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13. Januar 2010

Einfach mal in Ruhe eine qualmen

VEREINT IM VEREIN: Die "Genussraucher Freiburg" lassen sich Zigarren und Pfeifen aus Überzeugung schmecken

  1. Bei den Stammtischen der „Genussraucher“ in der „Hemingway’s Smokers Lounge“ an der Eisenbahnstraße rauchen nicht nur die Köpfe. Foto: Ingo Schneider

INNENSTADT. Beißenden Qualm und dichte Rauchschwaden – wo gibt’s das heute noch? Wer zu den "Genussrauchern" ins Kellergewölbe der "Hemingway’s Smokers Lounge" in der Eisenbahnstraße hinabsteigt, bekommt davon auch in Rauchverbotszeiten eine Menge ab. Zigaretten sind hier aber eher verpönt, süchtiges Kettenrauchen erst recht. Bei Stammtischen der "Genussraucher" sind Zigarren und Pfeifen im Einsatz – und das Rauchen wird richtiggehend zelebriert.

Von der "Nub" halten sie viel. Michael Schneider hält eine in der Hand, Christian Geling auch. Die neue Zigarre aus Nicaragua hat einen großen Durchmesser und ist besonders kurz, darum schmeckt sie umso intensiver. Bis zu einer Stunde ziehen Michael Schneider und Christian Geling dran – konzentriert und mit Muße, wie es sich für echte Genussraucher gehört. Wann ist die Grenze vom Genuss- zum Suchtraucher überschritten? Dann, wenn jemand unreflektiert und reflexhaft raucht, findet Michael Schneider. Demnächst besucht er das Tabakfestival auf Kuba, auf Partys greift er auch mal zu Zigaretten – Zigarren und Pfeife sind ihm "für nebenher" zu schade.

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In der fast reinen Männerrunde – diesmal ist nur eine von insgesamt sechs Frauen dabei – geht’s längst nicht nur um neue Zigarren und die Qualität von Pfeifen (nach Meinung des Tabakgeschäftinhabers Gerhard Huber sollten für eine ordentliche Pfeife mindestens 50 Euro investiert werden). Die Genussraucher sprechen über alles mögliche, auch über Politik. Daran, dass sie zusammengefunden haben, war einst die Politik schuld: Die Gründung ihres Vereins war eine Reaktion auf das Gaststätten-Rauchverbot und die damals hitzigen Diskussionen, bei denen manche auch ein totales Rauchverbot forderten. Da wollten sie sich mit einem Club Freiräume schaffen. Mittlerweile blüht der Verein, obwohl sich die gesellschaftliche Stimmung entspannt hat, bilanziert Michael Schneider. Mit dem "gedeihlichen Nebeneinander" von Rauchern und Nichtrauchern können sie gut leben. Erst recht, weil es kein Genuss sei, wenn das Rauchen Nichtraucher stört, sagt Heinrich Lederle, der mit seiner Pfeife deshalb schon immer auf den Balkon ging. Und doch, ein bisschen melancholisch werden manche schon, wenn sie sich an alte Zeiten erinnern, in denen das Rauchen noch ein anderes Image hatte. Als Mitte der 1980er Jahre zwei so unterschiedliche Prominente wie Thomas Gottschalk und der Kinderbuchautor Michael Ende zu "Pfeifenrauchern des Jahres" gekürt wurden. Jetzt geht’s gesünder zu. Sorgen um ihre Gesundheit machen sich die "Genussraucher" aber nicht. Diese Diskussion nervt sie.

Autor: Anja Bochtler