Ex-Stadtrat kritisiert Vorstand

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mo, 23. Juli 2012

Freiburg

Streit um drohende Auflösung von Junges Freiburg.

Der 1999 gegründeten Wählervereinigung Junges Freiburg (JF) droht die Auflösung. Jedenfalls schlägt der Vorstand dies vor und hat für nächsten Sonntag zur außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen, Dagegen gibt es Kritik: "Stopp! Ihr könnt nicht einfach den Laden dichtmachen", warnt Sebastian Müller, Ex-Stadtrat von Junges Freiburg. Er wirft dem Vorstand und seiner Nachfolgerin im Gemeinderat vor, dass sie die Dinge haben schleifen lassen und so die Wählerinitiative in der Versenkung verschwunden sei. JF-Vorsitzender Tom Pannwitt widerspricht. Junges Freiburg habe gerade auf der Ebene der institutionalisierten Jugendarbeit viel geleistet.

Müller, Stadtrat von 2004 bis 2009, hat dem Vorstand einen offenen Brief geschrieben, in dem er nicht mit seiner Meinung hinterm Berg hält. Er kritisiert, dass Junges Freiburg öffentlich nicht mehr wahrnehmbar sei. Die Homepage sei letztmals im April 2011 aktualisiert worden. Es werde weder gebloggt noch getwittert – und auch zu aktuellen, für junge Leute in Freiburg relevante Themen wie Sternwaldwiese, Skateplatz, Freiräume oder Bildungslandschaft schweige Junges Freiburg: "Nicht nur digital, auch real", so Müller. Und er fügt die Frage hinzu, was denn Simone Ariane Pflaum, seine JF-Nachfolgerin als Stadträtin, samt Bürokraft überhaupt so treibe.

Vorsitzender Pannwitt warnt vor einem Rosenkrieg

Bei Junges Freiburg ärgert man sich über den offenen Brief. "Aber wir wollen jetzt keinen Rosenkrieg mit Sebastian anfangen", sagt Vorsitzender Pannwitt. Der Jung-Altstadtrat Müller liege falsch mit seinen Vorwürfe: Junges Freiburg bringe sich ein, habe am Jugendgipfel teilgenommen, an der Innenstadtkonferenz, arbeitete im Stadtjugendring mit. Und Stadträtin Pflaum leiste in der Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen eine bei ihren Fraktionskollegen hoch angesehene Arbeit. Und darüber könne man sehr wohl etwas im Internet nachlesen: "Man darf halt nicht nur auf die Startseite schauen".

Pannwitt räumt aber auch ein: Die Zahl jener JF-Mitglieder, die noch aktiv mitmachen, sei sehr klein geworden. "Viele engagieren sich auch in anderen Initiativen und Projekten". Viele wollten außerdem nur projektbezogen arbeiten und nicht unbedingt langfristig. Wie viele Mitglieder in der Kartei von Junges Freiburg stehen, will Pannwitt nicht sagen.

Simone Pflaum behält ihr Gemeinderatsmandat

Wie auch immer es bei Junges Freiburg weitergeht: Simone Ariane Pflaum behält ihren Ratssitz – selbst wenn sich der Verein auflöst. Sollte dies so kommen, werde die JF-Stadträtin aber nicht zu den Grünen übertreten, sagt Pannwitt. Jetzt haben erst einmal die Mitglieder das Wort Die Einladungsmail hat nun schon einmal für viel Wirbel gesorgt. Dass bereits beim Treffen am kommende Sonntag die Auflösung beschlossen wird, gilt als unwahrscheinlich. Dafür bräuchte es eine Zwei-Drittel-Mehrheit aller eingetragenen Mitglieder. Dass so viele kommen, damit rechnet der Vorsitzende nicht.