Vogelzählaktion

Freiburg bleibt eine Hochburg für Spatzen

Andreas R. Braun

Von Andreas R. Braun

Do, 17. Januar 2019 um 08:34 Uhr

Freiburg

Der Spatz bleibt Dauer-Spitzenreiter. Das ist das Ergebnis einer Vogelzählaktion in Freiburg. Warum es weniger Amseln gibt und welche Zugvögel reisefaul geworden sind.

Die wichtigsten Ergebnisse der Vogelzählaktion "Stunde der Wintervögel" lauten: Der Haussperling, besser bekannt als Spatz, bleibt Dauer-Spitzenreiter, es gibt weniger Amseln, Grünfinken und Meisen, aber mehr Stieglitze. Im Stadtkreis Freiburg waren diesmal rund 330 Naturfreunde der Einladung des Naturschutzbunds (Nabu) gefolgt, dies sind – vermutlich aufgrund des regnerischen Wetters am Aktionswochenende – etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr. Zusammen meldeten sie knapp 6300 Vögel aus 52 Arten.

Vor allem drei Faktoren prägen das Gesicht der Winter-Vogelwelt im Garten: Schwankungen im Rahmen der Populationsdynamik, Nahrungsangebot sowie das Wetter. Da der Tisch an Feldfrüchten bislang noch recht gut gedeckt ist und zudem eine längere Kältephase ausblieb, spielte sich am Aktionswochenende erwartungsgemäß eher wenig an Freiburgs Vogelhäuschen ab: "Spektakuläre Dinge, etwa Seidenschwänze oder andere auffällige Vögel von weit her, sind diesmal daher nicht zu vermelden", teilt Felix Bergmann vom Nabu-Bezirksverband Südbaden auf Anfrage mit. Die Zählung ist also nur eine Momentaufnahme.

Ein Virus aus Afrika lässt Amseln sterben

Sagen lässt sich jedoch, dass die bereits im Vorfeld geäußerte Vermutung, der Amsel könne es schlechter gehen, durch die dokumentierten Zahlen untermauert wird: Wie in ganz Baden-Württemberg ist nämlich auch im Stadtkreis ihr Trend um zirka 20 Prozent rückläufig, im Schnitt wurden nur noch 2,2 Exemplare pro Garten gezählt – damit reichte es in der Endabrechnung lediglich für Platz 5. Hauptgrund für diese negative Entwicklung dürfte sein, dass das aus Afrika stammende Usutu-Virus dieser beliebten Drosselart spürbar zusetzt – gefördert vermutlich durch den langen Sommer.

Zweites Sorgenkind ist der Grünfink: Ihm macht, und zwar schon seit einigen Jahren, ein Einzeller namens "Trichomonas gallinae" zu schaffen, der den Verdauungstrakt der Tiere befällt. Auch bei dieser Gartenvogelart ist die Tendenz für Freiburg rückläufig, ebenfalls um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sodass es diesmal nur noch für Rang 13 reichte. Insgesamt wurden 124 Exemplare gesichtet.

Auffällig ist, dass dies im Gegensatz zum landesweiten Trend steht, der eher auf eine Verbesserung hindeutet. Warum das so ist, bleibt letztlich unklar, möglicherweise handelt es sich um ein lokales Phänomen.

Die Population der Stieglitze und Buchfinken wächst

Im Aufwind sind hingegen zwei andere Finkenarten, nämlich der auch als Distelfink bekannte Stieglitz sowie der Buchfink. Ersterer ist oft in kleinen Schwärmen unterwegs und legte gleich um 70 Prozent zu: 180 Stieglitze wurden diesmal im gesamten Stadtkreis gezählt, so dass diese Art erstmals in die "Top Ten" einziehen konnte und aktuell den neunten Rang belegt. Damit scheint sich ein Trend fortzusetzen, der schon länger auffällt: "Wir beobachten bei dieser Art nämlich schon seit einiger Zeit eine Zunahme", erläutert Biologe Bergmann. Ebenfalls besser als im Vorjahr schnitt der Buchfink ab: Er konnte sich um zwei Plätze verbessern und kletterte in Freiburg auf den dritten Platz – vielleicht, weil einige Zuzügler aus den schneebedeckten Schwarzwaldlagen zu Gast waren.

Auf den ersten beiden Rängen hat sich indes nichts verändert: Wie jedes Jahr geht die Goldmedaille an den Haussperling, der mit deutlichem Vorsprung ganz vorne liegt – bei 1771 Exemplaren macht diese Art nämlich mehr als ein Viertel aller in Freiburg gezählten Vögel aus.

Der Star ist reisefaul geworden

Danach folgt die Kohlmeise: Zwar konnte sie mit 692 Exemplaren ihren zweiten Platz aus dem Vorjahr behaupten, war jedoch mit im Schnitt 3,1 gezählten Exemplaren pro Garten um rund 25 Prozent schwächer vertreten als 2018 – vielleicht, weil Kälteflüchtlinge von weiter her als vorübergehende Gäste diesmal ausgeblieben sind, zumindest in größerem Umfang.

Ähnlich sieht der Trend bei der Blaumeise aus (470 Exemplare, Platz 6). Abermals bestätigt wurde, dass der Star "reisefaul" geworden ist und die milden Winter in zunehmendem Maße hierzulande verbringt: 129 Exemplare dieses Höhlenbrüters fielen diesmal im Stadtkreis auf, womit er Platz 12 belegt. Bei anderen klassischen Zugvogelarten lässt sich ein solcher Trend indes noch nicht erkennen: Mögliche Kandidaten wie zum Beispiel die Mönchsgrasmücke wurden nämlich nur als Einzelexemplare oder gar nicht gesichtet.

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