttheater in Freiburg eingeweiht. Das 100-jährige Bestehen feiert das Theater mit einem Jubiläumswochenende vom 8. bis 10. Oktober, an dem das Freiburger Publikum gleich fünf Premieren serviert bekommt. Außerdem gibt es eine große Geburtstagsparty am Samstag, 9. Oktober, sowie Vorträge zum Thema während der gesamten Spielzeit. Die virtuelle Ausstellung zum Theater, die von Studenten der Freien Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst Freiburg gestaltet wird, geht ebenfalls pünktlich am
8. Oktober online.
Autor: cfr
Autor: Claudia Füßler
