08. Februar 2010 18:40 Uhr
Neue Technik
Energiesparende Trams für eine schönere Altstadt?
Heidelberg hat sie schon: Hybrid-Straßenbahnen, die bis zu 30 Prozent Strom sparen im Vergleich zu üblichen Trams – und bis zu 2500 Meter ohne Oberleitung fahren können. Fahren solche Bahnen bald auch durch Freiburg?
Eine neue Technik könnte die Freiburger Straßenbahnen noch umweltfreundlicher machen. Ein Kondensator soll Energie speichern, die beim Bremsen erzeugt wird – und diese wieder für den Fahrantrieb verwenden. Ob die Technik auch für Freiburg taugt und auf dem Rotteckring eingesetzt werden könnte, will die CDU-Fraktion wissen. Die Freiburger Verkehrs-AG ist an dem Thema dran.
Zum Jahresende 2009 hat der Hersteller Bombardier in Heidelberg die Trams mit neuer Technik auf die Strecke geschickt. Jeder dieser Züge verfügt über drei Speicher auf dem Dach für die elektrische Energie, die beim Bremsen im normalen Modus erzeugt wird. Eine Ladung aus den Doppelschicht-Kondensatoren reicht für 1000 Meter Fahrt ohne Oberleitung mit normaler Beschleunigung. Anfahren – etwa an einer Haltestelle – sei ebenfalls möglich. Laut der Rhein-Necker-Verkehrs GmbH (RNV) spart jede einzelne umgerüstete Tram 30 Prozent oder 93 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die neue Technik war zuvor mehrere Jahre in Mannheim getestet worden – ohne Probleme. In 15 Jahren sollen sich die Mehrkosten für diese Technik amortisiert haben, erwartet Bombardier.Werbung
Einsparung 80 Tonnen Kohlendioxid
Eine ähnliches Sparsystem hat auch Siemens entwickelt. Siemens ist der Hersteller der Combinos, die im Freiburger Netz unterwegs sind. Und: Die Duewag AG, welche die GT 8 und GT 8Z aus der VAG-Flotte hergestellt hat, gehört ebenfalls zu Siemens. Das Unternehmen hat seit November 2008 im portugiesischen Lissabon ebenfalls einen Hybrid-Combino im Einsatz, ausgestattet mit Sitras HES und Kondensatoren an Bord. Auch Siemens spricht von einer 30-prozentigen Einsparung beim Strom. Das entspräche 80 Tonnen Kohlendioxid pro Tram. Bahnen, die jetzt schon im Betrieb sind, ließen sich mit der Hybrid-Technik ohne Probleme nachrüsten, heißt es.
Teilstrecken ohne Oberleitung
Die Siemens-Bahnen sollen dank der Kondensatoren und einer Batterie auf dem Dach sogar bis zu 2500 Meter ohne Oberleitung fahren – sprich: Auf Teilstrecken könnte damit auf Oberleitungen verzichtet werden – aus optischen Gründen zum Beispiel in der Altstadt von Freiburg oder eben auf dem Rotteckring, wo die möglichen Oberleitungsmasten als Störfaktor auf dem umgestalteten "Platz der Alten Synagoge" schon ein Diskussionsthema waren.
Bei der VAG seit zwei Jahren ein Thema
Eine Anfrage zu den Hybrid-Bahnen hat nun die CDU-Stadtratsfraktion auf den Weg gebracht – mit Hinweis auf das Heidelberger Beispiel. Die Freiburger Verkehrs-AG hat bereits Kontakt mit dem Verkehrsunternehmen RNC aufgenommen: "Wir befassen uns schon knapp zwei Jahre mit dem Thema", meint VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt. Nun ist man gespannt auf die Erfahrungen im Rhein-Neckar-Raum. Heidelberg plant im übrigen für eine Neubaustrecke schon ein Teilstück oberleitungsfrei. Experten gehen davon aus, dass die neue Hybrid-Technik auch Kosten für Neubaustrecken senken wird, weil dann weniger Unterwerke nötig sind. Unterwerke sind Umspannstationen, an denen der Strom aus dem öffentlichen Netz ins Bahnstromnetz gespeist wird.
Die Vorteile der neuen Speichertechnik sieht man in Freiburg auch, ebenso den deutlichen Spareffekt beim Stromverbrauch. Schon jetzt wird in Freiburg Bremsstrom wieder ins Netz zurück geführt wird – allerdings bei weitem nicht so effizient, wie dies nun der Kondensator auf dem Dach schafft.
Die Stromspeicher sollen rund 450 Kilogramm schwer sein – am Gewicht könnte dann nach Ansicht der VAG-Techniker bei einzelnen Bahn-Typen die Nachrüstung scheitern. Und: Eine klare Aussage zu den Kosten gibt es offenbar noch nicht. Das Nachrüsten soll allerdings pro Bahn eine sechsstellige Summe kosten.
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Autor: Joachim Röderer




