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23. August 2010

50 Mal Freiburg

Einkaufen auf dem Freiburger Münstermarkt

Der Einkaufsbummel am Münster ist das Gegenteil vom Internetshopping. Die winzige Birne Geißhirtle, die rote Karotte Roter Stern oder die blaue Kartoffel Violetta gehören zu den Stars auf dem Münstermarkt.

  1. Solange noch Platz für den Rucksack bleibt, ist der Gang übern Münstermarkt ein Vergnügen. Foto: Bamberger

Die winzige Birne Geißhirtle, die hellrote Karotte Roter Stern oder die blaue Kartoffel Violetta gehören zu den kleinen, feinen Stars mit Seltenheitswert auf dem Freiburger Münstermarkt. Und dieser Markt selbst ist ein nahezu tägliches Ereignis, das nicht nur Gäste preisen ob seines Seltenheitswertes: Auch die marktverwöhnten Freiburgerinnen und Freiburger lieben diesen zentralsten und spektakulärsten all der wunderbaren Wochenmärkte, die hier auch die Stadtteile privilegiert ausstatten.

Kleines Handicap am Markt ums Münster: Wer ihn von seiner schönsten Seite erleben will, muss früh aufstehen. Dann nämlich, wenn der Markt zwischen Juni und Oktober schier aus den Nähten platzt vor frischen Köstlichkeiten, lockt er auch die Touristen in Scharen an. Nicht, weil sie dort Geißhirtle und Goldparmänen einkaufen wollen, sondern weil der Münstermarkt eine Sehenswürdigkeit ist, die die wenigsten so oder ähnlich auch zu Hause haben. Vorneweg die Gruppenleitung mit hocherhobenem Schirm, hintendran die pensionierten Lehrerinnen aus Palermo oder die Jugendfußballer aus Leicester – allen gemeinsam ist, dass sie denen mit Korb und/oder Rucksack und langer Einkaufsliste die schmalen Wege zwischen den Ständen zum Slalomparcours machen.

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Glückliche Eier und einen Strauß Blumen wie frisch gepflückt im Bauerngarten? Elfriede Leimenstoll steht hinter ihren Produkten. Geschäftig verräumt und stapelt sie hinter ihrem kleinen Marktstand Kisten und Eimer, wickelt Lauch in Zeitungspapier und packt noch zwei Zwiebeln dazu. Die alten Marktbeschickerinnen und Marktbeschicker kennen ihre Kunden, zumindest die treuen, Tipps fürs Einkochen oder die passenden Kräuter gibt’s nebenbei. Dieser Markt ist das Gegenteil von Internetshopping, sagt Felix Grothe, der seinen WG-Einkauf hier erledigt: "Hier habe ich den Wert von Lebensmitteln erst richtig kennengelernt." Der Markt als Genussmittel, als Treffpunkt, als Vorzeigeschönheit und Trost im Alltag – und eben auch als Lernort.

Auf der Nordseite des Münstermarkts verkaufen Bäuerinnen und Bauern selbstgezogenes Gemüse und Obst, auf der Südseite bieten die Händler ihre Ware feil. Nicht nur Essbares ist hier im Angebot, sondern auch Handgetöpfertes und Strohfinken, Holzgeschnitztes und Bürstenallerlei. Dazwischen gibt’s pikant Eingelegtes und hausgemachte Nudelsachen, Spielzeug und Olivenhölzernes – ein Sammelsurium bunter Stände.

Wer zwei, drei Mal einen Wochenendeinkauf auf dem Münstermarkt gemacht hat, ist schon "Stammkunde", hat seine Lieblingsbäuerin, seinen Olivenmann, kauft den Salat unbedingt da, die Kartoffeln dort. Und kommt vielleicht auch wieder, wenn das Wetter weniger strahlend, das Angebot weniger üppig ist. Hin und wieder stromert er zwischen den Ständen, die er noch kaum wahrgenommen hat und findet kuriosen Blaubeeressig, köstlichen Schokolade-Orangenkuchen, blassrote Berner Rose-Tomaten. Der Münstermarkt ist ein Riesenglück.

Münstermarkt rund ums Münster ist von April bis September täglich außer Sonntags jeweils von 7 bis 13 Uhr (samstags bis 13.30 Uhr). Von Oktober bis März jeweils 7.30 bis 13.00 Uhr (samstags bis 13.30 Uhr)
Und sonst? Mindestens so kultig wie der Markt selbst ist die Münsterwurst, die auf der Nordseite des Münsters verkauft wird. Und längst schon kein Geheimtipp mehr: Stefans Käsekuchen, donnerstags bis freitags nahe dem Fischbrunnen. Und noch was: Wahre Freundinnen und Freunde halten dem Münstermarkt auch im Winter die Treue.

Autor: Julia Littmann