Freiburg

Erkenntnisse aus den TEDx-Talks, die man sich merken sollte

Claudia Förster

Von Claudia Förster

So, 09. Dezember 2018 um 12:04 Uhr

Freiburg

Inspirierende Vorträge: Bei den dritten Freiburger TEDx-Talks sprachen Wissenschaftler und Künstler über Autoimmunerkrankungen, Hip-Hop und Lampenfieber. Welche Ideen sollte man sich unbedingt merken?

Du bist, was du erinnerst

Mit 16 das Abitur in der Tasche, kurz darauf zur Bestsellerautorin und Juniorweltmeisterin im Gedächtnissport gekürt – Christiane Stenger hat viel erreicht. Ihre Erfolge schreibt sie dem komplexesten System des Universums zu, dem Gehirn. "Ihr seid, was ihr erinnert. Und was das ist, liegt in eurer Hand", sagt die Speakerin bei den TEDx-Talks Freiburg. Warum sind Synapsen wie kleine Wanderpfade, die sich mit der Zeit zu einem Highway verdichten? Und warum helfen absurde Geschichten von pinken Elefanten beim Lernen? Neben kleinen Gedächtnistricks bringt sie den Zuschauern eine der effektivsten Merktechniken bei – den Gedankenpalast. Stellt man sich den Körper als Palast vor und legt man neues Wissen strukturiert als bildhafte Imagination an bestimmten Stellen ab, kann man innerhalb kürzester Zeit riesige Datenmengen speichern. "Es öffnen sich so viele Möglichkeiten, wenn wir groß denken und träumen", sagt Stenger. Ihr Traum: Dass irgendwann einmal jedes Kind auf der Welt einen eigenen Gedankenpalast hat.

Eine Unternehmenskrise ist wie eine Depression

Wenn sich auf einmal alles ändert, die Dinge brenzlig werden in der Branche oder das Unternehmen in eine Krise stürzt, dann reagiert ein Team mit bestimmten Symptomen. Und diese Symptome, sagt Claus Melder, Vizepräsident der Sick AG, ähneln denen einer Depression. Wenn es aber einen Weg aus einer depressiven Phase gibt, warum dann nicht auch aus der Unternehmenskrise? Vier Schritte, acht Monate Zeit und minimales Budget: Das verspricht sich Melder von seiner Strategie, die von der Depressionsbehandlung inspiriert ist.

Schritt eins: Feedback von außen einholen, anstatt dem kritischen Blick in den Spiegel oder dem Jammern der Teamkollegen zu vertrauen.

Zweitens: Ziele setzen, die realistisch sind, von allen akzeptiert werden und sich auf die Stärken des Teams fokussieren.

Drittens: Schritt für Schritt planen; die Ursachen der Krise angehen statt Megapläne für die nächsten fünf Jahre zu schmieden.

Und viertens: Erfolge, ganz gleich ob groß oder winzig, nach außen tragen und zelebrieren.

Künstliche Intelligenz ist für alle da

Bereits heute, wo Siri, Alexa und Smart Homes noch in den Startlöchern stehen, ist klar: Künstliche Intelligenzen (KI) sind mächtig und sehr, sehr teuer. "Aber jede Konzentration von Geld und Macht bringt Risiken mit sich – das hat uns die Geschichte gelehrt", sagt Marius Lindauer, Informatiker und Forscher am "Machine Learning Lab" der Uni Freiburg. Um Machtmissbrauch zu verhindern, sollten künstliche Intelligenzen zugänglicher für die Allgemeinheit werden, fordert der Computerwissenschaftler. Seine Vision: Dass jeder seine persönliche KI designen kann. Wie? Indem man künstliche Intelligenzen beibringt, andere KIs automatisch zu designen und einzulernen.

Luftverschmutzung ist ein kulturelles Problem

Seit Jahrzehnten weigert sich der britische Künstler und Klimaaktivist Michael Pinsky, mit dem Auto zu fahren – er radelt durch London. Die Fakten zeigen: Autos in der Stadt sind nicht schneller, nicht sicherer und schon gar nicht sauberer als etwa Skateboards, Inliner oder Segways. Dennoch werden ganze Städte nach der Maxime gestaltet, den perfekten Fluss von Autos zu ermöglichen, Luftverschmutzung hin oder her. Warum? Nicht etwa wegen der vermeintlichen Vorteile von Autos, sondern wegen ihres kulturellen Stellenwerts – Autos strahlen in unserer Gesellschaft Status und Erfolg aus. Mit provokanten Skulpturen und aufrüttelnden Projekten macht Pinsky darauf aufmerksam: Zum Beispiel mit seinen "Pollution Pods", fünf Kuppeln, in denen man die dreckige Luft verschiedener Städte schnuppern kann, von London bis Neu-Delhi. Luftverschmutzung durch Autos ist ein kulturelles Problem, sagt Pinsky, und ruft zum Demonstrieren auf. Denn das habe nicht nur politische Tragweite, sondern lege den Autoverkehr einer Stadt für ein paar Stunden lahm – und senke die Verunreinigung der Luft in dieser Zeit um fast hundert Prozent.

Mehr zum Thema: