Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. Februar 2012

"Es geht hier um Menschen"

Die Freunde des Gemeindehauses Maienstraße 2 wollen Christuskirche und das dazu gehörende Gebäude im Besitz der Kirche halten.

  1. Maienstraße 2 und Christuskirche sind eine Einheit, ist der Freundeskreis überzeugt. Foto: Ingo Schneider

n der sonst eher beschaulichen Wiehre ist sozusagen Häuserkampf angesagt. Genauer gesagt: Es ist Feuer unterm Dach der Maienstraße 2. Dieses an lebendiger Tradition reiche Gemeindehaus der Christuskirche will die Freiburger evangelische Kirchengemeinde, zumindest in Teilen, an einen Investor verkaufen (die BZ berichtete mehrfach). Dagegen hat sich während des vergangenen halben Jahres Widerstand formiert. Nicht zuletzt in dem gemeinnützigen Verein "Freunde des Gemeindehauses Maienstraße 2" mit mittlerweile gut hundert Mitgliedern.

IDeren Ziel, erklärt die Vorsitzende Verena Kreuzer, ist eindeutig: "Wir wollen das Haus im Besitz der Kirche halten." Ein Rundgang mit Fachleuten habe jedenfalls gezeigt, dass eine Sanierung bei weitem nicht so teuer käme wie die von der Kirchenverwaltung veranschlagten zwei Millionen Euro – und obendrein in mehreren "machbaren" Schritten möglich wäre. Deshalb bitten die Freunde die Kirchenleitung, das Gemeindehaus aus Wirtschaftsplan und Immobilienkonzept zu nehmen, "weil der Verkauf nicht mehr dringend nötig ist". Als Gründe nennt der Verein zum einen die historische Bedeutung der Maienstraße 2 und seine Bedeutung für heute; zum anderen, dass hier der Arbeitskreis Behinderte an der Christuskirche (ABC) gegründet wurde und seit mehr als vierzig Jahren zu Hause ist.

Werbung


Wenigstens ein erstes Zielchen scheint der Verein erreicht zu haben: den Verkauf als Tagesordnungspunkt bei der Frühjahrssynode des Kirchenbezirks Freiburg zu streichen. Auf Nachfrage teilen die Kirchenverwaltung und Stadtdekan Markus Engelhardt jedenfalls mit, dass bei dieser Versammlung "über den aktuellen Stand berichtet werden soll, somit noch keine Entscheidung ansteht, um die Ergebnisse der weiteren Überlegungen mit einfließen lassen zu können". Ansonsten habe der Freundeskreis keineswegs nachgewiesen, dass die Sanierung wesentlich billiger werden könne. "Hier erwartet die Verwaltung einen Vorschlag der vom Förderkreis engagierten Fachleute."

Ohnehin sei es Sache der sogenannten Pfarrgemeinde Ost, von der die Christusgemeinde nur ein Teil ist, zu klären, welche Flächen sie sanieren möchte und finanzieren kann. Auf jeden Fall sei ein Nutzungs- und Finanzierungskonzept vonnöten, das dann wiederum in die Entscheidungen der zuständigen Gremien einfließen könne. "Dies wird sicherlich noch einige Zeit dauern." Und, so Kirchenverwaltung und Stadtdekan: "Die Immobilie Maienstraße kann dabei erst aus dem Immobilienkonzept herausgenommen werden, wenn ein realistisches Finanzierungskonzept vorliegt."

Der Freundeskreis möchte freilich kein Spendensammelverein werden. "Wir wollen das Haus ja nicht kaufen", sagt Verena Kreuzer, "nur, wenn genug Geld da wäre, und es nicht anders ginge." Wichtiger ist den Widerständlern "der Geist dieses Hauses". Der in Geschichte und Gegenwart greifbar ist. Zum Beispiel in dem Kulturdenkmal, das das Ensemble Kirche und Gemeindehaus seit 1895 bildet. Zu diesem "integrativen Kirchenbau", zu dessen Seelsorge von Anfang an auch Sozialarbeit gehörte, merkt der Freiburger Historiker Professor Bernd Martin an: "Erstmals war hier in Freiburg ein modernes Gemeindezentrum (Kirche, Pfarrhaus mit Gemeindesälen und benachbartem Kindergarten) entstanden."

Vier, fünf Jahrzehnte später war das Pfarrhaus mit den Pfarrern Helmut Weber und Otto Hof laut Bernd Martin "nachweisbar" einer "der Orte privater und konspirativer Treffen" im Widerstand gegen nationalsozialistische Willkür (Freiburger Kreis, Bekennende Kirche). Nicht zuletzt aus dieser Tradition heraus entstand dann vor mehr als vierzig Jahren in der Maienstraße 2 der ABC – Monat für Monat eine wichtige Anlaufstelle für 400 bis 600 Menschen. Die aber mit dem Verkauf von hier verschwinden soll. Was für Verena Kreuzer mit dem Selbstverständnis der Christusgemeinde überhaupt nicht zu vereinbaren ist, weshalb die Freunde des Gemeindehauses weiter auf ein Lösung dringen, mit der alle leben können. Denn: "Es geht hier nicht nur um Steine, es geht um Menschen."

Der Freundeskreis bietet, auch wenn es nicht im Gemeindebrief steht, von März bis Mai eine wissenschaftliche Vortragsreihe zu Christuskirche und -gemeinde an; den Anfang macht Bernd Martin am 27. März um 20 Uhr in der Maienstraße 2. Weitere Informationen und Kontakt: 0761/7051 9039.

Autor: Gerhard M. Kirk