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14. Dezember 2011

Evangelische Kirche in Freiburg: Baustelle Kirche

Zu viel Fläche, zu wenig Geld: Die evangelische Kirche in Freiburg hat große Umbaupläne. Ein Überblick.

  1. Der Thomaskirche droht der Abriss. Foto: Ingo Schneider

  2. Ein Neubau soll neben der Markuskirche am Seepark entstehen. Foto: Ingo Schneider

  3. Skizze des geplanten Kindergartens und Gemeindesaals an der Lukaskirche in St. Georgen. Foto: Entwurf: Baurmann/Dürr Architekten

Viele evangelische Kirchen im katholischen Freiburg sind jung: Sie stammen aus den 1950er- und 60er-Jahren. Trotzdem sind sie oft sanierungsbedürftig, entsprechen weder energetischen Ansprüchen noch den neuen Bedürfnissen sich verändernder Gemeinden. Und seit 1994 sinken die Kirchensteuereinnahmen.

Finanziell sei die Kirche in einer "dramatischen Schieflage", sagt Stadtdekan Markus Engelhardt: "Entweder man trennt sich von Immobilien, oder man kürzt Stellen." Die Stadtsynode, das Kirchenparlament, hat deshalb im April 2007 ein Gebäudekonzept beschlossen: Ihre Nutzflächen in der Stadt, also Kirchen und Gemeindehäuser, will sie bis 2019 von ursprünglich 17 000 auf gut 10 000 Quadratmeter reduzieren. Was übrig bleibt, soll gründlich saniert und damit langfristig erhalten werden. "Wir sind mit unseren Gebäuden bisher nicht nachhaltig umgegangen", sagt Engelhardt.

Schon fertig
Im Frühjahr 2010 wurde das neue Pfarramt der Gemeinde Nord an der Starkenstraße eingeweiht. Es entstand auf dem Gelände der Ludwigskirche, dafür wurde die ehemalige Kirchendienerwohnung abgerissen. Zuvor hatten Pfarrbüro und Kantorat im Gerhard-Ritter-Haus an der Hauptstraße gesessen, das inzwischen verkauft wurde.

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Der schlichte Neubau wurde mit dem "Kleinen Hugo" des Bunds Deutscher Architekten prämiert - die gleiche Auszeichnung erhielten Sanierung und Anbau des Gemeindesaals bei der Melanchthonkirche in Haslach: ein Gemeinschaftprojekt der Kirche mit der Stadt Freiburg, die den Anbau jetzt für Stadtteilarbeit nutzt. "Das zeigt, dass wir nicht einfach nur Gebäude verkaufen", sagt Verwaltungschef Friedhelm Roth.

Insgesamt habe die evangelische Kirche seit 2007 schon 8,6 Millionen Euro in Gebäude investiert. Darin enthalten sind 3,6 Millionen Euro Drittmittel, etwa aus dem Konjunkturpaket oder Fördermittel der Stadt. Das Geld floss auch in Umbau und Sanierung von Kindergärten, etwa bei der Kreuzkirche im Stühlinger und von Gemeinde- und Pfarrhäusern.

Thomaskirche: Abriss?
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Thomaskirche in der Tullastraße demnächst abgerissen wird, ist hoch. Es gebe einen Beschluss, dass die Kirche als solche in der Pfarrgemeinde Nord nicht mehr unbedingt gebraucht wird, sagt Dekan Engelhardt. Das 1959 eingeweihte Gebäude ist in schlechtem Zustand: "Wenn es regnet, müssen wir eine Schüssel hinstellen", sagt Pfarrerin Friederike Folkers. Dass dort trotzdem ein evangelischer Standort erhalten bleibt, sei das Wichtigste: die Möglichkeit Gottesdienste zu feiern, der Kindergarten und das Familiencafé. Diese sozialdiakonische Einrichtung für das Stadtviertel hat die Gemeinde vor zwei Jahren gegründet. "Wir suchen nach einem Investor mit einem interessanten Konzept für das Quartier", sagt Reinhard Schelkes, Bauausschussvorsitzender der Evangelischen Kirche in Freiburg.

Der könnte das Grundstück von der Kirche kaufen und neue Räume für Gottesdienst, Kindergarten und Familiencafé in seine Bebauung aufnehmen. Ob es wirklich zum Abriss der Thomaskirche kommt, muss aber der Oberkirchenrat in Karlsruhe entscheiden, dort scheint man noch nicht sicher zu sein.

Lukas und Markus: Umbau
Schon weiter sind die Planungen bei der Lukaskirche in St. Georgen. Ende November präsentierte eine Jury den architektonischen Siegerentwurf für das Konzept "Lukas kompakt": Es sieht die Sanierung des Gemeindehauses und einen Neubau des Kindergartens vor. Dafür fallen Anbauten weg, das frei werdende Grundstück wird verkauft. "Wir reduzieren auch hier die eigengenutzte Fläche", sagt Schelkes. Neben dem Verkauf gebe es "die relativ glückliche Situation, dass der Kindergarten in die Gemeindesubstanz hineinschlüpft".

Ähnliches ist auch bei der Markuskirche am Seepark geplant: Kirche und Gemeindezentrum aus den 60er Jahren bleiben erhalten, letzteres soll vom Kindergarten mit genutzt werden. Die einstöckigen Bauten von Sozialstation, Pfarrhaus und Kindergarten werden abgerissen, sie sollen von einem Investor gemeinsam mit dessen eigenem Projekt neu geplant werden. Gemeindepfarrer Ulrich Bayer: "Ich könnte mir dort betreutes Wohnen oder ein Mehrgenerationenhaus vorstellen."

Luther, Paulus: "Haus der Kirche"?
Seit Jahren sucht die evangelische Kirche in Freiburg nach einem Gebäude, in dem sie ihre Verwaltung und zentralen Einrichtungen unterbringen kann. Zurzeit hat sie ein Gebäude an der Habsburgerstraße angemietet – aber nur für zehn Jahre. Die von der Badischen Landeskirche kürzlich gegründete Projektentwicklungsgesellschaft "pro ki ba" soll in Machbarkeitsstudien untersuchen, ob die Grundstücke rund um Lutherkirche im Stühlinger und Pauluskirche an der Dreisamstraße langfristig für ein Freiburger "Haus der Kirche" in Frage kommen.

Maienstraße 2: Verkauf?
Die Christuskirche und das benachbarte Gemeindehaus in der Wiehre entstanden in den 1890er Jahren. "Der Sanierungsbedarf des Gemeindehauses von mindestens zwei Millionen Euro übersteigt unsere Möglichkeiten", sagt Schelkes. "Deshalb können wir uns vorstellen, das erste Geschoss und das Dachgeschoss zu verkaufen." Im Parterre bliebe weiterhin das Gemeindezentrum. Im ersten Stock, der ehemaligen, 220 Quadratmeter großen Pfarrwohnung, lebt zurzeit eine Studenten-WG. Unterm Dach ist seit 40 Jahren der Arbeitskreis Behinderte an der Christuskirche (ABC) zuhause.

"Ich habe Angst, dass der Geist des Hauses verloren geht", sagt Mechthild Schoeller. Mit anderen Gemeindemitgliedern hat sie Anfang Dezember den Verein "Freunde des Gemeindehauses Maienstraße 2" gegründet, der den Teilverkauf verhindern will. Das denkmalgeschützte Gebäude sei bedeutsam als Zentrum der Bekennenden Kirche und des Widerstands von Professoren im "Freiburger Kreis" gegen den Nationalsozialismus. Außerdem solle der Raum für ABC erhalten bleiben. Der Verein will Spender und Unterstützer werben.

Die Synode hat eine Entscheidung bis nächstes Jahr zurückgestellt, um dem Verein Zeit zu geben. "Die Gruppe müsste aber schon etwas Geld mitbringen, um das Haus erhalten zu können", sagt Schelkes, "ideelle Gedanken haben auch wir in großer Zahl".

Evangelische Kirche in Freiburg

Der evangelische Stadtkirchenbezirk Freiburg besteht seit einer Strukturreform im Jahr 2007 aus Freiburg und Merzhausen - zur dortigen Johanneskirche gehört neben Au, Wittnau und Sölden auch der Freiburger Stadtteil Vauban. Der Kirchenbezirk umfasst die fünf Pfarrgemeinden Nord, Ost, West, Südwest und Tuniberg. Diese Großgemeinden werden auch Pfarrunionen genannt, sie bestehen jeweils aus mehreren Kirchen und Predigtbezirken. Dazu kommt noch die sogenannte Personalgemeinde "Dreisam drei" (Pauluskirche) an der Dreisamstraße ohne eigenes Gemeindegebiet. Zum evangelischen Kirchenbezirk Freiburg gehören rund 52 000 Gemeindemitglieder.  

Autor: thg

Autor: Thomas Goebel und Ingo Schneider (Fotos)