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22. Februar 2011
"Es wird eine Herausforderung, die Gemeinden lebendig zu halten"
Der Konzentrationsprozess der Seelsorgeeinheiten im Stadtdekanat Freiburg schreitet voran: Nun steht fest, wie die künftigen Einheiten aussehen sollen.
Nun steht fest, wie sich die katholischen Pfarrgemeinden und Seelsorgeeinheiten im Gebiet des Dekanats Freiburg entwickeln werden. Aus bisher zwölf Seelsorgeeinheiten werden acht, teilte das Erzbistum Freiburg am Sonntag mit.
Es war vor zehn Jahren als sich die beiden Kirchengemeinden St. Petrus Canisius zur Seelsorgeeinheit Freiburg-Hochdorf-Landwasser zusammen schlossen. In der Folgezeit hat dieser Prozess alle 32 katholischen Gemeinden erfasst, und nun setzt er sich fort: Bis spätestens zum 1. Januar 2015 wird die Zahl von derzeit zwölf Seelsorgeeinheiten im Gebiet des Stadtdekanats auf acht verringert, wobei sich alle Einheiten neu zu Kirchengemeinden konstituieren werden. Das heißt, dass die bisherigen Gemeinden ihren Status als Körperschaften des öffentlichen Rechts verlieren und damit auch die Entscheidungsbefugnisse über die Finanzen und die Beschäftigten. Bistumsweit soll sich die Zahl der Seelsorgeeinheiten von heute 327 auf 225 verringern, was mit der rückläufigen Zahl der Katholiken und der Zahl der Priester begründet wird.
Die jetzt avisierte Struktur entspricht dem Entwurf, den das Erzbistum vor zwei Jahren an die Gremien in den Gemeinden und den Dekanatsrat zur Anhörung ausgegeben hatte. "Es gab intensive Diskussionen und auch alternative Vorschläge bis hin zur Bildung einer einzigen katholischen Gemeinde in Freiburg, aber letztlich sind wir immer wieder auf den Konsultationsentwurf zurückgekommen", sagt Pfarrer Hansjörg Rasch, Leiter der Seelsorgeeinheit Stühlinger und stellvertretender Dekan. "Denn unverrückbar war die Vorgabe, dass es im Dekanat künftig höchstens acht Einheiten geben soll."
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Der Dekanatsrat trägt das Ergebnis mit. Aber: "Wichtiger war für uns der Vorlaufprozess", sagt Barbara Henze, die Vorsitzende des Gremiums. Viel Mühe hat der Dekanatsrat auf ein Begleitschreiben an das Ordinariat verwendet. Dort wird mitgeteilt, dass es für die Basis quälend sei, immer nur abzuwarten, wie sich die Zahl der Priester entwickle: "Das macht handlungsunfähig." Der Dekanatsrat fordert Reformen und Veränderungen – auch solche, wie sie gerade im Freiheits-Memorandum aktuell diskutiert werden.
Mit Ausnahme der Seelsorgeeinheiten Freiburg-Ost und Tuniberg, die die künftigen Kirchengemeinden "St. Barbara" und "St. Nikolaus" bilden, werden die anderen Einheiten deutlich mehr als zehntausend Mitglieder zählen. Spitzenreiter im Dekanat wird die künftige Gemeinde "St. Urban" mit mehr als 16 000 Katholiken sein. Franz-Peter Dussing, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der Gemeinde Bruder Klaus aus Gundelfingen, sagt: "Wir bedauern es, dass man keine anderen Lösungen gefunden hat. Es wird eine Herausforderung, die örtlichen Gemeinden lebendig zu halten." Die Entscheidung zur Neustrukturierung sei "keine Überraschung", betont Pfarrer Dieter Maier, doch werde durch die neue, größere Struktur vieles komplizierter.
"Wir hatten gehofft, dass dieser Kelch an uns vorübergeht", sagt auch Marianne Schickl, Vorsitzende des Gesamtpfarrgemeinderats der bisherigen Seelsorgeeinheit Hexental. Das neue Gebilde sei aus der Not heraus geboren und ihrer Meinung nach nicht gut für die Zukunft der Seelsorge: "Aber wir müssen uns damit abfinden – und fertig." Dem Priestermangel kann sie Positives abgewinnen: "Vielleicht wird die Rolle der Laien gestärkt."
Nicht alle Katholikinnen und Katholiken in Freiburg wollten den Konzentrationsprozess einfach hinnehmen. Etliche Mitglieder aus der Gemeinde Bruder Klaus hatten sich direkt an die Bistumsleitung gewandt. In der Seelsorgeeinheit Freiburg-St. Georgen hatte sich der Pfarrgemeinderat im Juni 2010 sogar mit einer Unterschriftenaktion gegen die Verschmelzung mit einer weiteren Seelsorgeeinheit gewandt – zur Diskussion stand auch die Einheit Tuniberg. "Wir haben noch nicht einmal das Zusammenfinden innerhalb unserer Einheit abgeschlossen und sollen uns nun schon wieder neu orientieren", sagt Edeltraud Meier, Gremienmitglied aus der Gemeinde St. Georg. "Auch können wir es uns nicht vorstellen, wie ein Pfarrer allein den Anforderungen gerecht werden kann, wenn es so bleiben soll, dass nur ein Priester die Sakramente spenden soll."
Eine Antwort bekam die Engagierten erst vor kurzem. Angesichts der künftigen Größe der anderen Gemeinden sei es nicht vermittelbar, die Seelsorgeeinheit Freiburg-St. Georgen zu belassen. Auch sehen sich die Pfarrgemeinderäte ermuntert, weiter ihre Ideen einzubringen und sind zu einem Gespräch eingeladen. Die Hoffnung der St. Georgener, einen Stiftungsrat und damit die finanzielle Eigenständigkeit bewahren zu können, dämpft Hansjörg Rasch allerdings. "Nach meiner Einschätzung wird es keine Ausnahmen geben", sagt er.
Autor: sf
