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18. November 2008

"Erfolg, Leistung, Mitmenschlichkeit"

BZ-INTERVIEW mit Maximilian Erlmeier, dem Vorsitzenden der Freiburger Denkfabrik, über eine humane Marktwirtschaft

  1. Ganter-Chef Maximilian Erlmeier fordert mehr Ethik und Anstand. Foto: DPA

13 Mitglieder zählt die im August gegründete "Freiburger Denkfabrik". Der Verein will sich für eine humane Marktwirtschaft einsetzen. Gemeinsam mit dem Colloquium Politicum der Universität hat der Verein eine Vortragsreihe im Rahmen des Studium Generale gestartet. Was der Verein erreichen will, darüber sprach Joachim Röderer mit dem Vorsitzenden Maximilian Erlmeier, Chef der Ganter-Brauerei.

BZ: Was ist denn da los, dass die Wirtschaft eine Denkfabrik gründet?
Maximilian Erlmeier: Der Auslöser war, dass die Marktwirtschaft nicht mehr so anerkannt wird, wie es sein müsste. 70 Prozent der Bevölkerung trauen der Sozialen Marktwirtschaft nicht mehr zu, dass sie die Probleme lösen kann. Hinzu kommt ein zweiter Punkt: Die Universität hat mit der Freiburger Schule eine große Tradition. Walter Eucken und seine Kollegen haben ja einst die Wurzeln für die Soziale Marktwirtschaft gelegt – aber die Politik ist vom Pfade der Tugend abgewichen und hat die Vorgaben verwässert. Ich habe mit Bekannten und Freunden diskutiert, die das ähnlich sehen. Wir wollen in der Denkfabrik denken – aber wir wollen auch umsetzen und die Kraft auf die Straße bringen. Unser Leitspruch heißt "Denken und Handeln". Die schönsten Theorien helfen nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden.

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BZ: Was verstehen Sie unter "handeln"?
Erlmeier: Darunter verstehen wir auch, dass sich alle unsere Mitglieder verpflichten, einen Tag im Jahr für eine soziale Arbeit zur Verfügung zu stehen. Viele von uns kennen die Probleme zwar in der Theorie. Aber sie wissen nicht, wie der Tag von denen aussieht, die nicht auf der Sonnenseite geboren sind.
BZ: Wie definieren Sie ethisches Unternehmertum?
Erlmeier: Ein Unternehmer muss Leistung und Erfolg im Auge haben, aber das muss gepaart werden mit Menschlichkeit und Anstand gegenüber seinen Mitarbeitern. Wichtig ist auch, dass ein Unternehmer ein guter Bürger in seiner Gemeinde ist und seiner Stadt auch etwas zurückgibt. Und: Auch über eine hohe Ausbildungsquote kann ein Unternehmer zeigen, dass er seiner Verantwortung für die Gesellschaft gerecht wird. Wir bei Ganter beschäftigen 15 Auszubildende bei 80 Mitarbeitern.
BZ: Ist die Gründung der Denkfabrik eine Kritik daran, dass viele dieser Werte verloren gegangen sind?
Erlmeier: Natürlich ist die Gründung eine Kritik. Wir haben Auswüchse in der Wirtschaft, eklatant sichtbar in der Finanzindustrie. Konzerne sündigen da mehr als die mittelständischen Unternehmen. Da muss man schon von Gier sprechen, wenn Firmenlenker Unternehmen an die Wand fahren und dann mit dem goldenen Fallschirm abspringen. Das hat mit Ethik und Anstand nichts mehr zu tun. Wir glauben aber auch, dass es in der Sozialpolitik manche Übertreibung gegeben hat, welche die Sozialsysteme überdehnt hat. Anzumerken ist: Die wahrhaft Bedürftigen bekommen zu wenig, weil andere die Systeme ausnutzen. Es gibt Fehlentwicklungen, die wir aufzeigen wollen, um über Reformen die Marktwirtschaft zu stärken.
BZ: Auf wen schauen Sie besonders?
Erlmeier: In Familienunternehmen wird das, was wir fordern, noch sehr gut gelebt. Wir haben einige Beispiele in der Region wie die Firma Sick oder Endress und Hauser, die zeigen, dass man Erfolg und Leistung mit einer menschlichen Unternehmensführung verbinden kann.
BZ: Glauben Sie, dass es in Krisenzeiten schwerer ist, solche Werte auch einzuhalten?
Erlmeier: Nur schwache Unternehmensführer können da in Versuchung kommen. Wer stark ist, der erkennt, dass es langfristig einen positiven Effekt für den Erfolg seines Unternehmens hat, wenn man die Mitarbeiter menschlich behandelt. Deswegen ist es wichtig, gerade in einer Rezession die Werte hochzuhalten. Laut einer Untersuchung stehen nur 25 bis 30 Prozent aller Arbeitnehmer voll hinter dem Unternehmen, für das sie arbeiten. Das liegt auch daran, dass viele Unternehmer nicht hinter ihren Mitarbeitern stehen und sie nur als Verfügungsmasse sehen.
BZ: Hoffen Sie noch auf weitere Mitstreiter für Ihre Denkfabrik?
Erlmeier: Wir haben wie viele Vereine klein begonnen, aber der Zuspruch und die Sympathie, die uns entgegengebracht werden, sind enorm. Die Finanzkrise zeigt, dass alle mithelfen müssen, damit nach dem Feuerlöschen vernünftige Regeln gefunden werden.
Humane Marktwirtschaft – das Wirtschaftsmodell der Familienunternehmen, Vortrag mit Unternehmensberater und Professor Arnold Weissman, Nürnberg, am Mittwoch, 19. November, 20.15 Uhr, Hörsaal 1098 im Kollegiengebäude I der, Albert-Ludwigs-Universität, Platz der Universität 3.