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07. März 2015

Erfinder brauchen Glück und einen langen Atem

Vier Gewinner beim 12. Freiburger Innovationspreis.

Zum zwölften Mal hat die Stiftung Biomed den Freiburger Innovationspreis vergeben. Vier Gewinner teilen sich die Auszeichnung – und auch das Preisgeld von insgesamt 8000 Euro. Gewonnen haben ganz unterschiedliche Unternehmen.

Die Firma Enit-Energy, die erst im Vorjahr als Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme an den Start gegangen ist, hat eine intelligente Energiesteuerung entwickelt, mit der vor allem gewerbliche Nutzer viel Geld durch mehr Energieeffizienz sparen können.

Ebenfalls ein Spin-off aus der Wissenschaft ist der Preisträger Immune-2-Day. Das Projekt des Zentrums für Biosystemanalyse der Uni Freiburg hat einen Biomolekülkopierer erschaffen, der quasi auf Knopfdruck bestimmte DNA- und RNA-Erbsubstanzen sowie Proteine gemäß einer definierten Vorlage herstellen kann - und somit das Potenzial hat, die Entwicklung von Impfstoffen enorm zu beschleunigen. Mit dem Molekülkopierer könnte dies künftig nur noch 48 Stunden dauern statt wie bisher viele Wochen.

Die 1993 gegründete Firma Promed Instruments wiederum wurde für ihre selbst entwickelten, herausragend flexiblen und ergonomischen Instrumente für Hirnoperationen ausgezeichnet. Der vierte Preisträger im Bunde, als einziger nicht aus Freiburg, ist die Schreinerei von Wolfgang Fünfgeld in Müllheim, die ein vielfältig anpassbares und nachhaltiges Möbelbausystem konzipiert hat.

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Die rund 120 Gäste der Preisverleihung in Räumen der Sparkasse, die gemeinsam mit dem Medizintechnikunternehmen Stryker-Leibinger den Innovationspreis sponsert, hatten zuvor von einem anderen erfindungsreichen Unternehmer gehört, dass eine gute Idee alleine noch lange keine erfolgreiche Innovation macht. Der Chemiker und Unternehmer Karl Reuter, Gründer und Chef der Reuter Chemische Apparatebau KG (RCA), berichtete davon, wie zäh der Weg zum wirtschaftlichen Durchbruch sein kann, obwohl man eine bedeutsame Erfindung gemacht hat. RCA ist heute ein führendes Unternehmen in der Entwicklung von neuartigen Verfahren, durch das organische Substanzgemische getrennt werden, und hat 2013 für zwei Millionen Euro in Wyhl am Kaiserstuhl ein Lager gebaut und dort außerdem nicht weniger als 140 000 Quadratmeter Erweiterungsfläche reservieren lassen – rund ein Dutzend Fußballfelder. Als Mieter im Freiburger Biotechpark an der Engesserstraße, der von der Stiftung Biomed betrieben wird, hatten ihm die Stiftungsvorstände mehrmals die Miete stunden müssen, weil die 1992 gegründete Firma quasi pleite war. "Durchhaltevermögen muss man haben als Erfinder", so Reuter, "und auch das nötige Glück."

Autor: Holger Schindler