Projekt

Förderprogramm in Freiburg hilft Flüchtlingen, einen Job zu bekommen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 20. April 2017

Freiburg

Früher in Mazedonien hat Idriz Ismailji (37) auf dem Bau und im Sicherheitsdienst gearbeitet. Jetzt wird er Altenpfleger – im April begann seine drei Jahre dauernde Ausbildung.

Seine Chefs im Pflegeheim Wichernhaus der Evangelischen Stadtmission wollten ihn schon im Dezember 2014 als angelernten Pflegehelfer einstellen, doch dafür bekam er keine Arbeitserlaubnis. Die Lösung brachte das Projekt "Arbeit und Ausbildung für Flüchtlinge – Projektverbund Baden" unter der Regie des Caritasverbands, das 2008 begann und nun in seiner dritten Förderphase ist.

Wenn es um Idriz Ismailji geht, fängt Iris Kliver an zu schwärmen. Sein Umgang mit den alten Bewohnerinnen und Bewohnern im Wichernhaus sei "sehr würdevoll, respektvoll, wertschätzend – das kann man nicht lernen, das muss man mitbringen." Sie ist Praxisanleiterin für Auszubildende und begleitet Idriz Ismailji seit eineinhalb Jahren. Im Oktober 2015 hatte er seine erste, nur einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer begonnen, die im Herbst 2016 zu Ende war.

Er hat mit einer 2,3 abgeschnitten – "das erreichen viele nicht, deren Muttersprache Deutsch ist", sagt Iris Kliver. Und Idriz Ismailji lebt erst seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Im Herbst 2014 kam er mit seiner Frau und drei Kindern, die zwischen 9 und 17 Jahren alt sind, nach Freiburg. Damals wollte er so schnell wie möglich arbeiten. Von einem Nachbarn in der Flüchtlingsunterkunft an der Bissierstraße erfuhr er, dass das Wichernhaus Mitarbeiter suchte. "Wir hätten ihn gern genommen", sagt Gerda Willmann, die Pflege-Assistentin der Evangelischen Stadtmission. Der Bedarf an Mitarbeiterin in der Pflege ist groß – auf allen Ebenen. Auch Ungelernte und Unerfahrene werden eingestellt und für einfache Aufgaben angeleitet.

Bund und EU finanzieren Hilfe mit Steuergeld

"Natürlich können die Geflüchteten nicht unseren Fachkräftemangel lösen", sagt Christian Schäfer, Gesamtpflegedienstleiter der Evangelischen Stadtmission, "aber es ist toll, wenn’s so läuft wie bei Idriz Ismailji." Doch auch der hätte keine Chance gehabt, wenn er nicht über ein Plakat aufs Projekt "Arbeit und Ausbildung für Flüchtlinge" gestoßen wäre, das 2008 unter dem Titel "Projektverbund Bleiberecht" begonnen hatte, geflüchteten Menschen Zugängen zum Arbeitsmarkt zu schaffen – finanziert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Allein im Förderzeitraum 2007 bis 2013 flossen dafür 2,86 Millionen Euro aus dem ESF an den Caritasverband Freiburg.

Dort konnte Idriz Ismailji an einer 14-wöchigen Basisqualifikation Pflege teilnehmen. Daneben gibt’s weitere Basisqualifikationen, zählt Peter Schneider-Berg vom Caritasverband auf, der Projektkoordinator: in der Gastronomie (36 Unterrichtseinheiten und eine Woche in einer Lehrküche), im Reinigungsbereich (eine Woche Unterricht beim Institut für Hygiene- und Reinigungstechnik), im Garten- und Landschaftsbau (acht Wochen, teils Theorie und Sprache, teils Praktikum auf dem Mundenhof) und bald auch im Baugewerbe.

Für alle Bereiche gilt, dass die Teilnehmer sehr individuell betreut und begleitet werden – von einer ausführlichen Beratung bis zur Vermittlung in Praktika, die als Türöffner in den Arbeitsmarkt gesehen werden. Bei Idriz Ismailji hat das funktioniert: "Mir hat alles gefallen, die Atmosphäre im Wichernhaus und die Arbeit mit den Bewohnern", sagt er. Schwer hatte er es während der Pflegehelferausbildung mit der für ihn fast noch fremden Sprache – da war Iris Klivers Hilfe für ihn eine große Unterstützung. Im Umgang mit den alten Menschen hatte Idriz Ismailji kaum Verständnisprobleme: "Ich habe immer wieder nachgefragt und viel Geduld gehabt. Das braucht man in meinem Beruf sowieso."

Qualifikationen stehen vielen Flüchtlingen offen

Die Basisqualifikationen sind für viele geflüchtete Menschen zugänglich – anders, als es bei der gezielten Erlaubnis für einen bestimmten Arbeitsplatz der Fall ist – daran war Idriz Ismailji anfangs gescheitert. "Bei uns gibt’s keine Unterscheidung nach Herkunftsland oder Asylchancen", sagt Peter Schneider-Berg. Nicht teilnehmen dürfen aber Menschen, die nach August 2015 aus dem Balkan, Senegal oder Ghana geflüchtet sind und generell keinen Arbeitsmarktzugang bekommen.

Seit Projektbeginn 2008 hat sich die Situation verändert: Damals waren langjährig geduldete Roma im Fokus, die gut Deutsch konnten. Nun geht’s vor allem um relativ neu angekommene Flüchtlinge aus vielen Ländern und unterschiedlichen Aufenthaltschancen. Längst haben die Jobcenter mit eigenen Maßnahmen auf die gestiegenen Flüchtlingszahlen reagiert, die sich meist an die Qualifizierteren richten. Zugänge für die anderen sind weiter rar. Über die Praktika finden viele einen dauerhaften Einstieg. In der dritten Phase des Projekts wurden bisher seit Juli 2015 in Freiburg 117 Menschen in Arbeit und 15 in Ausbildungen vermittelt. Die Pflege ist die beliebteste Qualifikation.

Weitere Infos gibt es online unter http://www.projektverbund-baden.de.