Flüchtlingsprojekt im Theaterzelt

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Sa, 23. Juli 2016

Freiburg

Verständigung per Kulturaustausch im "Zwischenraum".

Im Stau sind alle gleich – diese Erfahrung musste auch Cem Özdemir, der Bundesvorsitzende der Grünen, machen. Anderthalb Stunden zu spät kam er zu einem Termin in Freiburg, zu dem ihn seine Parteifreundin Kerstin Andreae eingeladen hätte. Es ging um die Vorstellung des Projekts "Zwischenraum" – auch ohne Özdemir eine spannende Sache.

Seit Mai steht an der Lörracher Straße vor dem Gebäude des Haufe-Verlags ein weißes Zelt, das Heliodrom. Ab September sollen hier kulturelle Projekte mit Flüchtlingen und engagierten Helfern möglich werden. Das Interesse ist groß – und die Aktion Mensch unterstützt das Projekt für zwei Jahre mit 100 000 Euro.

Am Anfang war eine Idee. Der Freiburger Organisationsberater und Moderator Dirk Kron hatte im vergangenen Jahr die ersten Kontakte zwischen Flüchtlingen der Landeserstaufnahmestelle und Freiburgern auf dem Edeka-Parkplatz an der Lörracher Straße miterlebt. "Wenn Musik spielte, wurde die Verständigung leichter", bemerkte er. Deshalb kam er auf die Idee, einen Raum für kulturelle Begegnungen zu schaffen, einen "Zwischenraum".

Die Idee kam an: Das freie Theater RAB stellte unentgeltlich sein Zelt zur Verfügung, der Haufe-Verlag für zwei Jahre den Standort an der Lörracher Straße, Badenova kümmerte sich um den Strom, Architekten halfen bei der Odyssee durch die Genehmigungsbehörden, der interkulturelle Verein Fairburg übernahm die Trägerschaft und schließlich sicherte die Aktion Mensch die Finanzierung, mit der drei Teilzeitkräfte aktiv werden können. Auch die private Wilhelm-Oberle-Stiftung sowie die Agentur für Arbeit unterstützen das Projekt.

"Es gibt bereits viele Anfragen", freut sich Ibrahim Sarialtin, Vorstand bei Fairburg. Die VHS will im Heliodrom Sprach- und Nähkurse anbieten, ein Frauencafé ist geplant, Projekte mit Kindern sind im Gespräch. Allerdings soll es erstmal kein festes Programm geben. "Wir gehen in die Flüchtlingsheime und fragen, was sie Leute wollen und wie sie sich einbringen möchten", so Sarialtin. "Das soll sich entfalten." Im September soll es richtig losgehen, unter der Woche und vielleicht sogar an Wochenenden.

"Freiburg hat die Nase vorn bei solchen Ideen", findet Kerstin Andreae, die stellvertretende Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion. Deshalb lud sie auch Cem Özdemir ein, sich das anzuschauen. Der kam zwar spät ("Wir hatten anderthalb Stunden von Geislingen hierher eingeplant, dann wurden es drei"), war aber bereits informiert: "Ibrahim Sarialtin hat mir schon viel davon erzählt." Der richtige Ansatz sei, etwas zu ermöglichen – nicht, sich auf die Probleme zu konzentrieren.

Im August wird das Zelt erstmal abgebaut und mit dem Theater RAB auf Tournee in die Schweiz gehen, ab September steht es wieder. Und wenn die kalte Jahreszeit kommt, versprach Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, "dann sprechen Sie mich nochmal an: Wir finden eine Möglichkeit, ’Zwischenraum’ auf dem Gelände der Landeserstaufnahmestelle unterzubringen".