30. März 2009 14:32 Uhr

KTS

Nato-Gipfel: Freiburg rüstet sich für die Demonstration der Gegner

Berechtigte Sorge oder pure Übertreibung? Das autonome Kulturzentrum KTS hat für Montagabend eine Demonstration in der Freiburger Innenstadt angekündigt. Polizei und Ladenbesitzer rüsten sich gegen Gewalttäter.

Die Polizei kontrolliert die Einfallstraßen B3/B31 aus Richtung Süden am Montag. | Foto: Frank Thomas Uhrig
Die Veranstalter verstehen die Demonstration als Auftakt zu den Gipfel-Protesten am 3. und 4. April in Straßburg, Kehl und Baden-Baden. Bereits um 17 Uhr kommen die Gegner am Montag zu einer Kundgebung am Freiburger Rathausplatz zusammen. Eine Stunde später werden sie zu einer Demonstration vom Bertoldsbrunnen aus aufbrechen. Diese ist nicht bei den Behörden angemeldet und wird unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

Die Polizei rechnet mit bis zu 3000 Demonstranten. Wie viele Beamten diese gegenüberstehen werden, darüber geben die Behörden keine Auskunft. "Die Polizei wird aber in Freiburg sehr stark präsent sein", sagte Bernhard Rotzinger, Leiter der Landespolizeidirektion Freiburg.

Die Polizei kontrolliert die B31

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Zwar warnte die Polizei vor Panikmache, installierte aber bereits am frühen Nachmittag mehrere Kontrollposten rund um die Münstermetropole. "Wir versuchen gleich im Vorfeld gewaltbereite Demonstranten rauszufischen", sagte Ulrich Brecht von der Freiburger Polizei der Badischen Zeitung. Auf den Autobahnzubringern kam es daher teilweise zu Behinderungen. Auf der B3/B31 aus Richtung Süd zog die Polizei verdächtige Fahrzeuge raus und durchsuchte sie auf einem Parkplatz. Selbst SC-Spieler Ali Günes geriet auf der B31 auf dem Weg zum Freundschaftsspiel gegen den FC Winterthur in die Kontrolle.

Polizeieinsatz am Freiburger Hauptbahnhof. Foto: Ingo Schneider



Und während am Freiburger Hauptbahnhof die Polizei bereits in Kampfmontur anrückte, wurden die Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer an der Schnewlinstraße gegen 14.45 Uhr von der Polizei aufgefordert, bis 16 Uhr das Gebäude zu räumen. Nicht etwa, weil Ausschreitungen befürchtet werden. "Aber es könnte sein, dass die Straße wegen der Demonstration blockiert sein könnte", erklärte die Pressesprecherin der IHK Gundhild Heigl der BZ. Das Möbelhaus Domizil, genau gegenüber der IHK, wurde indes nicht geschlossen.

Im Vorfeld der Demonstration sorgte vor allem ein Bericht der Bild-Zeitung für Aufsehen. Unter dem Titel "Chaoten-Krieg in Freiburg" schürte das Blatt Ängste, dass es zu ähnlichen Ausschreitungen kommen könnte wie in Genua 2001 beim G8-Gipfel. Dem Artikel zufolge befürchtet die Polizei, dass aus dem sogenannten Schwarzen Block Pflastersteine und Brandsätze fliegen, Schaufenster zertrümmert und Geschäfte geplündert werden sollen.

"Ich weiß nicht, auf welchen Informationen dieser Text fußt", sagt Ulrich Brecht auf Nachfrage der BZ. Er halte derlei Mutmaßungen für übertrieben. Nichtsdestotrotz gingen einige Freiburger Geschäfte auf Nummer sicher: Die Volksbank am Bertoldsbrunnen schloss ihre Filiale bereits um 15 Uhr. Der Modeladen Marc O’Polo macht statt um 20 Uhr bereits um 18 Uhr dicht. "Wir haben den Geschäften geraten, nicht zu schließen", sagte Manfred Noppel, Geschäftsführer des Einzelhandelverbandes Südbaden.

Die meisten Läden bleiben geöffnet

Der Haushaltswarenladen Schafferer hat dementsprechend keine besonderen Vorbereitungen getroffen, sich aber vorab bei der Polizei informiert. "Die Mitarbeiter sind verunsichert", sagte Christina Bonert von der Geschäftsführung. Gegebenenfalls werde der Laden um 16 Uhr schließen. Telefonisch hielten sie Kontakt zu anderen Läden in der Umgebung. "Wir sind wachsam – wenn es sein muss, holen wir die Schauwagen rein und lassen eventuell das Rollgitter runter."

Die Einkaufspassage Schwarzwald-City wird zunächst auch nicht ihre Pforten schließen – setzt aber auf die Präsenz von Security-Männern. An den drei Eingängen wurden jeweils zwei Sicherheitsleute postiert. "Sie sollen die Lage beobachten und gegebenenfalls reagieren", sagte Ulrich Lauby, Center-Manager bei Schwarzwald-City, der BZ.

Die VAG sieht der ganzen Sache relativ gelassen entgegen. "Wir sind demo-erprobt", sagte Wolfgang Plöger, Fahrplanleiter der VAG. "Wir werden das ähnlich wie beim Rosenmontag managen." Sollte es zu Ausschreitungen kommen, würden die Linien, die den Betroldsbrunnen passieren, vorher gestoppt – je nach Bahn an den Haltestellen Stadttheater, Holzmarkt oder Schwabentorring.

"Am Morgen wurden die entsprechenden Straßenbahnen mit zwei Richtungsfahrzeugen ausgestattet", sagte Plöger. Damit müssten sie nicht erst wenden, sondern könnten einfach wieder zurückfahren. Zudem seien bei der VAG zwei Leute in der Betriebsstelle im Einsatz.  

Autor: sil/rö/si



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