Einfach reinkommen geht jetzt

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Di, 31. Januar 2012

Freiburg

Neue, behindertengerechte Türanlage im Technischen Rathaus / Ziel: Freiburg soll so barrierefrei wie möglich werden.

Bisher mussten Esther Grunemann und Philipp Hensel, wenn sie in ihren Rollstühlen zur Sitzung des Behindertenbeirats ins Technische Rathaus wollten, erstmal mühsam die schwere Eingangstür aus Holz aufdrücken. Seit neuestem können sie in einem Rutsch ins Gebäude rollen: Jetzt öffnen sich automatische Glasschiebetüren. Und nicht nur das. Auch ins Beratungszentrum Bauen im selben Gebäude kommt man jetzt per Tastendruck durch eine elektronisch sich öffnende Tür. Nur ein Puzzlesteinchen in einem Gesamtbild, an dem dauernd gearbeitet werden muss: Freiburg soll so barrierefrei wie möglich sein.

Rund 50 000 Euro hat die neue Türanlage des Technischen Rathauses gekostet; etwa 2 Millionen Euro hat die Stadt in den vergangenen zwei Jahren investiert, um die Barrierefreiheit von Gebäuden zu verbessern. Bei jedem Neubau und bei der Sanierung öffentlicher Gebäude ist Barrierefreiheit seit 2004 laut Landesbauordnung sowieso Pflicht. "Das ist eine Daueraufgabe für uns", so Baubürgermeister Martin Haag, "Barrierefreiheit besteht aus vielen kleinen, oft unspektakulären Dingen."

Mit dem neuen Entrée im Technischen Rathaus ist Freiburgs Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Esther Grunemann, schon mal zufrieden. "Mir gefallen die Karos übrigens", sagt sie. Den Karos auf der Glastür hatte Johannes Klauser, Leiter des Gebäudemanagements, eher nichts abgewinnen können, rein ästhetisch. Doch solche Karos an Glastüren sind wichtig für sehbehinderte Menschen – wieder ein kleiner Puzzlestein.

"Wir sind inzwischen sensibilisiert", meint Klauser. Toiletten müssen behindertengerecht sein, vor Türen brauchen Rollstuhlfahrer Platz, Böden werden mit rutschhemmenden Belägen ausgekleidet, alle Geschossen in einem Haus sollten über Aufzüge oder Rampen zu betreten sein. Für Sehbehinderte werden Räume hell und blendfrei ausgeleuchtet, in Gehzonen wird bruchsicheres Glas verwendet.

Induktive Höranlagen gibt’s zum Beispiel im Augustinermuseum, behindertengerechte Aufzüge in der Karlskaserne oder im Neuen Rathaus, eine Rollstuhlhebebühne in der Edith-Stein-Schule. Zur Zeit werden vier Schulen auch barrierefrei saniert (Wentzinger-Gymnasium/Realschule, Rotteck-Gymnasium, Theodor-Heuss-Gymnasium, Merianschule). "Klar kennen die Planer die DIN-Normen, aber wir leben damit", sagt Esther Grunemann, weshalb das Expertenwissen gefragt ist. Denn nicht alles ist so gelungen wie die Glasschiebetüren: Die – an sich gute – Rampe an der Stadtbibliothek setzt sich farblich nicht vom übrigen Belag ab. Das ist schwierig für stark Sehbehinderte, weiß Daniela Schmid vom Behindertenbeirat.