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03. Mai 2010
"Es spricht nichts gegen die Echtheit"
Die Restauratorin Mechthild Flury-Lemberg sprach in St. Martin über das Turiner Grabtuch.
Fernsehshows, in denen in großer Hektik möglichst kontrovers polarisiert wird, sind nicht ihr Ding. Trotzdem nimmt Mechthild Flury-Lemberg zurzeit oft an Diskussionen über das umstrittene Turiner Grabtuch teil. Mit einzigartiger Perspektive: Die Berner Textilrestauratorin hat das berühmte Stück Leinen 2002 restauriert. Mitte Mai bietet die katholische Pfarrei St. Martin eine Fahrt zur Ausstellung des Grabtuchs nach Turin an, zuvor kam Mechthild Flury-Lemberg am Samstag nach Freiburg.
Die Zukunft liegt für sie nicht bei den "Mikroskop-Anhängern": Mechthild Flury-Lemberg glaubt, dass die Grabtuch-Forschung nur weiterkommt, wenn sie sich nicht auf die naturwissenschaftliche Sicht begrenzt, sondern Quellen aus der Frühgeschichte ernst nimmt. Quellen aus der Zeit, in der Jesus gelebt haben soll. Ist das Bild eines Mannes, das aus unerklärlichen Gründen auf dem berühmten Stück Leinen zu sehen ist, das des gekreuzigten Jesus? War er in dieses Tuch gewickelt?
Als Mechthild Flury-Lemberg, 1929 in Hamburg geboren und seit 1957 in der Schweiz lebend, in den 1980er Jahren aufgefordert wurde, an diesen Fragen mitzuforschen, lehnte sie ab. Das Tuch hat seine Berechtigung für sie durch die vielen Christen, denen es Trost gibt. Sie selbst, Lutheranerin und überzeugte Ökumenin, sieht darin "ein Andenken an Jesus Christus". Der Bitte, das Tuch zu restaurieren, stimmte sie sofort zu. Mechthild Flury-Lemberg war schon immer fasziniert von Textilien. Als Mädchen hat sie gewebt und gesponnen, in ihrem Studium der Kunstgeschichte wollte sie die Geschichte von Textilien erforschen. Weil das nicht möglich war, ließ sie sich auch in Textilgestaltung ausbilden. Sie arbeitete als Textilrestauratorin in Berner Museen und baute bis zu ihrem Ruhestand 1994 eine Fachabteilung für Textilkonservierung in Riggisberg auf. Sie hat längst nicht nur christliche Reliquien restauriert, sondern zum Beispiel auch das Gewand von Baumwollheiligen aus dem Himalaya.
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Die äußerst armselige graue Kutte des Franz von Assisi hat sie besonders berührt. Sie entdeckte 32 braune Flicken: "Ein letzter Liebesdienst von der heiligen Klara", sagt sie, eingenäht nach seinem Tod. Die katholische Kirche akzeptierte Reliquien nämlich nur, wenn sie nicht "unschön" aussahen. Ähnlich erging es dem Turiner Grabtuch. Auf dessen vermutlich bei einem Brand entstandene Löcher nähten die Nonnen von Chambéry Mitte des 16. Jahrhunderts 30 Flicken. Mechthild Flury-Lemberg trennte sie bei der Restaurierung ab. Während dieser Arbeit gelangte sie zu ihrer Position: "Es spricht nichts dagegen, dass es sich um das Grabtuch von Jesus handelt." Skeptikern, die auf – ebenfalls umstrittene – Untersuchungen verweisen, nach denen das Tuch aus dem Mittelalter stammt, setzt sie unter anderem Quellen von 1191 bis 1195 entgegen, in denen es bereits aufgetaucht sei.
Autor: Anja Bochtler
