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16. April 2010
Erhellendes "Freilichtspiel"
Lichtinstallationen sollen die Augen für einen anderen Blick auf die Stadt öffnen.
Sie kommen erst in der Dämmerung, denn nur im Dunkeln funktioniert es. In einem Karton haben die Teilnehmer des Projekts "Freilichtspiel" Taschenlampen, kleine LED-Leuchten, Reflektorband und Luftballons eingepackt. Begleitet von einem Videofilmer ziehen sie meist ohne festes Ziel durch die Stadt. Heute haben sie sich den Mariensteg über die Dreisam als Startpunkt ausgesucht. Was sie vorhaben ist zwar ungewöhnlich – aber völlig harmlos.
"Wir wollen zeigen, dass Freiburg auch anders aussehen kann", meint Lea Mönninghoff, die "Freilichtspiel" ins Leben gerufen hat. Zum Beispiel mit Lichtinstallationen an der Wiwili-Brücke oder beleuchteten Luftballons in der Dreisam. "Mit Licht kann man einfach total viel erreichen", findet die 18-jährige Lily Verrier. Sie ist eine von 10 jungen Künstlerinnen und Künstlern, die seit einem Monat jeden Montag in der Freiburger Nacht unterwegs sind. Spontan und ohne festen Plan werden nun die bunten LED-Leuchten mit Magneten am Brückengeländer befestigt. Das Lichtbild entsteht gemeinschaftlich, es wird viel diskutiert und experimentiert. Und es geht scheinbar mehr um die Aktion als um das Ergebnis. "Ich fand die Idee einfach gut und es macht auch richtig Spaß", meint der 20-jährige Kai Peter, einer der wenigen männlichen Lichtkünstler.Werbung
Ursprünglich wollte Lea Mönninghoff das Projekt, das sie im Rahmen ihres freien kulturellen Jahres beim Jugendbildungswerk konzipiert hat, mit einer Schulklasse der Wenzinger-Realschule durchführen. Das scheiterte aber an der Umsetzung und hätte wohl einfach nicht in den Schulaltag gepasst. Mönninghoff beschloss "Lichtspiel" trotzdem umzusetzen und trommelte ein paar Freunde und Kollegen aus einem Kunstkurs zusammen. Für den Kauf der Materialien stehen der Gruppe 1000 Euro zur Verfügung. Die hat Lea Mönninghoff beim Wettbewerb Plus-Punkt-Kultur der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung für "Lichtspiel" gewonnen.
Bei "Lichtspiel" geht es darum, Kunst in den öffentlichen Raum zu tragen. Und auch ein bisschen um Provokation. Die 19-Jährige will "die Kunst den Leuten einfach hinknallen – und beobachten wie die darauf reagieren." Die Reaktionen der Passanten, die an diesem Abend über den bläulich beleuchteten Mariensteg kommen, schwanken zwischen Interesse und Irritation. Einige schauen wie geblendet weg, andere packen dagegen gleich die Handykamera aus und halten das Lichtbild fest. Das macht währenddessen auch die Performance-Gruppe selbst. Denn die Lichtinstallationen sind immer Momentaufnahmen und leuchten nur für kurze Zeit. Ganz wichtig sind die Fotokameras auch für das Licht-Graffiti. Dabei werden mit Taschenlampen oder LED-Leuchten Formen und Buchstaben in die Nacht gemalt und mit langer Belichtungszeit abfotografiert. Auf den Fotos erscheinen dann feste Lichtfiguren oder sogar Schriftzüge.
Zum Abschluss der Aktion plant die Gruppe am 30. April einen Kunst-Flashmob auf dem Augustinerplatz. Mit einer Videoprojektion, Kostümen und bewegten Bildern. Natürlich ganz spontan und mit vielen bunten Lichtern.
Autor: Sebastian Drescher
