Freiburg

Fraktionen wollen dem SWR-Orchester die Miete erlassen

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Sa, 26. April 2014 um 12:12 Uhr

Freiburg

Das SWR-Orchester Baden-Baden und Freiburg soll bestehen bleiben. Für dessen Rettung wollen die Freiburger Stadtratsfraktionen sogar auf die Mieteinnahmen im Konzerthaus verzichten.

Drei Fraktionen des Gemeinderats wollen in Sachen SWR-Sinfonieorchester ein Zeichen setzen: CDU, SPD und FDP erklären, sie wollten auf dessen Mietzahlungen fürs Konzerthaus verzichten. Dadurch würde das Orchester etwa 340 000 Euro im Jahr sparen. Wenn die Fraktion der Unabhängigen Listen diesen Vorstoß unterstützt – was als sicher gilt –, gäbe es im Gemeinderat eine Mehrheit dafür. Das könnte die Debatte um die umstrittene Fusion des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart beeinflussen.

"Ich glaube, dass wir eine Mehrheit für unsere Initiative zusammenkriegen", sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Buchen am Samstag. Kurz zuvor hatten CDU, SPD und FDP per Pressemitteilung bekanntgegeben, dass sie auf jährlich 340 000 Euro Miete des SWR-Sinfonieorchesters fürs Konzerthaus verzichten wollten: "Ein solches Entgegenkommen halten wir für wesentlich für eine mögliche Rettung dieses kulturellen Gutes."

Die drei Fraktionen haben zusammen 23 Stimmen im Gemeinderat, 25 sind für eine Mehrheit nötig. Die Freien Wähler (drei Stimmen) könnten sich vorstellen, mitzumachen, sagte Buchen. Die Zustimmung der Unabhängigen Listen (UL, 7 Stimmen) gilt als sicher, wobei sich Stadtrat Atai Keller als Vertreter der Kulturliste innerhalb der UL über den Vorstoß ärgert: "Das ist Wahlkampfgetöse. Die Kulturliste hat das schon lange als Forderung erhoben, jetzt hat man uns nicht mal gefragt, ob wir da mit unterschreiben. Aber natürlich werden die Unabhängigen Listen dafür sein."

Der Gemeinderat hatt2 2012 die Fusion bedauert – finanzielle Zusagen gab es aber nicht

Allerdings geht ihm das nicht weit genug: "Wenn das Thema auf die Tagesordnung des Gemeinderats kommt, werden wir noch mehr Geld beantragen. Mal sehen, wer dann mitgeht."

In einer Resolution hatte der Gemeinderat den Fusionsentschluss im November 2012 bedauert, finanzielle Zusagen wurden aber keine gemacht. Wenn der Gemeinderat nun auf Mieteinnahmen verzichten sollte, wäre das nur ein sehr kleiner Baustein für ein mögliches rettendes Finanzierungskonzept. Fusionsgegner wollen für das Orchester eine Stiftung gründen. Allerdings müsste dazu viel Geld gesammelt werden: Allein für ein Jahr bräuchte man zehn Millionen Euro für den Betrieb des Orchesters – und das wäre noch keine langfristige Perspektive.

Das Konzerthaus braucht neue Mieter

Beim Bau des Konzerthauses 1996 hatte der SWR umgerechnet 2,5 Millionen Euro beigesteuert. Dafür wurden im Konzerthaus sieben Büros, ein Tonstudio und Lagerräume untergebracht, für die das Orchester "grundbuchgesicherte Nutzungsrechte" erhielt.

Darüber hinaus zahlt der SWR pro Jahr 340 000 Euro an die Konzerthausbetreiberin FWTM, womit 120 Proben und ein Dutzend Konzerte abgegolten sind. Mit der Fusion wird das nun hinfällig, die Konzerthausbetreiber müssen neue Mieteinnahmen suchen. Wenn ab 2016 das fusionierte SWR-Orchester auftritt, muss es dann den großen Saal zum Listenpreis mieten.
Orchesterfusion

Bis zum Jahr 2020 muss der Südwestrundfunk (SWR) 166 Millionen Euro einsparen. Deshalb soll das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg ab 2016 mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart zusammengelegt werden. Dagegen gibt es heftige Proteste. Das Budget der beiden Orchester liegt bei zusammen 20 Millionen Euro jährlich; durch die Fusion sollen es fünf Millionen Euro weniger werden. Derzeit gibt es bei den beiden Klangkörpern 210 Stellen, diese sollen ohne Kündigungen auf 115 bis 120 gesenkt werden. Die Konzertreihen, die Kammermusik-Aktivitäten und die Kooperationsprojekte in Stuttgart und Freiburg sollen erhalten bleiben.