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22. Februar 2010

Freiburg hat eine bedrohte Sportart

Skaterhockey-Vereinen läuft der Nachwuchs davon, weil sie nur nachts trainieren können / Freiburgs Sporthallen sind proppenvoll.

"Es ist ja eigentlich ein Skandal, dass man so wenig Unterstützung erhält, wenn man Nachwuchsarbeit betreibt." Klaus Hess ist Jugendleiter des Inline-Skaterhockey-Bundesligisten "Breisgau Beasts" – ein Jugendleiter, dem die Jugendlichen weglaufen, weil der Nachwuchs schon seit Oktober keine Halle mehr zum Trainieren hat. Damals wurden die "Beasts" und mit ihnen auch der zweite Skaterhockey-Verein in Freiburg, die "Wild Devils", aus der kleinen Sporthalle an der Staudinger Gesamtschule verwiesen, weil sie den neu verlegten Hallenboden kaputt machen. "Wir haben einen inline-tauglichen Hallenboden ausgeschrieben, offenbar aber keinen bekommen", sagt Johannes Klauser, Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Er will nun prüfen, ob die Stadt die verlegende Firma für die Malaise haftbar machen kann.

Derweil sucht Rudolf Burgert, Chef des Amts für Schule und Bildung, nach Trainingsmöglichkeiten für die Clubs, etwa an der Albert-Schweitzer-Schule in Landwasser, wo das Rollstuhl-Team der "Beasts" trainiert. Doch wie in allen Sporthallen quillt der Belegungsplan über. Burgert hofft auf einen Kompromiss. Der sei aber nur in Sicht, wenn andere Vereine auf Trainingszeit verzichten.

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Nicht nur Hess ist seit Oktober schon mehr als ein Dutzend Jugendlicher abhanden gekommen, sondern auch Mike Rotzinger, Vorsitzender der "Devils": "Wir können in diesem Jahr gar keine Juniorenmannschaft zum Spielbetrieb anmelden, der Unterbau ist komplett gefährdet. Wir fühlen uns da schon ein bisschen im Stich gelassen." Die Junioren waren im Juli noch Meister ihrer Liga geworden. "Ohne Nachwuchs wird der Erfolg der Männerteams nicht lange anhalten, der Fortbestand einer ganzen Sportart steht in Freiburg auf der Kippe. Wir haben die schlechtesten Trainingsbedingungen in ganz Deutschland", sagt Dirk Müller, Sprecher der "Beasts". Deren Bundesliga-Männer und das Regionalliga-Team der "Devils" trainieren in der Zähringer Jahnhalle – täglich abwechselnd von 22 Uhr bis Mitternacht. "Das sind unchristliche Zeiten", sagt Müller. "Alle Freiburger Hallen sind proppenvoll, wir haben einfach zu wenige", entgegnet Burgert.

Die Skaterhockey-Vereine haben 170 Mitglieder und mittelfristig nur eine Chance zum Überleben, wenn sie eine Spielstätte haben, die in erster Linie dem Rollsport zur Verfügung steht. Die Schauenberghalle bei der Freiburger Turnerschaft kann das nicht sein, da sie für offizielle Spiele zu klein ist. "Wenn die Stadt uns ein Grundstück stellt, dann bauen wir auch selbst mit Zuschüssen und viel Eigenleistung eine Spielstätte", sagt Müller. So eine, wie sie die Stadt den "Beasts" im November in einer alten Lagerhalle im Gewerbegebiet Haid angeboten hatte, kommt jedenfalls nicht in Frage: Da standen mitten auf einem künftigen Spielfeld die Stützen fürs Hallendach.

Autor: Lars Bargmann