Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
26. August 2008 17:25 Uhr
Windräder als Todesfalle
Fledermäuse sterben an Barotrauma
Windräder können zum Fledermaus-Killer werden. Das weiß man in Freiburg. Kanadische Forscher haben nun herausgefunden, dass die Tiere durch den Unterdruck ums Leben kommen, der in der Nähe der Rotoren entsteht.
Dass Windräder für Fledermäuse zur Todesfalle werden können, hat in Freiburg vor drei Jahren für viel Aufregung und Debatten gesorgt. Forscher der Universität von Calgary in Kanada haben nun ähnliche Fälle an anderen Standorten untersucht und können eine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen liefern: Danach müssen die Fledermäuse gar nicht in direkten Kontakt mit den Windrädern kommen, allein die von den Rotoren erzeugten Druckunterschiede in der Nähe der Türme reiche aus, um durch ein so genanntes Barotrauma die Lungen der Tiere platzen zu lassen, heißt es im Fachmagazin Current Biology. Wie bei anderen Säugetieren gleicht auch die Lunge von Fledermäusen dünnen, flexiblen Beuteln, die von feinen Blutgefäßen umgeben sind. Wenn der Außendruck plötzlich abfällt, können sich diese Beutel überdehnen und die Blutgefäße dadurch zum Platzen bringen.
In Freiburg hatte erstmals im Jahr 2005 Diskussionen um tote Fledermäuse gegeben, die unter den Windmühlen am Rosskopf gefunden wurden. Die Betreiber vermuteten zunächst Manipulationen von Windkraftgegner. Das wurde von Biologen schon damals zurückgewiesen. So hatte etwa die Karlsruher Biologin und Fledermaus-Expertin Ursel Häußler, die einen Teil der toten Tiere aus Südbaden untersucht hatte, schon damals als Todesursache ein Barotrauma durch die Luftverwirbelungen durch die Rotoren und denn daraus entstehenden Unterdruckfestgestellt. Ihre damalige These ist nun bestätigt worden.
Werbung
Fledermäuse sind bei geringen Windgeschwindigkeiten aktiver, deswegen empfehlen die kanadischen Wissenschaftler, die untere Schwelle, bei der sich die Windräder zu drehen zu beginnen zu erhöhen. Das hat man in Freiburg längstumgesetzt. Für die Windräder sind Betriebsbeschränkungen erlassen worden. In den Sommermonaten bleiben die Rotoren in solchen windschwachen Nächten stehen – zum Schutz der Fledermauspopulation.
Autor: Joachim Röderer
