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13. Dezember 2011
Es braucht ein neues Konzept
Nick Haberstich, Leiter des Freiburger Kulturzentrums am Martinstor, will vom kommenden Sommer an kürzer treten.
Wirklich überraschen kann diese Entscheidung niemanden: Nick Haberstich, der das Freiburger Kulturzentrum am Martinstor vor 24 Jahren gegründet hat und seitdem leitet, will vom nächsten Sommer an kürzer treten. Sobald der Schweizer aber nicht mehr seine "vier Vollzeitjobs" in dem Haus im Zentrum Freiburgs ausübt – Haberstich leitet die Theaterspielstätte, die Musical- und Schauspielschule, die Schule für Bühnentanz "dance art" und organisiert die Gastspiele – "braucht es ein neues Konzept".
Ob Kultur stattfindet, das liegt auch immer am Engagement Einzelner. Haberstich hat sich über all die Jahre hinweg mit aller Kraft, Lebenszeit und sogar mit seinem privaten Vermögen eingesetzt und die volle Verantwortung getragen. Diese Mammutaufgabe – das Haus hat ein Budget von rund 100 000 Euro jährlich – kann und will er nicht länger stemmen. Städtische Unterstützung hat es mit zwei Ausnahmen "vor vielen Jahren" für das Haus nicht gegeben. "Das Theater, die Musicalschule und die Bühnentanzschule haben sich immer gegenseitig gestützt; fällt nun die Bühnentanzschule als tragende Säule weg, so muss neu nachgedacht werden", erläutert der 68-Jährige.
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Natürlich haben Haberstich und sein Team sich diese Gedanken bereits gemacht: Ab der Spielzeit 2012/2013 soll der Betrieb des Theaters als alleinige Institution des Freiburger Kulturzentrums fortgesetzt werden.
Der Theatersaal mit 99 Plätzen könnte erhalten bleiben, freie Theatergruppen und Künstler aus den Sparten Kabarett, Clownerie, Schauspiel, Tanz, Musikprogramme, Varieté und Zauberei hätten von Montag bis Sonntag Auftrittmöglichkeiten. "Damit würde die Institution Theater mit ihrer in Freiburg einmaligen Gastspielvielfalt erhalten bleiben", sagt Haberstich. Die beiden anderen Studioräume könnten als Proben- und Unterrichtsräume genutzt werden – gerade Probenräume für die vielen freien Gruppen sind in Freiburg Mangelware.
Wie bisher, würde – nach den Vorstellungen des bisherigen Leiters – das Theater am Martinstor unter der Trägerschaft des gemeinnützigen Vereins "Tanz und Theater Projekt" geführt werden, Haberstich selber will weiterhin aktiv tätig bleiben. Doch die Zahl der Mitglieder, die bisher gerade mal im zweistelligen Bereich liegt, müsste wesentlich aufgestockt werden. "Bei diesem Konzept könnten die Gruppen und Künstler Mitglied im Verein werden. Gegen einen angemessenen Mitgliedsbeitrag stünden den Vereinsmitgliedern die Räume für eine bestimmte Zeit zur Verfügung," heißt es in dem Papier, das einige namhafte Künstler mit erarbeitet haben, die zum Teil seit vielen Jahren im Martinstor auftreten und das Haus für seine künstlerische Arbeit und Atmosphäre schätzen: Bernd Lafrenz, Dietmar Berron-Brena, Christine Kallfaß, Raimund Schall, die freien Theater L.u.s.t und Black Box. Ein gutes Dutzend weiterer Kulturschaffender hat Unterstützung in Aussicht gestellt.
Ob das Projekt zu realisieren ist, hängt freilich entscheidend davon ab, ob das Haus im Zentrum Freiburgs künftig weiterhin an Künstler vermietet wird. Der Eigentümer der Immobilie, der Verlag Poppen und Ortmann, hat den Vertrag mit Haberstich auf Ende September 2012 gekündigt. "Die Überlegungen, wie mit dieser Etage in der ,Markthalle‘ verfahren wird, sind noch nicht beendet. Auf jeden Fall muss ein Geschäftsmodell gefunden werden, bei welchem man sich nicht gegenseitig stört. Im Gegenteil, es muss ein Miteinander geben!", teilte Geschäftsführer Wolfgang Poppen auf Anfrage mit.
Autor: Heidi Ossenberg
