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03. April 2009 18:43 Uhr

Von Freiburg aus wird Einsatz beim Nato-Gipfel gesteuert

Erstes Aufatmen im Polizei-Führungsstab

Der Nato-Gipfel ist in Baden-Baden angekommen – die Lage war in den ersten Stunden ruhig. "Wir hoffen, dass es so bleibt", sagt man bei der Einsatzzentrale der Polizei in Freiburg.

  1. Alle Blicke folgen den Obamas: die Einsatzzentrale der Polizei bei der Ankunft des US-Präsidenten. Foto: Thomas Kunz

  2. Beamtinnen und Beamte beantworten ebenfalls von Freiburg aus Fragen am Bürgertelefon. Foto: Thomas Kunz

  3. Hat sich seit Juli 2008 auf den Nato-Gipfel vorbereitet: Matthias Zeiser. Foto: Thomas Kunz

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Auf einer Großbildleinwand flimmern die Bilder, wie Barack und Michelle Obama am Freitagnachmittag gegen 16 Uhr auf den Baden-Badener Klosterwiesen ihren Helikopter verlassen. Die Bilder aus diesem Blickwinkel sind exklusiv – und allein dem kleinen Zuschauerkreis vorbehalten, der in Freiburg an der Müllheimer Straße in der Zentrale der Polizei für den Nato-Gipfel sitzt. Von hier aus wird gesamte Einsatz für die rund 15 000 Polizisten gesteuert. Die ersten Stunden verliefen ruhig.

Auch für die 400-köpfige Besatzung auf dem mit Stacheldraht gesicherten Gelände der Polizeiakademie war es ein monatelanger Anlauf auf den Gipfel. Nun ist der Augenblick gekommen, in dem der Staatsgast Nummer eins, der amerikanische Präsident, auf deutschem Boden landet. Jetzt beginnt auch für die Polizeiführer hier 100 Kilometer von Baden-Baden entfernt die heiße Phase. In der Befehlsstelle für die Öffentlichkeitsarbeit schauen etwa 20 Beamte auf die Bildschirme ihrer eigenen Computer und dazu auf die Leinwand mit den Polizeibildern. Nebenan zeigt ein Fernseher das aktuelle ARD-Programm. Ein Beamter sitzt an einer Art Regiepult und schaltet auf Live-Bilder der Polizei aus Straßburg um. "Neuhof" steht jetzt unter den Bildern auf der Leinwand. In dem Straßburger Stadtteil ist es weit weniger ruhig als in Baden-Baden.

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"Dort sind es 500 Demonstranten, in Kehl sind es etwa 80", berichtet Matthias Zeiser, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit für den Nato-Gipfel. Der Pressesprecher wagt ein erstes vorsichtiges Zwischenfazit: "Es ist ein sehr ruhiger Einsatz bislang, wir können nur hoffen, dass es so bleibt", sagt er. In einer Ecke in seinem Büro ist ein Behelfs-Fernsehstudio mit dem neuen Polizei-Blau als Hintergrund aufgebaut worden. 250 Presseanfragen aus aller Welt sind beim Führungsstab eingegangen. Im Moment gibt’s eine kleine Verschnaufpause: "Jetzt schauen alle auf Obama", meint er.

In einem großen Zimmer über dem Flur nehmen zwei Dutzend Beamtinnen und Beamten beim Bürgertelefon die Anrufe entgegen – etwa 1000 sind es bis gester Nachmittag gewesen. Meist geht es um Verkehrsfragen – oder darum, wie man sich im Sperrbereich bewegen kann.

Das Herz der Einsatzzentrale liegt jedoch auf der anderen Seite des Areals, in der Turnhalle der Polizeiakademie, wo das Gipfelgeschehen ebenfalls auf Videoleinwänden übertragen wird. Erstmals setzt die Polizei eine neue Technik ein: Über die Satellitenortung GPS können die Einsatzleiter sehen, wo sich die Delegationen und Polizeieinheiten befinden – und natürlich auch, wo es Protestaktionen und Blockaden gibt.

Das Polizei-Einsatzteam arbeitet im 24-Stunden-Schichtbetrieb. Die Kantine bleibt ebenfalls rund um die Uhr offen. Die Akademie bietet Übernachtungsmöglichkeiten. Auch Matthias Zeiser hat dort Quartier bezogen, obwohl er im Freiburger Umland lebt. In Freiburg, auch rund um die Müllheimer Straße, ist es bislang völlig ruhig geblieben: "Wir haben das auch so erwartet, dass man in Freiburg außer ein paar zusätzlichen Hubschrauberflügen nichts mitbekommt", sagt Zeiser, der seit vergangenen Juli für die zwei Gipfel-Tage gearbeitet hat. Eben hat ihn ein Kollege angerufen, der auf dem Baden-Badener Marktplatz den amerikanischen Präsidenten erwartet – live. "Ich gönne es ihm", schmunzelt Matthias Zeiser, auch wenn im Vergleich zum Logenplatz des Kollegen selbst die Bilder der Polizeispezialkameras deutlich weniger exklusiv sind.  

Autor: Joachim Röderer