Sicherheit

Forderung: Ruftaxi für Frauen in Freiburg soll ausgebaut werden

Simone Höhl

Von Simone Höhl

So, 09. Dezember 2018 um 11:06 Uhr

Freiburg

Freiburgerinnen sollen das Angebot nachts deutlich flexibler nutzen können. Das fordern drei Ratsfraktionen und wollen einen sofortigen Probelauf.

Jede Frau soll die ganze Nacht über günstig mit dem Taxi durch Freiburg fahren können – wann und von wo sie will. Drei Fraktionen des Gemeinderats mit knapp der Hälfte der Stimmen fordern, "die peinliche Sparversion" des Frauennachttaxis zu einem Ruftaxi auszubauen, und zwar zügig. Wie teuer das würde, ist unklar.

Mehr Bewegungsfreiheit nachts im öffentlichen Raum

Mit der Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau beim Hans-Bunte-Club hat das Sicherheitsgefühl stark gelitten. Die Polizei erhöht ihre Präsenz, die Stadt stockt ihren Vollzugsdienst auf, beide zusammen halten in den Stadtteilen Sicherheitskonferenzen ab. Doch das einzige Mittel, um vielen Frauen rasch mehr Bewegungsfreiheit nachts im öffentlichen Raum zu verschaffen, sei das ausgebaute Frauennachttaxi, sagen Grüne, Unabhängige Listen und JPG (22 von 48 Sitze). Die Vollversion sieht vor, dass Frauen von 22 bis 6 Uhr für 7 Euro ein Taxi rufen können, das sie an ihr Wunschziel im Stadtgebiet fährt. Das wäre ein viel flexibleres Angebot zum gleichen Preis wie bisher.

Das interfraktionelle Trio kann die Kosten nicht abschätzen. Für Vollzugsdienst und Graffitibeseitigen sei auch Geld da gewesen. "Wir wissen, es dauert jahrelang, bis es eine nennenswerte Nutzerinnenzahl gibt", sagt Irene Vogel von den Unabhängigen Listen. Bis 2003 gab es ein Ruftaxi, in das 800 Frauen im Monat einstiegen, bis die Stadt den Zuschuss von gut 20 000 Euro im Jahr strich.

Bisher nutzen wenige das Nachttaxi

Am Montag vor einem Jahr führte die Stadt das Frauennachttaxi ein, um der Verunsicherung nach den Frauenmorden an der Dreisam und in Endingen zu begegnen. Nur 20 Nutzerinnen stiegen pro Monat im ersten Halbjahr ein. Als Gründe galten der abgelegene Standort "Auf den Zinnen", und dass es im Taxi kein Ticket gab. Seit Oktober gibt es den Direktverkauf, die Zahl steig auf 33 Tickets, sagt die Frauenbeauftragte Simone Thomas: "Das ist immer noch erbärmlich."

Der Abfahrtsort soll an die Haltestelle Siegesdenkmal verlegt werden. Die VAG kann noch kein Datum nennen, zuletzt war von Dezember die Rede. Auch Thomas hofft, dass das Frauen- zum Ruftaxi wird.

Ob der Bedarf vielleicht nicht besteht, kann Irene Vogel nicht sagen. "Wir finden das als Sofortmaßnahme für Frauen wichtig, anders als Reiterstaffel und GVD." Die Stadtverwaltung solle kein neues Konzept erfinden, sondern sofort einen Probelauf starten bis zum Sommer: "Nicht reden, handeln!" Am 12. Dezember soll es ein Fraktionsgespräch mit OB-Büro, VAG und Taxi-Unternehmern geben. Der Gemeinderat soll erst im Februar darüber beraten. Die Fraktionen fordern von OB Martin Horn, das Thema am 17. Dezember im Hauptausschuss zu behandeln. Sie hoffen, dass Frauen bald im Taxi eine Quittung mit Name und Anschrift unterzeichnen und die Stadt die Differenz zum Normalpreis begleicht.

Frauennachttaxi: Vier Sammeltaxis fahren in den Nächten auf Samstag, auf Sonntag und vor einigen Feiertagen um 0, 1, 2, 3 und 4 Uhr "Auf den Zinnen" ab in vier Himmelsrichtungen an Ziele im Stadtgebiet. Ein Ticket gibt’s für 7 Euro beim Fahrer, Gutscheine an 22 VAG-Verkaufsstellen, im Motel One und per App "VAG mobil" oder "FahrPlan+".


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