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05. Mai 2014

"Es macht Spaß, Einfluss zu nehmen"

AUF EINEN KAFFEE MIT Patrick Evers, Spitzenkandidat der FDP für die Kommunalwahl.

  1. Patrick Evers Foto: Thomas Kunz

Der Mann hat Sportsgeist: angriffslustig, ausdauernd, treffsicher. Von seiner Energie hat Patrick Evers, der Routinier im Freiburger Politikbetrieb, nach fünf Amtsperioden im Gemeinderat nichts verloren. Für seine verbalen Konter im Ratssaal wird der 61-Jährige gefürchtet und geschätzt. Das Wehklagen mancher Mandatsträger über die Belastung ist von ihm nicht zu hören: "Keiner wird gezwungen."

Evers bestellt eine große Tasse Kaffee. Das Treffen findet in der Backarena an der Schwarzwaldstraße statt, die nicht weit von seiner Wohnung am Stadtrand liegt. Der St. Petermer Unternehmer Johannes Ruf, der auch mehrere Edeka-Märkte betreibt, hat aus der einstigen Oben-Ohne-Bar eine Bäckerei mit Café gemacht. Dessen Ideen imponieren dem Stadtrat. Querdenken ist auch Evers’ Spezialität. Manchmal auch querschießen. Er fordert vom Finanzbürgermeister einen Entschuldungsplan – "mir würde es reichen bis 2030". Er geißelt den wachsenden Schuldenberg und hält das Argument für abstrus, dass den Millioneninvestitionen in die Stadtbahn doch Vermögenswerte gegenüberstehen. Gebetsmühlenartig spricht er sich gegen Gleise im Rotteckring aus – "nicht gegen die Umgestaltung und auch nicht gegen andere Stadtbahnlinien". Aber die Trasse durch den Ring samt neuer Kronenbrücke hält er für unnötig und finanziell hochriskant.

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Überraschend hatte sich Evers damals gegen den geplanten Verkauf der städtischen Wohnungen gestellt, mit dem die Mehrheit des Gemeinderats den Haushalt retten wollte. Ein Liberaler, der gegen Privatisierung ist? Die FDP fand sich plötzlich Seit’ an Seit’ mit den linken Unabhängigen Listen und der Grünen Alternative. Sogar der damalige Generalsekretär der Bundes-FDP Dirk Niebel rief aufgeregt an. Sich für sozialen Wohnungsbau einzusetzen, passt nicht zum Klischee einer wirtschaftsliberalen Partei. "Ich habe es nie als Nachteil empfunden, nicht immer auf Linie zu liegen", sagt Evers. "Ich bin auch nicht in eine Partei gegangen, um die Mehrheit zu repräsentieren."

Viel mehr Spaß macht es ihm, Mehrheiten zu organisieren. Wenn’s der Sache dient, auch hinter den Kulissen. So steckt öfter in kommunalpolitischen Entscheidungen mehr FDP drin als drauf steht. Gerade in der Wohnungspolitik, sagt Evers. Er hält einen neuen Stadtteil nicht für ausreichend, um den Engpass auf dem Wohnungsmarkt zu verringern. Besserverdienende fänden hier immer eine Wohnung, und Bedürftige erhielten staatliche Unterstützung. "Aber der alleinerziehenden Krankenschwester zu sagen, sie soll halt nach Ihringen ziehen, ist menschenverachtend." Evers ist sicher, dass an einer Bebauung des Naturschutzgebiets Rieselfeld-West kein Weg vorbei führt.

Das Ringen um Lösungen ist seine Disziplin. Dafür setzt der Jurist seinen analytischen Verstand ein. "Es macht Spaß, Einfluss zu nehmen – und das ist auf der kommunalen Ebene ganz anders möglich als in Bund oder Land."

Ruckzuck sind zweieinhalb Stunden vorüber. Der Kaffee ist schon lange in der Tasse eingetrocknet. Evers, mit Krawatte und Anzug, macht sich auf den Heimweg – natürlich auf dem Fahrrad.

ZUR PERSON: PATRICK EVERS

wurde 1953 in Braunschweig geboren, kam als Elfjähriger nach Freiburg, machte Abitur am Berthold-Gymnasium. Sein Vater Hans Evers war Stadtkämmerer, CDU-Bundestagsabgeordneter und von 1982 bis 1988 Bürgermeister für Kultur, Sport und Schulen. Seit 1976 ist Evers FDP-Mitglied, war Kreisvorsitzender, Bundes- und Landtagskandidat. Seit 1989 ist er Stadtrat. Hauptberuflich arbeitet er als Partner in einer Anwaltskanzlei. Er ist verheiratet mit Angelika, 60, hat drei Kinder und einen Enkel. Kicken, Tanzen und Tennis sind seine liebsten Freizeitbeschäftigungen – und alle zwei Wochen Doppelkopf.  

Autor: mac

Autor: Uwe Mauch