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26. November 2010
Eine Zeitreise von 2010 Jahren
In der Pauluskirche gibt es den "Sinnenpark Lebendige Krippe".
Dasitzen und sich die Weihnachtsgeschichte anhören, das war einmal. Heute ist mindestens ein "Sinnenpark Lebendige Krippe" angesagt. Interaktiv, versteht sich, als "Weihnachts-Zeitreise", wie sie zum Beispiel vom 29. November bis zum 15. Dezember in der Pauluskirche angeboten wird.
Die Reise durch Zeit und Raum beginnt in einem Kaufhaus dieser Tage und führt durch einen Zeittunnel ins Palästina vor 2010 Jahren. Dort lädt ein kundiger Begleiter (oder eine Begleiterin), jener Zeit gemäß gewandet, dazu ein, auf einem Basar um Gewürze, Tonwaren oder Wachstäfelchen zu feilschen. Doch bevor der Handel so richtig in Schwung kommt, treibt ein herrischer Soldat der römischen Besatzungsmacht Steuern von den Reisenden ein. Die erfahren dann im Tempel etwas über die Hoffnung des jüdischen Volkes auf einen Heilsbringer. "Wir leben zwar unter einer Fremdherrschaft", erzählt der Reisebegleiter, "haben aber den Glauben an die Verheißung des Friedensfürsten noch nicht aufgegeben."Deren Erfüllung bahnt sich nach christlicher Überlieferung gerade an der nächsten Station im Dorf Nazareth an, wo Maria ihrem Verlobten Joseph erklärt, wie das war mit dem Engel. Die Zeitreisenden bekommen beides über Lautsprecher mit in der Werkstatt des Zimmermanns, bevor sie die Hirten auf einem Feld nahe Bethlehem besuchen, denen ein strahlendes Licht die Geburt des Königs der Welt verkündet. Von da ist es nicht mehr weit bis zum Stall mit der Krippe, in dem Strohballen und Scherben liegen und es nicht gerade angenehm duftet. "Jesus wurde neben einem Haufen Mist geboren", erklärt der Reiseführer und folgert daraus: "Er kommt auch mit unserem Mist zurecht und kann auch mit den Scherben unseres Lebens etwas anfangen."
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Mit dieser Hoffnung bringt eine Zeitmaschine die Reisenden wieder zurück ins Jahr 2010, mitten hinein in ein weihnachtlich geschmücktes Wohnzimmer mit Christbaum und Geschenkpäckchen. Im letzten Raum der Reise erwartet die Teilnehmenden zum Schluss das "Friedenslicht aus Bethlehem" – und im Foyer ein Café, wo sie sich über das während ihrer Zeitreise Erlebte austauschen können.
"Wir hoffen, die Bilder prägen sich ein und tauchen wieder auf, wenn die Weihnachtsgeschichte erzählt wird", erklärt Diakon Norbert Aufrecht von der Gemeinde Dreisam 3 die Absicht dieses Sinnenparks. Entwickelt hat ihn Lutz Barth, ein Diakon der Evangelischen Landeskirche in Baden, die solche Formen der Verkündigung künftig verstärkt anbieten will. An der Freiburger Premiere der Weihnachts-Zeitreise (Kosten: 5000 bis 6000 Euro) sind insgesamt etwa hundert Ehrenamtliche beteiligt – als Reiseführer, als Kulissenbauer, als römische Soldaten, in der Technik, an diesem ganzen Unternehmen, das die nicht mehr wiederzuerkennende Pauluskirche in zehn Orte verwandelt, in denen der Beginn einer geglaubten Heilsgeschichte erfahrbar werden soll. Norbert Aufrecht: "Damit wollen wir ein kleines Fenster öffnen zum Ursprung von Weihnachten, das heute ein verschüttetes Fest ist."
Autor: Gerhard M. Kirk
