Wohnen

Bekommt das Quartier um die Quäkerstraße eine soziale Erhaltungssatzung?

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mi, 30. Mai 2018 um 18:20 Uhr

Freiburg

Der Juni wird spannend für die Zukunft der Quäkerstraße: Der Freiburger Gemeinderat diskutiert, ob für das Gebiet zwischen den Wiehrebahnhöfen eine soziale Erhaltungssatzung erstellt wird.

Der Juni wird ein spannender Monat für die Wohnbaugenossenschaft Familienheim Freiburg und ihre Mitglieder. Im Juni nämlich geht es im Gemeinderat darum, ob für das Gebiet zwischen den Wiehrebahnhöfen eine soziale Erhaltungssatzung erstellt wird – ein Gebäude abzureißen würde dann schwieriger. Anja Dziolloß, Geschäftsführerin der Familienheim, sagt nun, sie rechne damit, dass sich ihr geplantes Projekt – Abriss und Neubau der Gebäude Quäkerstraße 1-9 – verzögern wird.

Die Baugenossenschaft will rund 300 Wohnungen in der Wiehre modernisieren und eine Häuserzeile in der Quäkerstraße für einen Neubau abreißen. Dagegen protestieren die Bewohner heftig und haben sich zur Initiative "Wiehre für alle" zusammengetan.

Nun hat eine Mehrheit des Gemeinderats (Freiburg Lebenswert/Für Freiburg, FDP, Freie Wähler, Junges Freiburg/Die Partei/Grüne Alternative, SPD und Unabhängige Listen) die Stadtverwaltung beauftragt zu prüfen, ob für dieses Gebiet eine soziale Erhaltungssatzung möglich und nötig wäre. Bei einer sozialen Erhaltungssatzung geht es darum, die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung in einem bestimmten Gebiet zu erhalten, also Gentrifizierung einen Riegel vorzuschieben. Wer dann ein Gebäude abreißen oder umbauen wollte, müsste sich das erst genehmigen lassen. Ganz konkret: Sind zum Beispiel Aufzüge in diesem Gebiet nicht üblich, kann der nachträgliche Einbau untersagt werden, weil dies zu einer erheblichen Steigerung der Betriebskosten führen würde.

Die Initiative geht strategisch vor

Die Initiatoren von "Wiehre für alle" trommeln für diese Satzung und gehen dabei strategisch vor. So haben sie eine Sozialdatenanalyse erstellt, die die Bewohnerstruktur aufschlüsselt, und ein Gutachten erstellen lassen, das den Gebäuden einen guten Zustand bescheinigt – zur Information für die Stadträte.

Vor kurzem nun stellte die Initiative das Dossier "Genossenschaft und Gentrifizierung" vor. Aus den Geschäftsberichten der Familienheim, aus der Mitgliederzeitschrift und aus Zeitungsartikeln haben die Aktivisten Daten erhoben. Diese zeigen ihrer Ansicht nach, dass bei der Familienheim der Genossenschaftsgedanke immer weiter in den Hintergrund rückt und es mehr und mehr auf gute Bilanzen ankomme. So zeigt eine Tabelle, dass die durchschnittlichen Kaltmieten der Genossenschaft von 2007 bis 2016 um 33 Prozent gestiegen sind, der Durchschnitt in der gesamten Stadt Freiburg nur um 12 Prozent. Auch habe die Familienheim insgesamt 43 Wohnungen weniger im Bestand, trotz Bilanzwachstum. Das und vieles andere zeige die "Aufwertungsneigung" der Familienheim, also den Wunsch, den Bestand aufzuwerten und zahlungskräftige Mieter zu akquirieren.

Deren Geschäftsführerin Anja Dziolloß hält die Erhebung für unkorrekt: "Das Gros unserer Mieter repräsentiert die breite Bevölkerung", sagt sie, "mit durchschnittlich 7 Euro Miete sind wir die Mietpreisbremse." Derzeit prüfe man die Daten zum Anstieg der Kaltmieten. Dass der Bestand geschrumpft sei, liege an den 130 Einzelzimmern des Bruder-Klaus-Heims und St. Luitgard, die durch Neubauten nicht aufgefangen wurden.

Am 25. Juni will Dziolloß das weitere Vorgehen der Familienheim bei der Vertreterversammlung vorstellen. Einen Tag später wird die soziale Erhaltungssatzung im Gemeinderat besprochen. "Wenn dort der Erlass für die Prüfung einer Erhaltungssatzung beschlossen wird", so Dziolloß, "dann hätte es momentan keinen Sinn, für die Quäkerstraße weiter zu planen." Dort sei etwa die Hälfte der Mieter schon ausgezogen oder wolle ausziehen, wie zugesichert in Wohnungen in der Nachbarschaft.
Die Beteiligten

Die Initiative: wiehre-fuer-alle.de

Die Wohnbaugenossenschaft: familienheim-freiburg.de