Evangelische Kirche strebt in die City

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

So, 14. Januar 2018

Freiburg

Der Sonntag Interesse am Freiburger Rotteck-Haus.

Die Evangelische Kirche in Freiburg will innerhalb der nächsten zwei Wochen entscheiden, ob sie sich als Mieter um das sogenannte Rotteck-Haus an der Rathausgasse 33 bewirbt, in dem bislang die Freiburg Touristik Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) untergebracht ist. "Dieser Schritt in die Innenstadt wäre eine riesige Chance für uns – auch im Zeichen der Ökumene", sagte Stadtdekan Markus Engelhardt diese Woche bei der Jahrespressekonferenz. Die FWTM will in der zweiten Jahreshälfte aufs Messegelände umziehen.

Nachdem die Stadtsynode als oberstes Gremium dem Vorschlag Engelhardts bereits im November zugestimmt hat, laufen die baulichen und wirtschaftlichen Prüfungen. "Klar ist, dass erhebliche Umbaumaßnahmen nötig wären, denn das Gebäude stammt aus den 1930er Jahren – mit allen Vor- und Nachteilen", sagte der Stadtdekan. Weil die etwa für Veranstaltungen benötigten Räume im Rotteck-Haus selbst nicht ausreichten, werde nun geprüft, ob die Kirche im Ostteil des Karrees Flächen anmieten kann, die allerdings nicht der Freiburg Wirtschaftsimmobilien GmbH (FWI) gehören, sondern Privatleuten. Allerdings: "Der Umzug wäre finanziell gesehen ein erheblicher Sprung nach oben und wir sind fieberhaft am Rechnen, ob wir es uns leisten können", sagte Engelhardt. Statt 200 000 Euro wie bisher werde man etwa 300 000 Euro Jahresmiete aufbringen müssen. Falls das Diakonische Werk mit einzieht, könnte sich die Summe für die Kirche aber reduzieren. Hintergrund der Umzugspläne ist, dass der Mietvertrag im Ernst-Lange-Haus im Stadtteil Herdern in den nächsten Jahren ausläuft.

Außerdem sei es seit langem ein Wunsch der Evangelischen Kirche in Freiburg, sich in der Innenstadt niederzulassen. Nur einen Steinwurf vom Freiburger Münster entfernt, in direkter Nachbarschaft zur katholischen Martinskirche am Rathausplatz und gegenüber dem Schwarzen Kloster der Alt-Katholiken lasse sich auch die Ökumene intensivieren, meinte Engelhardt. Diese Zusammenarbeit zwischen Protestanten und Katholiken, das machte er in seinem Rückblick auf das erfolgreiche Reformationsjubiläum mit vielen gut besuchten Veranstaltungen und seinem Vorblick auf das Jahr 2018 klar, liege ihm besonders am Herzen. "Es wird immer deutlicher, dass wir uns zunehmend rechtfertigen müssen, dass wir noch zwei getrennte Kirchen sind." Derzeit sei eine mit Angehörigen der beiden Stadtdekanate besetzte Arbeitsgruppe dabei, eine ökumenische Rahmenvereinbarung zu erarbeiten, die dann im Mai – kurz bevor Engelhardts katholischer Amtskollege Wolfgang Gaber in den Ruhestand geht – unterzeichnet werden soll.

Zwei Monate später steht dann vom 5. bis 8. Juli eine sogenannte Visitation des Landesbischofs Jochen Cornelius-Bundschuh in Freiburg an, wie sie alle acht Jahre üblich ist. "Der Landesbischof wird sich ein Bild machen, wie wir hier Kirche lebenm und uns Tipps und Anregungen geben, außerdem ist die Visitation ein Instrument der Qualitätssicherung", erklärte Markus Engelhardt.sir