Eine friedliche Lösung für alle

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 03. November 2014

Freiburg

Breite Zustimmung zum Kompromiss für das Haus Maienstraße 2.

Alle äußern sich zufrieden: Vor zwei Jahren verkaufte die Evangelische Kirche den ersten Stock und das Dachgeschoss des Hauses in der Maienstraße 2. Im Vorfeld hatten viele gegen den Verkauf gekämpft. Doch es kam zu einem Kompromiss, den alle gut finden: Der Verkauf ist durch Erbpacht auf 50 Jahre begrenzt, Käufer war die auf Soziales und Denkmalschutz spezialisierte Genossenschaft "Bogenständig" mit Sitz in Titisee-Neustadt. Sie garantiert, dass das Haus nur für kirchliche und diakonische Zwecke genutzt wird. Gestern war Einweihung.

Es ist ein friedliches Einweihungsmotto: "Drei unter einem Dach". Das Haus in der Maienstraße 2 wird nun dreifach genutzt – von der Gemeinde für kirchliche Arbeit (im Untergeschoss, das im Besitz der Kirche geblieben ist). Vom Diakonischen Werk für den "Arbeitskreis Behinderte an der Christuskirche" (ABC) und für den Sozialpsychiatrischen Dienst (im ersten Stock). Und von der evangelischen Sozialstation (im Dachgeschoss).

Doch es ging nicht immer so friedlich zu: Als sich der Verein "Freunde des Gemeindehauses Maienstraße 2" gründete, war sein Ziel, die Evangelische Kirche vom Verkauf ihres Hauses abzubringen. Die Verkaufspläne waren mit der Strukturreform entstanden, bilanziert Günter Hammer, der Pressesprecher der Evangelischen Kirche. Wegen zunehmender Finanzprobleme hätten Pfarreien zusammengelegt und Immobilienkonzepte überdacht werden müssen. Kurz wurde überlegt, das Dekanatszentrum in der Maienstraße unterzubringen – dann wurde das als zu teuer verworfen.

Die Lösung brachte das Angebot der Genossenschaft "Bogenständig". Der Verein der Maienstraße-Freunde sei auf ihn zugekommen, sagt Willi Sutter von "Bogenständig", dann sei schnell klar gewesen: "Wir wollten vor allem die Existenz des ABC hier langfristig sichern – denn der ABC macht eine Super-Arbeit."

Auch den Maienstraße-Freunden ging’s um den ABC – aber nicht nur. Wichtig war ihnen auch, dass das Haus im Besitz der Kirche bleiben sollte. Und: Dass die historische Bedeutung des Hauses gewürdigt wird – vor allem seine Rolle während des Nationalsozialismus, als hier einer der Orte war, wo sich Widerständige, unter anderem Angehörige vom "Freiburger Kreis", trafen. Der letzte Punkt steht noch aus, trotzdem hat sich der Verein "Freunde des Gemeindehauses Maienstraße 2" vor knapp zwei Wochen aufgelöst. Zuletzt gab’s 120 Mitglieder, erzählen Bernd Martin, emeritierter Professor für Geschichte, und der emeritierte Germanistik-Professor Hans Peter Herrmann vom Verein. Zugesagt worden sei ihnen eine Gedenktafel, zudem werde die Würdigung der geschichtlichen Rolle nun im größeren Kreis diskutiert – mit Stadtverwaltung und Uni, weil sich der "Freiburger Kreis" an mehreren Orten traf.