Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
05. November 2008 12:09 Uhr
Schrottpreise im Keller
Finanzkrise stoppt Freiburgs Buntmetalldiebe
Kupferkabel wurden aus den Freiburger Böden gebuddelt, Wasserrohre von Hauswänden geschraubt – das ist nun vorbei: Seit der Finanzkrise lohnt sich der Metalldiebstahl nicht mehr.
Doch auch der ganz normale legale Schrotthandel muss einen dramatischen Preissturz verkraften: Noch im Juli verkaufte Jens Winkler, stellvertretender Geschäftsführer des Schrottplatzes ARV Winkler in der Engesserstraße, eine Tonne Altmetall für bis zu 400 Euro. In dieser Woche bekommt der Mann dafür keine 30 Euro mehr. Deswegen muss er für die Entsorgung von Schrottautos jetzt wieder Geld verlangen statt welches auszuzahlen. Bei der Polizei weiß Sprecher Ulrich Brecht durch die BZ-Recherchen nun auch, warum die lange Serie der Metalldiebstähle aus der ersten Jahreshälfte so abrupt abgerissen ist. Schrott und auch Buntmetalle sind derzeit einfach kaum etwas wert.
China verbraucht ohne Olympiade weniger Stahl
Wer seinen Wagen zu Winklers Schrottplatz bringt, muss in diesen Tagen 50 Euro mitbringen, wer ihn abholen lässt, 100 Euro auf den Tisch legen. Winkler bekommt nämlich selbst für die Tonne Altmetall nicht mal ein Zehntel dessen, was er noch im Juli bekam. Auch die Autohäuser in Freiburg müssen wieder einen kleinen Obolus verlangen. Grund sind die dramatischen Preisstürze, nachdem etwa der Stahlhunger Chinas nach der Olympiade abrupt gesättigt war und nun auch noch die Produktionsbänder der Autoindustrie stocken, wodurch Stahlwerke und Zulieferer weniger Aufträge bekommen, selbst also nur wenig Altmetall brauchen. Der Preis für die Tonne Altmetall werde sich im November weiter Richtung null Euro bewegen, zitiert Winkler eine Branchenmitteilung der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling und Entsorgungsunternehmen (BDSV). In Rotterdam warten in diesen Tagen Hunderttausende Tonnen Schrott auf einen Abnehmer. Auch am Kehler Rheinhafen wachsen die Schrotttürme.
Werbung
Kupferdiebe müssen sich neue Beschäftigung suchen
Umso mehr ärgert sich Winkler, dass das städtische Amt für Bürgerservice beim so genannten Stilllegen von Altfahrzeugen keinen Verwertungsnachweis fordere, obwohl dies – wie Winkler glaubt – gesetzlich vorgeschrieben sei. Wer keinen Verwertungsnachweis eines zertifizierten Verwerters vorweisen muss, bringt seine Rostlaube offenbar mehr und mehr zu Händlern, die sie außer Landes schaffen und dafür noch ein paar Euro zahlen. "Wir kriegen derzeit überhaupt keine Autos mehr, weder von privaten, noch von den Autohäusern", sagt Winkler. Denn auch die Autohäuser haben ihre Kontakte zu solchen Händlern intensiviert, die etwa nach Afrika oder in den Libanon liefern.
Der Kritik widerspricht jedoch Rathaussprecherin Petra Zinthäfner: Seit November 2005 gelte eine EU-Verordnung, der zufolge Autos auch ohne Verwertungsnachweis stillgelegt werden können. Deswegen reiche auch beim Amt für Bürgerservice der Fahrzeugbrief zur Stilllegung aus.
Kuriosität am Rande: Mit den Preisen sinkt auch die Zahl der Buntmetall-Diebstähle. Anders als in der ersten Jahreshälfte, in der Polizeisprecher Ulrich Brecht zuweilen mehrfach wöchentlich Kupfer-, Metall- und Aluminiumdiebstähle meldete, herrscht derzeit in dieser Hinsicht Ruhe: "Klar, wenn sich das nicht mehr lohnt." Auswirkungen hat der Preisverfall auch auf den Baustellen, auf denen nächtens kein Material mehr verschwindet. "Bis vor ein paar Monaten", sagt Winkler, "haben wir unsere Schrottmulden auf den Baustellen selten selber leer gemacht."
Autor: Lars Bargmann
